Nationalmannschaft Stimmungstest in Dublin

Nach Bastian Schweinsteigers Kritik am Teamgeist der Nationalelf und Mesut Özils Konter, gesteht nun sogar Bundestrainer Joachim Löw ein: „2010 war die Stimmung überragend gut, 2012 gut“

 

DUBLIN Gegner Irland? Den haben sie natürlich gründlichst analysiert, da dürfte sich das Trainerteam des DFB vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitag (20.45 Uhr, ZDF) in Dublin kaum überraschen lassen. Die Diskussionen der vergangenen Tage drehten sich vielmehr um das eigene Lager. Genauer gesagt: um die Stimmung im Team. Bastian Schweinsteiger war in die Offensive gegangen, hatte den zuweilen mangelnden Korpsgeist moniert. Doch so sicher wie Fort Knox gab Bundestrainer Joachim Löw nun Entwarnung: „Die Grundstimmung ist absolut in Ordnung. 2010 war sie überragend gut, 2012 war sie gut, aber das waren unterschiedliche Voraussetzungen. Ich denke, dass sich die Mannschaft unterstützt hat.“


Schweinsteiger, der in Dublin gesperrten Philipp Lahm als Kapitän ersetzen wird, hatte die Diskussion angefeuert, als er die mangelnde Begeisterung auf der deutschen Bank bei der EMt anprangerte. Dort hätte – anders als beim FC Bayern – nicht jeder gejubelt bei Toren. Mannschaftskollege Mesut Özil hat dagegen keinen Zweifel am Teamgeist. „Wir sind eine Einheit, und jeder kämpft für den anderen. Wir wollen gemeinsam als Team erfolgreich sein. Und auf dem Platz spürt man, dass wir eine Einheit sind“, sagte der Star von Real Madrid dem „Kicker“. In „Bild“ sagte Özil: „Bei der EM hat jeder Spieler Vollgas gegeben, auch wenn er eingewechselt wurde. Deshalb kann ich die Kritik nicht so verstehen. Ich glaube schon, dass sich jeder Spieler freut. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man beim Nationalteam überhaupt dabei ist.“


Der Bundestrainer hat derweil mit Schweinsteiger ein klärendes Gespräch geführt: „Ich habe mir seine Meinung und seine Gefühle einmal angehört. Er ist ja auch nicht mit dieser Euphorie zur Mannschaft gekommen, nach den Niederlagen mit dem FC Bayern. Eine halbe Stunde lang haben wir über das ein oder andere gesprochen, und ich habe ihm auch gesagt, dass ich dieses Gefühl nicht hatte. Alle Beobachter haben ja auch die gute Stimmung gelobt.“


Löw gab zu bedenken, dass so eine lange Europameisterschaft natürlich auch die Nerven der Spieler und Trainer beansprucht: „Wir sind ja sieben, acht Wochen mit der Mannschaft zusammen. Das ist eine hohe psychische Belastung, mit vielen unterschiedlichen Gefühlslagen. Bundesligisten kennen solche Situationen überhaupt nicht. In so einer langen Zeit kann es dann schon mal ein paar Reibereien geben.“


Im Aviva-Stadion von Dublin erwartet Löw ein „stimmungsvolles Spiel“ vor einem „enthusiastischen“ irischen Publikum, in dem der deutschen Mannschaft alles abverlangt werde: „Wir müssen uns auf einen Kampf einstellen, der 90 Minuten anhält. Und wir müssen als Einheit auf dem Platz auftreten.“


Bis auf Lahm und den angeschlagenen Mats Hummels kann er aus dem Vollen schöpfen: „Wir haben keine Verletzungen zu beklagen“, sagte Löw. Auch Mario Götze soll nach Oberschenkel-Problemen einsatzfähig sein. Der Dortmunder kann wie der zuletzt angeschlagene Lukas Podolski als Einwechselspieler auf der Ersatzbank sitzen. Für den Neu-Londoner fand Löw nur lobende Worte: „Ich halte große Stücke auf den Lukas, in jeder Beziehung.“

 

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