Neue Sicherheitswacht Kampf den Kippen: Sheriffs sollen sofort kassieren

Zigarettenkippen auf dem Boden. Für Dreck-Sünder kann das in München bald teuer werden. Foto: Tobias Hase/dpa

2018 sollen die städtischen Kräfte ausschwärmen. Jetzt legt das Kreisverwaltungsreferat sein Konzept vor. Die AZ erklärt, wo und wie sie eingesetzt werden – und, warum es jetzt auch Raucher trifft.

 

München - München ist eine saubere Stadt. Doch wer Kippen auf den Boden wirft, hat nichts zu befürchten. In Köln hingegen gibt es Sofortkasse. Städtische Ordnungshüter verlangen 35 Euro. Spucken kostet 30 bis 60 Euro (mit Kaugummi bis 75). Wie es aussieht, wird es auch in München ungemütlicher für die, die solche vermeintlich kleinen Verdreckungen auf Gehwegen verursachen.

Im Juli legt KVR-Chef Thomas Böhle (SPD) sein Konzept für einen Sicherheitsdienst vor. Böhle erklärt, wo und wie die Sheriffs eingesetzt werden sollen – und gegen welche Vergehen.

Ein Teil davon: der Kampf gegen Kippen. Personen, die auf Straßen "Kronkorken, Zigrattenkippen oder sonstigen Unrat wegwerfen", schreibt er, könne der Kommunale Außendienst (KAD) ansprechen. Explizit ist von Verwarngeldern wie in Köln die Rede. Sofortkasse durch Münchens Raucher-Sheriffs!

Zuletzt hatte vor allem die Frage, ob der KAD Schusswaffen tragen soll oder nicht, für Aufregung gesorgt. Die CSU hatte das gefordert. Wie erwartet, lehnt Böhle das ab – mit dem Verweis darauf, dass die städtischen Kräfte die Waffen in Bayern ohnehin nur zur Notwehr hätten einsetzen dürfen.

Die AZ erklärt den KAD

Wen das KVR einstellen will: Böhle plant mit einer größeren Truppe als erwartet. 106 Mitarbeiter will er einstellen, 92 davon sollen auf den Straßen im Einsatz sein. "In der Regel sollen sie in Viererstreifen unterwegs sein", erklärte Böhle im Gespräch mit der AZ. "Jetzt müssen wir das Personal gewinnen und dann schulen. Sowohl in der Bewältigung von Konflikten als auch in den städtischen Vorschriften." Böhle will im Juni 2018 starten – auch, wenn bis dahin noch nicht alle Stellen besetzt sind.

Wo die Ordnungshüter eingesetzt werden sollen: Im Umfeld des Hauptbahnhofs, im Alten Botanischen Garten, im der Sendlinger-Tor-Platz, der Nußbaumpark und der Stachus. Herausgefallen ist dafür die Isar. Hier leiste der private Sicherheitsdienst gute Arbeit, sagte Böhle gestern.

Wann der KAD auf Streife gehen soll: täglich von 10 Uhr morgens bis 6.30 Uhr am nächsten Morgen. Die Kernzeit laut Böhle: 17 Uhr bis 1.30 Uhr morgens. Dann sollen 32 Mitarbeiter zeitgleich auf Streife sein, sagte er – und das in aller Regel zu Fuß.

Die Aufgaben: Der KAD soll vor allem dort Präsenz zeigen, wo sich viele Münchner unsicher fühlen – daher auch die Auswahl der Orte wie den Alten Botanischen Garten, das Sendlinger Tor – oder den Stachus, wo die Polizei einen Anstieg der Kriminalität festgestellt hat. In erster Linie gehe es darum, Ansprechpartner für die Bevölkerung zu sein, heißt es aus dem KVR. Bewusst wurden marineblaue Uniformen gewählt – man will nicht als "Schwarze Sheriffs" wahrgenommen werden. Der KAD kann Platzverweise verhängen, wo etwa verbotenerweise Alkohol getrunken oder gebettelt wird oder auch Bußgelder, wenn Flaschen zerdeppert werden.

Wo Freischankflächen zu lange geöffnet haben oder Bar-Besucher nachts mit Gläsern draußen stehen, wird ebenfalls eingegriffen.

Die Kosten: Böhle will sich 7,5 Millionen Euro genehmigen lassen – pro Jahr.

Eine Ausdehnung ist denkbar: Böhle denkt schon laut über einen erweiterten Einsatzbereich nach. Den Stadträten teilte er mit, auch die Müllerstraße, Teile der Thalkirchner Straße, der Gärtnerplatz und der Maximiliansplatz könnten Einsatzgebiete werden.

Die Reaktionen: gemischt. SPD-Fraktions-Vize Christian Vorländer lobte das Papier. CSU-Fraktions-Vize Michael Kuffer sagte, es sei "ein erster Schritt in die richtige Richtung". Grünen-Stadtrat Dominik Krause schimpfte auf die SPD, die wohl zustimmen will. "Für einen Wahlkampf-Gag der CSU 7 Millionen Euro rauszuwerfen, ist schon kurios."

Andernorts zumindest gibt es positive Erfahrungen. "Der Ordnungsdienst der Stadt hat beobachtet, dass mehr und mehr Kippen auf dem Boden ausgetreten werden", sagte ein Sprecher der Kölner Oberbürgermeisterin gestern auf AZ-Nachfrage. Die Kölner Raucher würden ihre Stummel dann aufheben – und in Mülleimer werfen.

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