OB-Kandidatin der CSU Kristina Frank: Wahlkampf mit Störgeräuschen

Kristina Frank ist in Bedrängnis. Foto: Petra Schramek

Die CSU-OB-Kandidatin hat mit Problemen zu kämpfen. An der Parteispitze grummelt es über ihre Strategie. Und auch im Stadt-Verband sind nicht alle zufrieden.

 

München -  Kristina Frank ist noch zierlicher geworden. Sie trägt ein Kleid, das eine Nuance grüner erscheint als klassisches CSU-Blau, und als sie zum Rednermikrofon greift am Mittwochabend beim Neujahrsempfang der Münchner CSU, ist es unüberhörbar: Sie ist, inzwischen, eine geübte Rednerin.

CSU: Kristina Frank ist in Bedrängnis

Sie strahlt die Menge an, sie holt weit aus mit ihren Armen, ihre Stimme füllt den Raum, so gut das eben geht in der akustisch schwierigen Alten Küferei im Ratskeller unterm Rathaus – und wenn man nach einem 90-Sekunden-Feuerwerk des Münchner CSU-Chefs und rhetorischen Profis Ludwig Spaenle sprechen muss.

Auf den Wahlkampf-Bühnen ist Kristina Frank (38) sieben Wochen vor der Kommunalwahl angekommen. Und doch: Die Kommunalreferentin, die die Münchner CSU als OB-Kandidatin gegen den amtierenden SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter und die grüne Konkurrentin Katrin Habenschaden ins Rennen schickt, ist in Bedrängnis.

Rückhalt in der Partei bröckelt

Nicht nur, dass die Umfragewerte zur OB-Wahl alles andere als rosig sind (nach dem AZ-Trend bleibt Dieter Reiter Favorit, Kristina Frank wollen nur 13,59 Prozent der Münchner wählen). Nun kommt noch interner Stress obendrauf. Während Frank dauerwahlkämpfend ihre ganze Kraft einsetzt, wird in der Partei der Streit um ihre Wahlkampfstrategie immer lauter. So laut, dass auch der Rückhalt unter den eigenen Leuten Risse bekommt.

Dass Ministerpräsident Markus Söder die Kampagne seiner Münchner CSU für ein strategisches Desaster hält, ist kein Geheimnis mehr, seit Söder seinen Grant darüber in mehreren Sitzungen so offensiv ausgesprochen hat, dass er die Presse erreicht hat. Punktgenau vor dem Neujahrsempfang (die wichtigste interne Showveranstaltung der Münchner CSU im Jahr) hatte der "Merkur" darüber berichtet. Für die Münchner Wahlkampfstrategen ist das ein medialer Gau.

Söder ist der Slogan "Wieder München werden" zu altbacken, unmodern und rückwärtsgewandt. Er habe keine Wucht. Er sei untauglich, um die hunderttausend Neu-Münchner zu erreichen, die jedes Jahr frisch in die Stadt ziehen, und die mit einer großstädtisch-modernen Zukunftslinie besser zu gewinnen seien.

Auch über die Radlkampagne "Bike-Talk", die die Strategen für Kristina Frank geschneidert haben, lästert der Ministerpräsident zunehmend, ist aus der Partei zu hören. Radeln im Winter? Halte er für "eine eher dämliche" Idee. Genau wie die Inszenierung der Kandidatin auf den Wahlkampfplakaten. "Lächeln und Designerschal reicht nicht", sagt ein CSU-Funktionär, der den Grant seines Chefs teilt, das aber lieber nicht laut aussprechen mag.

Kritik an Söder: "Keine Ahnung von München"

Im Ratskeller ist die Söder-Attacke gegen seine Münchner Parteifreunde deshalb Tuschelthema Nummer eins an diesem Abend. Die engere Wahlkampftruppe wehrt sich heftig. Söder habe "keine Ahnung von München", ätzt ein Funktionär. "Wenn man wie der Ministerpräsident auf einem Höhenflug reitet, weil man plötzlich als Kanzlerkandidat gehandelt wird, kommt man schnell auf die Idee, dass man alles besser weiß. Das nervt."

Man werde sich deshalb in die Münchner Kampagne "nicht hineinreden" lassen, heißt es. Die sei nämlich durchdacht, genau auf die Befindlichkeiten in München abgestimmt und "zukunftsgewandt".

Erklär-Präsentation an Münchner CSU-Mitglieder

Längst gibt es aber auch unter den Münchner CSUlern viele, die mit der Kampagne hadern. Allein, dass der Bezirksverband im Dezember an alle Münchner CSU-Mitglieder eine Erklär-Präsentation geschickt habe, sei "ein Armutszeugnis", ist zu hören. "Das haben die herumgeschickt, weil keiner den Slogan verstanden hat", berichtet einer. In den "Argumentationsrichtlinien zum Claim" ist auf elf Seiten nicht nur zu lesen, wie man den Slogan zu verstehen habe. Es werden auch gleich Antworten auf "mögliche kritische Fragen" mitgeliefert – wie diese: "Ist der Claim rückwärtsgewandt?" Als Antwort wird empfohlen: "Man kann die Herausforderungen der Zukunft nur dann lösen, wenn man sich darauf besinnt, was München im Kern ausmacht. Nur wer sich selber kennt, kann sich weiterentwickeln."

Auf den Einwand "Das ist doch der Claim von Dieter Reiter aus dem Jahr 2014 ("Damit München München bleibt") möge man sagen: "Nein. Im Gegenteil. Bei Dieter Reiter ging es vor fünf Jahren um das Gleiche wie heute. Verwalten statt handeln (...). Wir stehen für aktives Handeln, um die Charaktereigenschaften der Stadt zurückzugewinnen, die uns gerade verloren gehen."

"Windelweich" findet einer der Münchner Kritiker derlei Erläuterungen. Ein anderer sagt: "In Wahrheit spricht Söder vielen hier aus der Seele. Aber dass er diese Kritik kurz vor der Wahl öffentlich raushaut, ist toxisch." Man finde nur eine Erklärung für diesen Söder-Schachzug: "Er will nach der Wahl nicht schuld sein, wenn es für uns mies ausgeht."

CSU veröffentlicht Wahlprogramm als letzte Partei

In den nächsten Tagen wollen Kristina Franks Strategen endlich das Wahlprogramm veröffentlichen. Die CSU ist damit die letzte der Stadtrats-Parteien, die die konkreten Details auf dem Tisch legt, es habe noch "Abstimmungsbedarf" gegeben. Kann das Papier nochmal Schwung in den Wahlkampf bringen und neue Wähler mobilisieren? "Brillant schauen wir gerade nicht aus", sagt einer aus dem Führungszirkel, und schließt mit dem Satz, der immer passt, wenn die Stimmung im Keller ist: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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