Nordische Ski-WM "Ziehen das durch": Wellinger und Freunds Falun-Märchen

Andreas Wellinger (links) schickt sich nämlich an, in Finnland das Wintermärchen neu aufzulegen, das der nach seinem Kreuzbandriss in Lahti fehlende etatmäßige Topmann Severin Freund (rechts) vor zwei Jahren im schwedischen Falun uraufgeführt hatte. Foto: dpa

Nach großen Leistungen auf der Normalschanze wären WM-Medaillen auf der Großschanze für die deutschen Skispringen fast schon normal. Doch Andreas Wellinger peilt den ganz großen Coup an.

 

Lahti - Vor dem möglichen Höhepunkt der deutschen Skisprung-Festspiele von Lahti meldete sich der verhinderte Titelverteidiger per Videobotschaft zu Wort. "Ihr habt mir in der ersten Woche schon wahnsinnig viel Spaß gemacht", sagte Severin Freund an seine potenziellen Nachfolger.

Und: "Jetzt drücke ich für die zweite die Daumen." Klare Ansage, klarer Adressat: Freunds Worte gingen vor allem an Andreas Wellinger.

Dieser schickt sich nämlich an, in Finnland das Wintermärchen neu aufzulegen, das der nach seinem Kreuzbandriss in Lahti fehlende etatmäßige Topmann vor zwei Jahren im schwedischen Falun uraufgeführt hatte: Damals hatte Freund am Auftakt-Wochenende WM-Silber im Einzel von der Normalschanze geholt und Gold mit dem Mixed-Team gewonnen - genau wie nun auch Wellinger.

Damals gelang Freund dann mit Gold von der Großschanze der Riesencoup - wie nun auch Wellinger? "Nach den zwei Medaillen kann ich jetzt befreit drauflos springen - Druck habe ich keinen mehr", sagt der 21-Jährige vor der Entscheidung auf der großen Salpausselkä-Schanze am Donnerstag (17:30 Uhr MEZ/ARD und Eurosport), "alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe."

So war es 2015 auch bei Freund, die Zugabe fiel dann aber noch triumphaler als die ersten Akte aus. Und gerade in Lahti, das glaubt Freund, ließe sich das wiederholen: "Wir wissen ja alle, dass das eine Schanze der Deutschen ist."

Freund selbst feierte auf dem großen Lahti-Bakken 2014 seinen siebten von 22 Weltcup-Siegen, sprang zudem fünfmal auf das Podest. In Team-Wettbewerben - der bei der WM steht am Samstag zum Abschluss an - belegten die DSV-Adler im Weltcup dort zuletzt die Plätze eins (2013), zwei (2014) und zwei (2015).

"Meinen Jungs gefällt die Anlage", sagt Bundestrainer Werner Schuster: "Das ist eine der älteren finnischen Schanzen mit einen größeren Tischneigung, da kommt man gut ins Fliegen - und schöne Erinnerungen haben wir natürlich auch. Der Severin, der hier jetzt leider fehlt, aber auch der Richard Freitag."

Freitag hatte 2013 in Lahti gewonnen, der hochveranlagte, aber wankelmütige Sachsen könnte hinter den beiden Trümpfen Wellinger und Markus Eisenbichler, dem Dritten der ersten Entscheidung, der deutsche Joker sein. Der vierte Mann, auch im Hinblick auf das Teamspringen, wird Stephan Leyhe heißen. "Wir wollen das jetzt mit allen echt durchziehen, wir haben hier noch einiges vor", sagt Schuster. Nach großen Leistungen auf der Normalschanze wären Medaillen auf der Großschanze schon fast normal.

 

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