"Oft kopiert, nie erreicht!" Schaustellerfamilien danken der Stadt München

Wenzel Bradac überreicht Clemens Baumgärtner den Preis. Foto: Daniel von Loeper

Die Schausteller und Marktkaufleute bedanken sich bei der Stadt München für die Unterstützung auf der Wiesn, klagen aber auch über Ärger und Zukunftssorgen.

 

München - Sie sind beinahe eine große Familie: die Schausteller und Marktkaufleute in Bayern. Sehr viele von ihnen stehen im Moment am Rosenheimer Herbstfest. Ob Top-Spin oder Süßigkeiten-Stand, am Sonntag bauen sie ab – um auf die Theresienwiese zu "schießen" – zum Aufbau für die Wiesn. "Das sind alles so gestandene Leute. Diese Anstrengung und diese Spannung! Oft wird bis zur letzten Minute an den Ständen gehämmert", sagt FDP-Stadträtin Gabriele Neff voller Anerkennung für die Familien und ihr Gewerbe.

Schausteller verleihen Ehrenpreis an die Stadt München

Mit Schaustellerseelsorger Pater Paul, Ex-Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl und weiteren Gästen sitzt Rathauspolitikerin Neff am Mittwoch im Saal des Stadtmuseums: Wenzel Bradac, Präsident des Bayerischen Landesverbandes der Marktkaufleute und Schausteller verleiht hier den Ehrenpreis für "Gelebte bayerische Volksfestkultur" – und zwar nicht an eine einzelne Persönlichkeit, sondern an die Stadt München.

Damit bedanken sich die Schaustellerfamilien und Marktleute dafür, was die Stadt als Veranstalter der Wiesn, für die Unterstützung ihres Berufstandes tut. Denn viele Volksfest-Bestücker haben Sorgen: Die Zahl der gemeindlichen Volksfeste sinkt kontinuierlich. "In den letzten 15 Jahren sind 20 Prozent der Volksfeste und Märkte wegrationalisiert worden", beklagt der Münchner Schausteller Wenzel Bradac, der heuer exakt zum 49. Mal auf der Wiesn seine glasierten roten Äpfel verkauft: "Aber wo gibt es denn noch das Teufelsrad, einen Schichtl oder die Krinoline – nur in München und auf der Oidn Wiesn!"

Wiesn-Chef: "Wir wären nichts ohne Schausteller"

Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU), bedankt sich stellvertretend für die Stadt für die Ehrung: "Wir wären nichts ohne Sie", erklärt er. Die Nöte der Marktkaufleute und Schausteller verstehe er gut, sagt er in seiner Rede. Später schwärmt er ausgiebig vom "Wohlfühlgefühl", was ihn auf der Wiesn überkommt: "Einfach die Seele baumeln lassen. Man geht zum Fahrgeschäft, isst, trinkt". Bereits am Goetheplatz spürt der Münchner immer schon den "legendären Charme" der Wiesn: "Das ist ein ganz spezieller Geruch. Der Steckerfisch wartet schon und das Bier riecht auch schon", sagt Baumgärtner: "Alles kann, nichts muss. Man kann auf der Wiesn einfach wahnsinnig viel Spaß haben."

Im Internet hat sich der Wiesn-Chef kürzlich die vielen Oktoberfest-Klone in aller Welt angeschaut: "Asphaltierte Böden im Zelt, Bier im Plastikbecher, das Essen wird auf Papptellern am Tisch serviert, Lasershows zur Unterhaltung". Sein Fazit: "Oft kopiert, nie erreicht!"

 

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