Oktoberfest „Ude ist ein Schaumschläger“

„Ozapft is“: Oberbürgermeister Christian Ude wird es nie mit nur einem Schlag versuchen, meint BR-Moderator Christoph Deumling. Foto: BR

BR-Moderator Christoph Deumling ist heuer zum 20. Mal beim Anstich dabei. Er schaut dem Oberbürgermeister auf die Finger und hofft auf einen Schluck vom ersten Fass

AZ: Herr Deumling, brauchen wir einen neuen OB, um beim Anzapfen mal wieder einen Rekord zu bekommen?

CHRISTOPH DEUMLING: Nein, ein anderer könnte es nicht besser. Da bin ich sicher.

Was trauen Sie ihm heuer zu?

Christian Ude zapft so an wie immer, er macht keinen Blödsinn, sondern geht auf Sicherheit, also werden’s zwei oder drei Schläge. Er selbst hält ja den Rekord mit zwei. Er wird nie versuchen, es mit nur einem zu machen.

Weil es mit einem Schlag gar nicht machbar ist?

Das hab’ ich ihn auch mal gefragt. Er meinte, dass es schon machbar wäre. Aber wenn der Wechsel dann nicht gscheit sitzt, gibt’s beim Zapfen der ersten Maß ein Chaos. Und die Blamage wäre groß. Ude ist zwar ein Kabarettist auf der Bühne, aber er will nicht zum unfreiwilligen Kabarettisten im Bierzelt werden.

Haben Sie selbst schon mal ein Fass angezapft?

Nein, ich wäre aber sofort dabei. Ich kann bloß gscheit Zuschauen und blöd Daherreden.

Und Mittrinken, oder?

Mal bekomme ich eine Maß vom ersten Fass, mal nicht. Das hängt immer davon ab, ob ich dem Oberbürgermeister zufällig so im Weg stehe, dass er mich sieht.

Alkohol im Dienst ist also kein Problem?

Naja, der Oberbürgermeister ist um diese Uhrzeit ja ein echter Schaumschläger. In den ersten Maß ist viel Schaum und wenig Bier. Für einen Schluck reicht’s, höchstens noch für einen zweiten. Und den vertrage ich noch.

Und während des „Wiesn Stammtisch“ am Sonntag?

Ehrlich gesagt, trinke ich da nur Alkoholfrei, sonst wäre ich am Ende der Sendung sturzbetrunken. Privat trinke ich höchstens eine Maß. Trinke ich zwei, geht’s mir am nächsten Tag schlecht.

Gehen Sie privat überhaupt noch gerne auf die Wiesn?

Von Jahr zu Jahr lieber. Meine Tochter ist jetzt eineinhalb Jahre alt, und meine Frau und ich überlegen, ob wir sie zu einer ruhigen Tageszeit mal mitnehmen.

Zu ihrer ersten Wiesn?

Ja, aber obwohl sie mit Hingabe „Die Hände zum Himmel“ singt, stahlt und mitklatscht, muss das Bierzelt noch warten.

Aber sie scheint ja schon gut vorbereitet...

Ja, drei Dirndl hat sie auch schon im Schrank.

Können Sie sich an Ihre erste Wiesn erinnern?

Ja, ich war sechs oder sieben. Aber am meisten hat sich bei mir die albtraumhafte Heimfahrt in der Trambahn eingebrannt. Damals, Anfang der 60er Jahre, hatte sie noch Schiebetüren, war völlig überfüllt und einige standen halb draußen. Ich war drinnen und dachte, jetzt werde ich erdrückt. Aber davon abgesehen hatte ich immer viel Freude.

Sitzen Sie heute lieber im Bierzelt oder in der Achterbahn?

Beides, ich finde die Atmosphäre im Bierzelt gigantisch. Draußen mache ich alles, was pferdewild ist, aber kurz und schmerzlos. Die Achterbahn, die nach 90 Sekunden vorbei ist, ist mir lieber als das Kettenkarussell, das minutenlang fährt. Ich musste mal im Kettenkarussell moderieren. Mir ist so schlecht geworden.

Was halten Sie davon, dass in den Bierzelten weiter geraucht werden darf?

Bisserl weniger Rauch wär’ nicht schlecht, damit man nach dem Wiesnbesuch seine Kleidung nicht tagelang lüften muss. Aber auch egal, zur Wiesn gehört einfach: Saufen, Rauchen, Heiterkeit. Da schlag’ ich mich auf keine Seite.

Angelika Kahl

 

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