Neues Anti-Gewalt-Projekt Sub-Zentrum München: Hilfe bei homophober Gewalt

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Michael Plaß (vorne) und Kai Kundrath im Sub. Foto: Mark Kamin

Am Telefon, im Chat oder persönlich: Das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum Münchens (Sub) hat jetzt ein bayernweites Anti-Gewalt-Projekt.

 

München - Erstmals gibt der Freistaat Gelder für ein LGBTIQ*-Projekt (Lesbisch Schwul Bi Trans* Inter* Queer) – wobei: "Wir haben uns auf eine Ausschreibung des Sozialministeriums beworben. Das hat nichts mit der Politik zu tun, sondern war eine Verwaltungsentscheidung", sagt Kai Kundrath, Geschäftsführer vom Sub. Im Ländervergleich ist Bayern Schlusslicht, als einziges Land ohne breit angelegte LGBTIQ*-Förderung.

Jetzt hat das bayernweite Anti-Gewalt-Projekt seine Arbeit aufgenommen. "Gewalt hat auch subtile Formen: Es gibt Männer, die gehen mit ihrem Freund nicht Hand-in-Hand, weil sie befürchten, dass ihnen etwas passiert", sagt Plaß, der das Projekt leitet.

"Man muss nicht schwul sein, um als schwul beleidigt zu werden"

Er ist jetzt die Anlaufstelle für jede Form von Gewalt gegen schwule, bisexuelle und queere Männer: Körperliche Gewalt, aber auch Mobbing, Stalking, Beleidigung, häusliche Gewalt oder Lächerlichmachen. "Der Schuh des Manitu ist der erfolgreichste deutsche Film und darin geht es vornehmlich darum, Schwule lächerlich zu machen", sagt Plaß, der Gewalt und Diskriminierung als gesamtgesellschaftliches Problem sieht. "Man muss nicht schwul sein, um als schwul beleidigt zu werden. Es geht oft um eine angenommene Sexualität. Oder denken Sie an den homophoben Angriff auf dem Oktoberfest, als Männer dachten, andere Männer seien schwul."

Über die Anti-Gewalt-Hotline können sich Opfer von homo- und transfeindlicher Gewalt unter 089/ 856 346 427 melden. "Beratung für schwule, bisexuelle und queere Männer, die Opfer von Gewalt wurden, muss klar parteiisch, niedrigschwellig und auf Wunsch anonym angeboten werden", sagt Plaß. Deshalb gibt es auch die Möglichkeit, sich über einen Livechat beraten zu lassen. Oder zu einem persönlichen Gespräch im Sub vorbeizukommen und auch Gewalt online zu melden. Denn die Dunkelziffer bei homo- und transfeindliche Straftaten ist hoch.

Laut der Polizei München gab es 2018 sechs homo- und transphobe Straftaten in München. In Berlin gab es im gleichen Zeitraum über 200. Der Berliner gilt aber nicht als homophober als der Münchner, sondern Experten sagen, die Beamten in der Hauptstadt seien in dieser Hinsicht mehr sensibilisiert.

Das Vertrauensproblem mit der Polizei 

"Wir haben ein Vertrauensproblem zur Polizei", sagt Plaß. Deshalb würden viele queere Opfer von Gewalt diese erst gar nicht anzeigen. Plaß selbst erzählt, wie er vor dem Sub von Schwulenhassern mit Eiern beworfen wurde und die Polizeibeamten die Anzeige zuerst nicht aufnehmen wollten. "Die Übergriffe auf Minderheiten haben zugenommen, beziehungsweise sind sichtbarer geworden", sagt Kundrath. "Die Homophobie war immer da, aber jetzt trauen sich die Menschen wieder, sie zu zeigen."

Die Beratung von Gewaltopfern war schon seit der Gründung des Sub 1986 ein zentraler Teil der Arbeit. Das Geld kam bisher aber immer von der Stadt München und wer Beratungsbedarf hatte, musste ins Sub kommen.

Mit der Förderung konnte eine Vollzeitstelle für Michael Plaß geschaffen werden, der vernetzt, berät und konkrete Hilfsangebote vermittelt. "Man sieht an den Gewalterfahrungen von LGBTIQ*, dass die rechtliche Gleichstellung leider noch nicht in der Gesellschaft angekommen ist", sagt Kundrath.

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