Neuer DGB-Chef Große Mehrheit für Reiner Hoffmann

Der 58-jährige kommt von der IG Chemie und soll vor allem jüngere Mitglieder werben

 

Berlin – Der Chemie-Gewerkschafter Reiner Hoffmann ist neuer Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die knapp 400 Delegierten des DGB-Bundeskongresses wählten den 58-Jährigen am Montag in Berlin mit überwältigender Mehrheit zum Nachfolger von Michael Sommer.

Hoffmann gilt als Pragmatiker. Der 58-Jährige kommt von der strukturell konservativen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), kann aber auch mit voller Unterstützung der kämpferischen IG Metall oder der politisch eher linksstehenden Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rechnen.

Hoffmanns Hauptaufgabe wird sein, den DGB als Dachorganisation von acht Einzelgewerkschaften zu stabilisieren und die Gewerkschaften nach dem inzwischen gestoppten Mitgliederschwund attraktiv für jüngere Arbeitnehmer zu machen. Die Vita des neuen DGB-Chefs liest sich wie die eines klassischen Gewerkschaftsfunktionärs: Lehre bei den Farbwerken Hoechst, zweiter Bildungsweg und erfolgreiches Studium der Wirtschaftswissenschaften als Stipendiat der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Nach verschiedenen Funktionen bei der Stiftung ging er zum Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) nach Brüssel, wo er es bis zum stellvertretenden Generalsekretär brachte. Der künftige DGB-Chef ist wie sein Vorgänger Michael Sommer Sozialdemokrat. Der SPD trat er vor gut 40 Jahren wegen des Misstrauensvotums gegen den damaligen Kanzler Willy Brandt bei – noch sechs Monate bevor er Gewerkschaftsmitglied wurde. Hoffmanns Credo: Die Gewerkschaften brauchen den DGB als Dachverband, um in der Arbeits- und Sozialpolitik die unterschiedlichen Interessen der Einzelgewerkschaften zu bündeln. Eine „neue Ordnung der Arbeit“ ist für ihn mehr als nur der Mindestlohn. Hier sollte eine Anpassung zügig erfolgen – und nicht erst 2018.

 

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