Neues Buch War Altkanzler Helmut Schmidt ein Nazi?

Helmut Schmidt (95) war von 1974 bis 1982 der fünfte Kanzler der Bundesrepublik. Zum Zeitpunkt der Aufnahme oben rechts aus dem Jahr 1940 ist Schmidt Leutnant der Luftwaffe. Foto: dpa/az

Ein neues Buch widmet sich der Wehrmachtsakte des Altkanzlers. Darin wird ihm eine „einwandfreie nationalsozialistische Haltung“ bescheinigt. Wie sind diese Vermerke zu bewerten?

 

München - Ein neues Buch der Autorin Sabine Pamperrien bringt bis dato unbekannte Beurteilungen über Helmut Schmidts (95) Zeit in der Wehrmacht ans Licht. Wie „Spiegel Online“ am Wochenende berichtete, lässt Pamperriens „Helmut Schmidt und der Scheißkrieg“ den Verdacht zu, dass der Ex-Kanzler ein Nazi gewesen sein könnte. Er sei zeitweise „von Nazi-Ideologien kontaminiert“ gewesen, behauptet die Autorin.

Pamperrien hat für ihr Buch (erscheint am 8. Dezember im Piper-Verlag) die Wehrmachtsakte von Helmut Schmidt im Freiburger Militärarchiv ausgewertet. In drei Personalbeurteilungen von Schmidts Vorgesetzten aus den Jahren 1942 bis 1944 sind Formulierungen wie die diese zu lesen: „Steht auf dem Boden der nat.soz. (Anmerkung der Redaktion: nationalsozialistischen) Weltanschauung und versteht es, dieses Gedankengut weiterzugeben“.

Ein weiterer Vermerk vom 30. September 1943 bescheinigt dem damals jungen Luftwaffenoffizier eine „einwandfreie nationalsozialistische Haltung“, ein Jahr später beurteilt man Schmidt mit „Nationalsozialistische Haltung tadelfrei“.

Historiker und das Freiburger Militärarchiv relativieren im „Spiegel“ hingegen den Aussage- und Informationswert solcher Formulierungen über die Wehrmachts-Vergangenheit des Altkanzlers.

Beurteilungen wie „einwandfreie nationalsozialistische Haltung“ habe es vielfach in Personalunterlagen gegeben. Das würde über die „wahre politische Einstellung“ des jeweiligen Soldaten nichts aussagen.

Helmut Schmidt selbst kommentierte das Buch und die darin enthaltenen Passagen noch nicht. Er wolle sich erst einmal eine Kopie der Wehrmachtsakte aus dem Militärarchiv zuschicken lassen. Biografin Sabine Pamperrien sei aber in „Ungnade gefallen“, sagt Schmidt.

Die Autorin hatte sich zuvor von Schmidt die Erlaubnis eingeholt, Einsicht in die Wehrmachtsakte nehmen zu dürfen.

 

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