Neu im Kino "Die zwei Päpste": Tanze Tango mit mir

Beim gemeinsamen Schauen des WM-Finale 2014 Deutschland gegen Argentinien:Jonathan Pryce als Franziskus und Anthony Hopkins als Ratzinger. Foto: Filmwelt

Anthony Hopkins und Jonathan Pryce sind "Die zwei Päpste" in einem Film von Fernando Meirelles.

 

Ein bisschen Pop kann bei einer Papstwahl nicht schaden. Was er denn da für eine Hymne summen würde, fragt Kardinal Ratzinger seinen argentinischen Kollegen, Kardinal Bergoglio. Beide stehen vor den Waschbecken eines Klos im Vatikan. Es ist 2005, ein neuer Papst wird gewählt. "Dancing Queen" antwortet Bergoglio verschmitzt. Danach schreiten sämtliche Kardinäle durch die Sixtinische Kapelle. Auf der Tonspur erklingt majestätisch die ABBA-Melodie, wobei es sich lohnt, die Zeilen zu kennen: "Friday nights and the lights are low… You come to look for a king. Anybody could be that guy..."

Ein bisschen Ironie kann einem Papst-Film nicht schaden. Zumindest haben der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles und der neuseeländische Autor Antony McCarten sich einige Freiheiten für den von Netflix produzierten Film "Die zwei Päpste" genommen. Besonders McCarten hat sich als Drehbuchautor ("Bohemian Rapsody", "Die dunkelste Stunde") als Spezialist erwiesen, die Lücken der Historie mit Fantasie zu füllen.

"Die zwei Päpste": charmante Glaubensstreitereien

Ja, wie wäre es gewesen, wenn sich Jorge Bergoglio 2012 nicht nur überlegt hätte, sein Bischofsamt niederzulegen, sondern Benedikt ihn zu einem Besuch in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo eingeladen hätte? Die harten Fakten hat McCarten akribisch für sein sehr lesenswertes Buch "Die zwei Päpste" (Diogenes, 400 Seiten, 24 Euro) recherchiert.

Im Film ist nun deutlich sein Vergnügen spürbar, ein tagelanges Treffen des verknöcherten Papstes mit dem lebensfreudigen, fortschrittlichen Noch-Bischof zu imaginieren. Auf einige charmante Glaubensstreitereien folgt die große Pointe: Benedikt hat selbst vor, zurückzutreten. Der sonst so legere Bergoglio ist entsetzt: Ist denn Jesus von seinem Kreuz herabgestiegen? Der Papst muss doch im Amt bleiben, bis er stirbt!

Jonathan Pryce und Antony Hopkins in "Die zwei Päpste"

Der letzte Rücktritt eines Papstes lag 700 Jahre zurück – und Benedikt tat dann Gleiches, woraufhin Bergoglio sein Nachfolger wurde. McCarten wirft einen sehr idealistischen Blick auf den progressiven Argentinier (gespielt vom Briten Jonathan Pryce), während er nur langsam auch Benedikt (gewohnt brillant kühl: der Waliser Antony Hopkins) ein paar nette, lustige Züge einräumt.

Während Meirelles die zwiespältige Rolle, die Bergoglio während der Zeit der Militärjunta spielte, ausführlich in Schwarz-Weiß-Rückblenden beleuchtet, kommen die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, von denen Benedikt zum Teil wusste, ohne darauf zu reagieren, nur kurz zur Sprache.

Am Ende, im Jahr 2013, wird aus Bergoglio Papst Franziskus, und zwei Antagonisten werden fast so was wie Freunde. Einmal tanzen sie sogar gemeinsam Tango – zwei alte weiße toxische Männer, wunderbar weltlich im Takt.


Kinos: ABC, Sendlinger Tor, Rottmann

R: Fernando Meirelles (USA, 126 Min.)


 
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