Neuer Architekten-Vorschlag Englischer Garten: Eine Tunnel-Tram als Kompromiss?

Die beiden Initiatoren Hermann Grub und Petra Lejeune. Foto: ape

Sie haben schon die Wiedervereinigung des Englischen Gartens angestoßen - nun wollen zwei Architekten auch bei der Tram durch den Park mitmischen.

München - Eigentlich sind sie ganz große Gegner der geplanten Tram durch den Englischen Garten, sagt Hermann Grub. "Wir finden die ganz furchtbar." Seine Frau Petra Lejeune neben ihm nickt zustimmend. Aber die beiden Schwabinger Architekten sind erfahren und klug genug, um zu wissen, dass das Prinzip Alles-oder-nichts nicht immer funktioniert. Also haben sie sich einen Kompromiss überlegt.

Den "Plan B" nennen sie ihre alternative Idee für die Tramlinie, die der Stadtrat im Januar beschlossen und die seitdem auch Gegenwind bekommen hat. Anstatt den Park zu zerschneiden soll die Bahn ihrer Ansicht nach unterirdisch fahren.

Ein Tunnel als Lösung - das hatten die beiden sich auch schon für den Mittleren Ring überlegt, der den Englischen Garten in zwei Teile trennt. Der Bau des 390- Meter-Autotunnels soll 2023 beginnen.

"Tram-Bahnen sind moderne Monster"

Nun also auch ein Tunnel für die Garten-Tram. "Wir wollen die Bahn gar nicht in Schwabing", sagt Lejeune, "aber vor allem nicht im Englischen Garten." Denn selbst wenn dort wie geplant Akku-Trams führen statt gewöhnlicher, sagt Grub "sind das moderne Monster und keine romantischen Züge wie in San Francisco".

Und wenn die Gleise erst einmal im Park lägen, befürchten die beiden Architekten, würde schnell noch mehr dazukommen - beispielsweise befestigte Übergänge auf den Rasengleisen und Umlaufsperren oder Ampeln, um die Fußgänger-Ströme an den zehn Übergängen im Park zu regulieren.

Darum also die Idee: runter mit der Bahn - und gern auch mit den schon vorhandenen Buslinien , die zwar entfallen sollen, wenn die Tram kommt, aber die nach Ansicht von Grub und Lejeune früher oder später wiederkommen werden.

Bahnen, Busse und gern auch Lieferverkehr gelangen nach ihrer Simulation von der Thiemestraße nordwestlich in den Garten oder aus ihm heraus, im Südosten wäre der Zugang an der Tivolistraße gelegen.

An der Thiemestraße rein und an der Tivolistraße wieder raus – oder andersrum: So könnte die Tunnel-Tram verlaufen.
An der Thiemestraße rein und an der Tivolistraße wieder raus – oder andersrum: So könnte die Tunnel-Tram verlaufen. Visualisierung: Architekturbüro Grub+Lejeune

45 Millionen Euro veranschlagen sie für die tiefergelegte Bahn

"Ein Tunnel ist machbar und auch finanzierbar", sagt Grub. Sehr vorsichtig hätten sie gerechnet - und seien auf Kosten um 45 Millionen Euro gekommen. Die Kosten für die Garten-Tram über der Erde, die ab 2025 fahren soll, haben MVG und Planungsreferat auf 40 Millionen Euro geschätzt. "Vielleicht würde der Tunnel sogar günstiger", sagt Grub. Immerhin müsse man dann keine neuen Züge anschaffen.

Außerdem sei der Wert des Parks ohnehin nicht einfach mit Geld gegenzurechnen : "Der Englische Garten ist ein Gartenkunstwerk mit idealen Bildern der Natur", sagt Iris Lauterbach, Expertin für historische Gartenkunst von der Technischen Universität, die beim Termin anwesend ist. "Und es ist eine Absurdität, einerseits den Mittleren Ring zu überdecken, um den Garten wieder zu vereinen, und dann mit der Tram eine Schneise zu forcieren."

Petra Lejeune erklärt: "Wir haben unseren Beitrag geleistet. Jetzt schauen wir, was passiert, was die Stadt tut."

Am selben Tag übrigens schreibt der ehemalige Kultusminister und Garten-Tram-Gegner Ludwig Spaenle (CSU) auf Facebook, eine Stadt-Seilbahn sei eine interessante Idee, "deren Verwendung auch für den Englischen Garten geprüft werden sollte".


Ein Tunnel unter dem Englischen Garten - grandiose Idee oder Schwachsinn? Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser ? Schreiben Sie uns an AZ, Stichwort "Tunnel-Tram", Garmischer Straße 35, 81373 München, oder leserforum@az-muenchen.de

 

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