Obwohl es nicht aus Neuschwanstein kommt Streit: Darf das "Neuschwaner"-Bier so heißen?

Schloss Neuschwanstein: Bier wird hier nicht gebraut. Foto: dpa

Darf ein Bier dene Namen Neuschwansteiner tragen, wenn es nichts mit dem Schloss zu tun hat? Das Oberlandgericht hat nun eine Entscheidung gefällt.

München - Bei Montblanc-Füllern denkt auch niemand, dass sie auf Europas höchster Erhebung produziert werden. So anschaulich erklärt der Vorsitzende Richter Andreas Müller, warum es sein OLG-Senat für unbedenklich hält, wenn ein Neuschwansteiner Bier nicht auf dem Märchenschloss gebraut wird.

Das sieht die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs mit Sitz in Frankfurt am Main etwas anders. Sie hält die Bezeichnung Neuschwansteiner für irreführend, weil das Bier zwar in der Nähe, aber eben nicht im Schloss selbst gebraut wird. Die Frankfurter verklagten die Schwangauer Holding-Gesellschaft auf Unterlassung.

Tatsächlich entschied das Münchner Landgericht in erster Instanz, dass an dem Vorwurf was dran ist. Begründung: Der Durchschnittsverbraucher weiß, dass Bier auch auf Schlössern gebraut wird. Daher könnte er fälschlicherweise glauben, dass auch das Neuschwansteiner im Schloss gleichen Namens produziert wird.

Immerhin einen Sieg erreicht die Holding

Der OLG-Senat kommt gestern in zweiter Instanz zu einem anderen Schluss. Er geht davon aus, dass der durchschnittliche deutsche Bierkonsument weiß, dass Schloss Neuschwanstein ein Museum ist und keinen Platz für eine Brauerei bietet. Die Bezeichnung Neuschwansteiner ist aus diesem Grund auch nicht irreführend. Das gelte auch für Bierfreunde außerhalb Bayerns.

In einem zweiten Klagepunkt zieht die Neuschwansteiner Holding allerdings den Kürzeren. Der Ausdruck "Methode royale", der den Eindruck eines champagnerähnlichen Luxus-Bieres erzeugen soll, muss wohl vom Etikett der 0,75-Liter-Bierflasche verschwinden. Das Neuschwansteiner ist nach Einschätzung des Gerichts ein normales Märzenbier, das die Bezeichnung "nach königlicher Methode gebraut" nicht wirklich rechtfertigt.

Das Neuschwansteiner Märzenbier kann man auch in München testen. Bei Käfer kostet die Flasche 29,90 Euro. Zugegeben nicht gerade ein Schnäppchen, wenn man Richter Müllers Einschätzung teilt: "Im Supermarkt bezahlt man für ein Märzenbier einen Euro."

 

3 Kommentare

Kommentieren

  1. null