Neuer Simulator München: S-Bahn-Lokführer üben für die freie Wildbahn

Daniel Fischer beim Üben: Hier lernt er, wann er bremsen, beschleunigen und den "Wachsam-Knopf" drücken muss. Foto: Daniel von Loeper

An einem neuen Simulator lernen S-Bahnfahrer, durch die Münchner Stammstrecke zu fahren. Der ist täuschend echt – und trainiert sogar Gefahrensituationen.

 

München - Lokführer der S-Bahn kommen immer öfter aus unterschiedlichen Berufen: Sie waren vorher Friseure oder Elektriker. Sogar ein Jurist und ein Theologe sind schon umgestiegen auf den Beruf des S-Bahn-Fahrers.

Dieses Jahr bildet die Deutsche Bahn 120 Quereinsteiger aus. Das Besondere: Die neuen Lokführer trainieren ab sofort an einem innovativen Strecken-Simulator. Das ist ein Bildschirm, der fast naturgetreu die Münchner Stammstrecke zeigt, inklusive der Stationen Westkreuz und Leuchtenbergring – statt irgendeine künstliche Landschaft. "Wir möchten unsere Leute so gut es geht auf die freie Wildbahn vorbereiten. So können sie üben, ohne draußen den Betrieb lahmzulegen", sagt Marc Hildmann von der Deutsche Bahn AG, der die Qualifizierung leitet.

Quereinsteiger übt am Münchner S-Bahn-Simulator

Daniel Fischer (34) ist einer dieser Quereinsteiger: Der Lokführer in spe sitzt am Nachbau des S-Bahn-Fahrpults. Die Theorie, alle Bahn-Signale, hat er schon gepaukt. Nun beginnt die virtuelle Fahrt: "Wir starten in Pasing", sagt sein Trainer. Rechts auf dem Bildschirm erscheinen die Pasing Arcaden. Mit der linken Hand gibt der 34-Jährige am Hebel Gas, beschleunigt auf 120 Stundenkilometer. Er weiß, wenn er bestimmte Signale sieht, muss er den "Wachsam-Knopf" drücken, so wird seine Aufmerksamkeit bei der Arbeit überprüft.

An der Donnersbergerbrücke sieht er das charakteristische Gebäude des früheren Hauptzollamtes. Dann taucht seine S-Bahn in den Tunnel: "Der schwarze Tunnel ist ungewohnt, denn im Auto macht man ja das Licht an", sagt Daniel Fischer. Auch eine Gefahrensituation wird simuliert: Ein metallisch schimmernder blauer Luftballon von der Wiesn hat sich am Isartor in der Oberleitung verfangen – das kann einen Kurzschluss geben. Daniel Fischer muss in so einem Fall den S-Bahn-Notdienst informieren, der den Ballon mit einem Blasrohr abschießt.

Der frühere Kfz-Mechaniker aus Unterhaching ist als Lokführer am Übungsstand überrascht, wie schnell durch das permanente Halten, Anfahren und Überblick behalten die Zeit vergeht. Seinen neuen Job sieht er als Glücksfall: "Steuern ist etwas Schönes. Man hat sehr viel Verantwortung. Fahrgäste von A nach B zu bringen, ist etwas Sinnvolles. Jeder braucht die S-Bahn."

Seine Ausbildung dauert nur zwölf Monate. Sein Einstiegsgehalt wird bei 2.500 Euro brutto plus Zulagen liegen. 35 neue Azubis sollen in München dieses Jahr eingestellt werden. Weil sich in München nur wenige für den Job als Lokführer interessieren, wird auch in Rumänien und in der Ukraine nach Personal gesucht.

 

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