Neubau-Viertel Messestadt: Droht eine "Ghettoisierung"?

Ein Luftbild der Messestadt Riem aus dem Jahr 2010. Foto: Landeshauptstadt

Davor warnen Fachkräfte der Stadt. Wo sie Probleme sehen, was sich ändern soll.

MÜNCHEN - Mit der Messestadt Riem ist ein ganz neuer Stadtteil entstanden. Aktuell leben dort 13 712 Menschen, rund 16 000 sollen es mal werden. Wie hat sich das Viertel entwickelt? Ist im Münchner Osten ein sozialer Brennpunkt entstanden? Um das zu beantworten, hat die Stadt Befragungen und Untersuchungen durchgeführt. Ergebnis: Es muss nachgebessert werden.

WOHNUNGEN

Der Anteil an Belegrechtswohnungen für sozial Schwache liegt 684 Prozent über dem städtischen Durchschnitt. Fachkräfte der Stadtverwaltung haben die Ausgangslage in der Messestadt bei zwei Workshops analysiert und kommen zu dem Schluss: Künftig soll „Einfluss auf eine ausgewogene Belegung genommen werden, um einer sonst zwangsläufigen Ghettoisierung entgegen zu wirken“.

Das gilt auch als Ziel für Neubaugebiete wie Freiham. Doch zurück zu Riem. Viele der Wohnungen, so heißt es, seien hellhörig – was nicht selten zu Nachbarschaftskonflikten führt. „Der hohe Anteil an sozialem Wohnungsbau und die derzeitige Belegungspraxis führen zu großen sozialen Spannungen“, befanden die Experten. Die „in Teilen vorhandene architektonische Trostlosigkeit“ verstärke die mangelnde Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil noch.

BEWOHNER

In der Messestadt leben Menschen aus 111 Nationen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund liegt bei 62,3 Prozent. Viele Familien sind dort zuhause, Eltern mit bis zu acht Kindern keine Seltenheit. „In Riem ist eine hohe Bedürftigkeit vieler Familien, bedingt durch Arbeitslosigkeit und Armut festzustellen“, schreiben die Fachkräfte aus der Stadtverwaltung.

Die Zahl der Hartz-IV-Bezieher ist doppelt so hoch wie im Durchschnitt, Grundsicherung im Alter erhalten sogar drei Mal so viele Menschen.

SOZIALE INFRASTRUKTUR

Es fehlt an Kinderbetreuungsplätzen – insbesondere auch für Nachwuchs aus sozial belasteten Familien. In der Messestadt gibt es keine städtischen Krippen und auch weiterführende Schulen sind Fehlanzeige. Außerdem hat sich dort kein Kinderarzt niedergelassen.

DAS SAGT DER STADTRAT

„Wir reden Riem wirklich schlecht“, ärgert sich die Grünen-Stadträtin Jutta Koller über die Messestadt-Vorlage. Auch bei einer Befragung der Bewohner selbst war herausgekommen, dass die Wohnzufriedenheit im Viertel hoch ist.

Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) bezeichnete die Messestadt als „gelungenen Stadtteil“ im Hinblick auf die „hochbelastete Klientel“. An manchen Punkten müsse man eben noch nachjustieren.

 

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