Neue Abitur-Pläne Piazolo und das G9: Auf der Überholspur zum G8

Will Schülern neue Wege eröffnen: Michael Piazolo (Freie Wähler), seit kurzem Staatsminister für Unterricht und Kultus. Foto: Peter Kneffel/dpa

Besonders leistungsfreudige Schüler sollen das Abitur auch nach acht Jahren am Gymnasium machen können, indem sie die elfte Klasse überspringen. Die Pläne des neuen Kultusministers.

München - Kaum ist das achtjährige Gymnasium in Bayern – nicht zuletzt auf Druck der Freien Wähler (FW) – abgeschafft, kommt es unter deren neuem Kultusminister Michael Piazolo schon wieder zurück. Allerdings nur in Form einer "Überholspur": Ab 2021 können Gymnasiasten, die normalerweise jetzt wieder neun Jahre lang die Oberschulbänke drücken müssten, die elfte Jahrgangsklasse überspringen.

Aber alles völlig freiwillig, versicherte Piazolo am Mittwoch.

Zusatzmodule in der neunten und zehnten Klasse

Das "G8 neu im G9 neu" ist nach den Worten Piazolos eine weitere Differenzierung im differenzierten Schulsystem Bayerns und richtet sich an leistungsfreudige Schüler, denen auch zwölf Schuljahre bis zum Abitur ausreichen. Für sie entfällt auf Wunsch die elfte Jahrgangsstufe.

Damit sie den Sprung von der zehnten in die zwölfte Klasse auch schaffen, sollen sie in den Jahrgangsstufen neun und zehn sogenannte "Zusatzmodule" in den Kernfächern, Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache besuchen. Dahinter verbergen sich wöchentlich zwei nachmittägliche Zusatzstunden in einem dieser Kernfächer.

"Überholung" nur freiwillig

Damit allein sei es aber nicht getan, warnte Piazolo vor allzu hohen Erwartungen. Die "Überholer" müssten sich darüber hinaus noch auf zusätzliche Studierstunden einrichten. Dafür könnten sie das frei werdende Schuljahr für Auslandsaufenthalte, ehrenamtliche oder sportliche Tätigkeiten nutzen oder einfach das Abitur um ein Jahr vorziehen.

Es werde zwar Empfehlungen der Lehrer geben, aber grundsätzlich sollen die Eltern frei entscheiden können, ob sie ihrem Kind eine solche Lernzeitverkürzung angedeihen lassen wollen.

Nachträglicher Ausstieg möglich

Die Weichen dafür sollten sinnvollerweise zu Beginn der achten Klasse gestellt werden. Ob die 11. Klasse ausfällt, wird dann Ende der 10. Klasse endgültig entschieden. Auf der "Überholspur" solle sich aber kein Einsitzer-Rennwagen, sondern eher ein "Bus" bewegen, in welchen man ein- und auch wieder aussteigen könne, erklärte Michael Schwägler, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands (bpv).

Wie viele Schüler von der "Überholspur" Gebrauch machen, ist völlig offen. "Es gibt keine Zahlenvorstellung", sagte Minister Piazolo. Nach einer vorsichtigen Schätzung von Walter Baier, Vorsitzender der Vereinigung der Direktoren an den bayerischen Gymnasien, dürften sich bis zu 15 Prozent eines Jahrgangs für die Überholspur entscheiden. "Wenn es gut läuft, werden es immer mehr werden."

Piazolo: "Genug Lehrpersonal vorhanden"

Der zusätzliche Aufwand durch die "Zusatzmodule" könne personell gestemmt werden, sagte Piazolo. Außerdem ist vorgesehen, dass sich jeder "Überholer" unter den Lehrern einen "Mentor" für die beiden Jahre vor der 11. Klasse aussuchen kann.

Bei dem "Coaching" werde es nicht um Noten und Prüfungen gehen, versicherte Baier: "Es ist kein Druck da". Das Konzept sei "bewältigbar für die Schüler, begleitbar für die Eltern, durchführbar für die Lehrer" und auch noch vereinbar mit der Beschlusslage der Kultusministerkonferenz, hob Piazolo hervor.

Zweifel bei der SPD, Kritik von den Grünen

Mit der gymnasialen Überholspur nehme Bayern eine Vorreiterrolle unter den deutschen Ländern ein. Die bisherigen Möglichkeiten zum "Überspringen" einer Klasse würden von diesem Konzept der individuellen Lernzeitverkürzung nicht berührt.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Simone Strohmayr, begrüßte das Konzept grundsätzlich, äußerte aber Zweifel, ob die vorgesehenen zwei Zusatzstunden in der 9. und 10. Klasse tatsächlich ausreichend sind, um ohne Qualitätsverlust die 11. Klasse auszulassen.

Kritik kam von den Grünen. Die "Billigversion des früheren CSU-G8" sei ein "ganz schwacher Aufschlag", so deren Bildungs-Experte Thomas Gehring. Er befürchtet, dass dabei die "breite gymnasiale Bildung, der gehaltvolle Unterricht und wichtige Inhalte wie Sozialkunde, Berufsorientierung und Naturwissenschaften" auf der Strecke bleiben.

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