Neuer Job für Mehdorn Rambo auf dem Chaosflughafen

BERLIN Eines kann man ihm wirklich nicht vorwerfen: Dass ihm der neue Hauptstadtflughafen wurst sei. Hartmut Mehdorn hat den Airport wegen der vielen geplatzten Eröffnungstermine immerhin schon mal verklagt, als Chef von Air Berlin. Jetzt aber wechselt der Ex-Bahn-Boss die Fronten. Nach dem unrühmlichen Abgang von Geschäftsführer Rainer Schwarz im Januar soll Mehdorn den Unglücks-Airport flottmachen.

 

Er hat die Gesamtverantwortung. Matthias Platzeck (SPD), der brandenburgische Ministerpräsident und Flughafen-Aufsichtsratschef, holte ihn für zunächst drei Jahre. Das Gehalt: angeblich „deutlich weniger als eine Million“ Euro. „Ich bin zuversichtlich, dass wir hier ein kleines Powerhouse aufmachen können“, versprach Mehdorn. Anders als Schwarz wird der 70-Jährige Chef der Geschäftsführung und nicht nur Sprecher. Er trägt damit die Gesamtverantwortung.

Die Reaktionen auf Mehdorns neuen Job waren erstaunt. Immerhin hatte er sich als Bahn-Boss, der den Staatskonzern mit eiserner Sparpolitik auf den Börsengang vorbereiten wollte, viele Feinde gemacht. Seitdem werden ihm allerlei wenig schmeichelhafte Attribute zugeschrieben: Rambo, fröhlich-polternder Draufschlager, In-Den-Hintern-Treter, Zusammenstaucher.

„Diplomat wollte ich nie werden“, ist Medohrns Biografie überschrieben – so weit, so erfrischend. Aber auf einem Flughafen müssen Grantler, Pedanten, Diven, ganz normale Handwerker, feinsinnige Architekten und empfindsame Seelen in den Planungsbüros orchestriert werden. Kann er das wirklich?

Experte für Bauprojekte ist er nicht. Mehdorn kann Tacheles reden – allerdings hat es vor ihm schon Rainer Schwarz mit harter Hand versucht und ist gescheitert. Planer, die nach Grabenkämpfen aus dem Projekt ausgeschieden sind, berichten von Fehlentscheidungen, Kommunikationsfehlern und Schlampereien. Das hieße: Für einen neuen Chef ist es nicht getan, die Beteiligten zur Ordnung zu rufen. Er muss sich in Detailarbeit einarbeiten und die Fehler der Vergangenheit ausmerzen. Dabei ist Mehdorn kein Experte für Bauvorhaben.

Immerhin hat er bei seinen bisherigen Jobs unter anderem als Dasa-Vorstand und Boss der Heidelberger Druckmaschinen bewiesen, dass er detailversessen arbeitet und hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Air Berlin verdankt ihm mit dem Einstieg der Airline Etihad einen Großaktionär. Als erste Amtshandlung rammte Mehdorn gestern schon einmal Pflöcke ein. Er wolle kein strengeres Nachtflugverbot, sagte er und trat damit noch vor seinem ersten Arbeitstag Matthias Platzeck vors Schienbein. Dessen rot-rote Koalition in Brandenburg setzt sich unter dem Druck eines Volksbegehrens für mehr Nachtruhe ein. „Ich bin kein Freund von dieser Einschränkung“, sagte Mehdorn am Freitag. Die nächsten Monate dürften spannend werden. sun

 

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