Neue Studie Diesel-Fahrverbote: In München ist die Gefahr am größten

Diesel raus: Wird der Greenpeace-Protest in München bald Realität? Foto: dpa

Wie ein Damoklesschwert schweben drohende Diesel-Fahrverbote über deutschen Großstädten. Jetzt zeigt eine Studie: In keiner Stadt ist die Gefahr, dass es tatsächlich zum Verbot kommt, größer als in München.

Duisburg/München - Der renommierte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer und sein Institut CAR (Center Automotive Research) an der Universität Duisburg Essen haben die Stickoxid-Belastungen der letzten Jahre untersucht und eine Prognose für 2018 aufgestellt. Dabei sehen sie zwar einen leichten Rückgang der NO2-Konzentration, aber keine echte Entspannung der Situation. Vielmehr gehen die Experten davon aus, dass man "ohne Hardware-Umrüstungen nicht um Fahrverbote herumkommen" wird. (Lesen Sie dazu: Diesel-Fahrverbot in München? Das müssen Sie jetzt wissen)

Die Studie basiert auf einer Analyse der Stickdioxid-Belastungen der Jahre 2015, 2016 und 2017 sowieso einer "konservativen Hochrechnung für das Jahr 2018". Diese konservative Hochrechnung geht davon aus, "dass es gelingt, rund um alle Messstationen die Stickdioxid-Belastungen um zehn Prozent im Jahresverlauf zu senken", so Institutsleiter Dudenhöffer. Der Auto-Fachmann bezeichnet diese Prognose selbst als "sehr optimistisch".

Basierend auf dieser Untersuchung kommt das CAR zu einer Liste von Städten, denen mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge drohen:

  1. München
  2. Stuttgart
  3. Köln
  4. Reutlingen
  5. Hamburg
  6. Heilbronn
  7. Kiel
  8. Düsseldorf
  9. Darmstadt
  10. Ludwigsburg

In der bayerischen Landeshauptstadt und in Stuttgart sind demnach gleich mehrere Straßen und/oder Gebiete so stark stickoxidbelastet, dass Fahrverbote sehr wahrscheinlich sind. In München betrifft dies beispielsweise die Landshuter Allee und den Bereich rund um den Stachus. Dementsprechend wären in München nicht Diesel-Fahrverbote für einzelne Straßen sondern für den gesamten Innenstadtbereich wahrscheinlich.

Zusätzlich zu den Flop-Ten sind 15 weitere Städte in Teilgebieten oder auf einzelnen Straßen betroffen. Dabei handelt es sich um Aachen, Berlin, Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Gelsenkirchen, Hagen, Leverkusen, Mainz, Mannheim, Oberhausen, Oldenburg, Tübingen und Wiesbaden.

Gesetzlich ist ein Grenzwert von 40 μg/m³ Luft im Jahresmittel vorgesehen. Auf der Landshuter Allee lag dieser Wert 2015 bei 84 μg/m³, also doppelt so hoch wie erlaubt. 2016 und 2017 gab es leichte Rückgänge (80 und 78 μg/m³), für 2018 prognostiziert das CAR eine weitere Verbesserung auf dann 71 μg/m³. Dennoch läge die Stickoxid-Belastung damit weiterhin mehr als 50 Prozent über dem gesetzlichen Limit.

Das CAR kommt daher - insbesondere unter Berücksichtigung der Zahlen für 2017 - zu dem Schluss, dass die seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals in großem Stil durchgeführten Software-Updates ebenso wenig eine merkliche Entspannung der Lage gebracht haben, wie Diesel-Abwrackprämien. Für das Institut steht daher fest, dass Hardware-Umrüstungen kommen müssen – oder Fahrverbote wohl unausweichlich sind.

 

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