Neonazi-Morde Landtag gedenkt der Opfer von Neonazi-Morden

Fünf der bundesweit zehn Opfer der Neonazi-Morde kamen aus Bayern. Am Dienstag gedachte der Landtag der Toten. Präsidentin Barbara Stamm mahnte, bereits den Anfängen von Terror und Gewalt zu trotzen. Foto: dpa

Fünf der bundesweit zehn Opfer der Neonazi-Morde kamen aus Bayern. Am Dienstag gedachte der Landtag der Toten. Präsidentin Barbara Stamm mahnte, bereits den Anfängen von Terror und Gewalt zu trotzen.

 

München  – Der bayerische Landtag hat am Dienstag der fünf Opfer der Neonazi-Morde im Freistaat gedacht. „Hinter uns liegen schockierende, verstörende Wochen“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) bei der Gedenkstunde. Sie bedaure zutiefst, dass die Sicherheitsbehörden die Verbrechen nicht verhindern konnten und die Angehörigen der Opfer durch fehlerhafte Ermittlungen zusätzlich belastet wurden.

„Wir sind fest entschlossen, das Geschehene aufzuklären und dafür zu sorgen, dass es sich nicht wiederholt“, betonte Stamm. Zur Gedenkstunde für die Opfer der rechtsextremen Zwickauer Serienmörder im Plenarsaal waren neben den Familien der Toten auch türkische und griechische Diplomaten der Generalkonsulate der beiden Länder in Bayern eingeladen.

Außerdem kamen insgesamt 70 Schüler in den Landtag, deren Schulen sich gegen Rechtsextremismus einsetzen. Stamm appellierte auch an sie, Gewalt und Terror bereits im Keim zu ersticken und „kultivierte Menschen“ zu sein. „Denn kultivierte Menschen werden andere nicht ausgrenzen oder ihnen gar Gewalt antun, sondern sie wertschätzen – im Denken, Reden und Handeln“, sagte sie.

Der Türkeiforscher Haci-Halil Uslucan wies anschließend in seiner Rede darauf hin, dass auch Massenmedien eine Verantwortung im Kampf gegen Vorurteile und Gewalt zukomme. So sei die Bezeichnung „Dönermorde“ menschenverachtend. „Denn nicht Döner, sondern Menschen sind getötet worden. Das muss dann auch ganz deutlich gesagt werden“, betonte er. Uslucan forderte ein entschiedenes politisches und gesellschaftliches Handeln gegen menschenverachtende Gruppen und Ideologien.

Die Thüringer Neonazis hatten im Freistaat fünf ihrer bundesweit mutmaßlich mindestens zehn Opfer getötet. Die Polizei ließ nach den Taten zwar mehr als 1000 Rechtsextreme in Bayern überprüfen, erhielt aber keinen entscheidenden Hinweis. Zuletzt vermuteten die Ermittler, dass es sich bei den Morden eher um Verbrechen im Milieu der organisierten Kriminalität handelte.

 

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