OB-Kandidatin Habenschaden München: Grüne zeigen sich vor Wahl schrill bis riskant

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Mit bunten Plakaten im Pop-Art-Stil wollen OB-Kandidatin Katrin Habenschaden und ihre Grünen den Nerv der Münchner treffen. Foto: Emily Engels

Mit unkonventionellen Plakaten im Pop-Art-Stil und dem Claim "Wähl, was jetzt zählt", wollen die Grünen "mutig und positiv" in die Zukunft blicken – und "den Nerv der Münchner treffen".

 

München - Die OB-Kandidatin Katrin Habenschaden kommt zu spät zum Pressetermin in der Alten Utting, bei dem die Grünen ihre Wahlkampagne vorstellen. Der Grund ist nicht etwa Fehlplanung, sondern: Es herrschte wieder Chaos auf der S-Bahn-Stammstrecke.

Passend dazu fordert sie wenige Sekunden nach ihrer Entschuldigung für die Verspätung: "Wir brauchen dringend eine neue Verkehrspolitik, die alle mobiler macht." Das Thema Verkehr ist auch auf zwei ihrer Plakate wiederzufinden. Auf einem steht "Für Radl-Lust statt Auto-Frust", auf einem anderen "Für U-Bahn-Bau statt Dauerstau". Darunter jeweils der Claim: "Wähl, was jetzt zählt."

Habenschaden stichelt gegen CSU

"Unser Slogan soll betonen, wie dringend es ist, jetzt die richtigen Weichen in unserer Stadt zu stellen", sagt Habenschaden. Und stichelt gegen ihre Konkurrentin Kristina Frank (CSU), die jüngst ihren Wahl-Slogan "Wieder München werden" vorgestellt hat: "Eine Kampagne, die ein Gegenentwurf zu unserer ist. Wir blicken in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit."

Und dann schießt sie noch gegen OB Dieter Reiter (SPD), der für sich und seiner Partei mit dem Claim "Gesagt. Getan. Gerecht" wirbt: "Und die SPD macht es auch nicht."

Habenschaden spricht von einer positiven, mutigen Kampagne. Das sieht man an den Plakaten. Im Pop-Art-Stil sind sie schrill und bunt. "Wir heben uns damit von dem ‘Old-School-Look’ unserer Mitbewerber ab", sagt Andreas Gregor, der die Plakate grafisch mitgestaltet hat. Neben Verkehrsthemen werben die Grünen auch für ihren Einsatz für eine solidarische Stadtgemeinschaft: "Für Haltung statt Spaltung".

Klimaschutz, Miete und mehr Grün

Weitere Plakat-Sprüche – die von der Agentur David&Martin kommen, die auch die Kampagne der bayerischen Grünen zur Landtagswahl konzipiert hat: "Für Grün-Erhalt statt mehr Asphalt", "Für Klimaschutz statt Kohleschmutz" und "Für bezahlbare Miete statt Rendite".

Gülseren Demirel, Landtagsabgeordnete und seit Anfang November Münchner-Grünen Chefin an der Seite von Dominik Krause, sagt: "Wir glauben an eine gute Zukunft für München. Unsere Kampagne ist deshalb positiv und zuversichtlich, nicht negativ und im Gestern verhaftet."

Sie baut ganz auf den Zeitgeist, der den Grünen in München vermutlich schon bei der Landtags- und Europawahl zu Erfolgen geführt hat. Demirel: "Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser unkonventionellen Kampagne den Nerv der Münchner treffen."

Zu wenig Werbung mit Grüner OB-Kandidatin?

Doch Mut birgt auch Risiken. Zu mutig könnte sein, dass die Grünen in der Kampagne kaum mit ihrer OB-Kandidatin werben. Nur ein vergleichsweise schlicht gehaltenes Plakat-Motiv ist ihr gewidmet – ihre Mitstreiterin Kristina Frank ist auf deutlich mehr Plakaten präsent. Für Habenschaden nicht unproblematisch. Denn aktuellen Umfragen zufolge sagt bisher nur jedem dritten Münchner ihr Name etwas.

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