Oktoberfest Kolumne Wozu sind Freunde da?

Wiesn-Reporterin Laura Kaufmann über Freunde auf dem Oktoberfest. Foto: az/dpa

Unsere tägliche Wiesngängerin hat beobachtet, dass sie für manche(n) auf der Wiesn sind einfach unerlässlich sind: Gute Freunde!

 

Ich habe noch keinen einzigen Schluck Bier getrunken, da kommt mir eine Zombiefrau entgegen. Besser gesagt, sie wird mir entgegengetragen. Sie hat blutunterlaufene Augen, ist höchstens bei halbem Bewusstsein und ihre Arme hängen über den Schultern zweier Freundinnen, so kann sie eigene Schritte simulieren. Ihre Schürze hängt ihr in den Kniekehlen.

Auf der Wiesn braucht man gute Freunde. Solche, die einen im Notfall über die Schultern schmeißen und nach Hause tragen. Wer die nicht hat, ist arm dran.

So wie die kleine Amerikanerin, die hinter dem Hofbräuzelt steht und „fuck this shit“ (übersetzen wir nicht) vor sich hin flucht. Sie sieht mich an, als suche sie eine Verbündete, aber ich bin recht bierselig. So wie der arme Teufel, der weit nach Zeltschluss am Autoscooter sitzt, das Gesicht in den Händen vergraben, vergessen von der Welt.

Mit dem Ehrgeiz der null Fehltage sind Freunde auf der Wiesn schon allein deswegen wichtig, weil es auf Dauer ohne sie arg einsam wäre. Wobei hier niemand allein bleibt, der nicht allein bleiben will.

Aber neue Bierzeltfreunde bringen mir keine Mütze mit, wie der Freund, der unbedingt im Biergarten sitzen will, und wenn er sich das festgefrorene Bier aus dem Krug meißeln muss. Neue Freunde schicken keine detaillierten Zeitpläne, wann sie sich wo aufhalten während der Wiesn, falls ich mich langweilen sollte.

„Bringssdumichheim“, nuschelt es am Rande des Schnapsstands. Der Nuschelnde schwankt leicht, Gleichgewicht ist nicht mehr seine Stärke. Er nuschelt es alle paar Minuten vor sich hin, aber er hat Geduld. Sein Freund ist noch am Ratschen. Und sehr viel besser beieinander. Der Freund wird ihn nicht hängen lassen, der Nuschelnde weiß das, auch wenn er sonst nicht mehr viel weiß. „Na, komm“, sagt der Freund dann auch und legt sich den Arm des Nuschelnden um die Schulter.

Im Wiesnbier schwappt viel flüchtige Liebe umher. Aber gute Freunde, die sind auf der Wiesn eine wahre Stütze.

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