Nahverkehr in Bayern Söder will 365-Euro-Ticket bis 2030 - SPD will kostenloses

Die Staatsregierung will flächendeckend in Bayern 365-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr einführen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Für einen Euro pro Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren: das will Markus Söder in Bayern flächend einführen. Außerdem unterstützt der Bund den Freistaat finanziell beim Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke.

 

München – Ein Nahverkehrsticket für 365 Euro pro Jahr oder einen Euro pro Tag soll es nach den Worten des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder schon vor 2030 in Ballungsräumen des Freistaats geben. Flächendeckend sollten solche Preise 2030 eingeführt sein, erläuterte Söder nach einer Kabinettssitzung am Dienstag.

In der Sitzung hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dem Freistaat seine Unterstützung für diese Strategie zugesichert, die den "massiven Ausbau" des ÖPNV vorsieht. Der Bund werde prüfen, ob eine "kraftvolle Unterstützung aus Berlin" für die bayerische Nahverkehrsoffensive gewährt werden könne, heißt es in einer Mitteilung der Staatskanzlei.

SPD fordert kostenlosen Nahverkehr - sofort

Die bayerische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2018 (hier geht's zu unserer Themenseite) Natascha Kohnen forderte "den Einstieg in den kostenfreien Nahverkehr jetzt und nicht ein 365-Euro-Ticket in zwölf Jahren". Die SPD will ein kostenfreies "Bildungsticket" für alle, die zur Schule gehen, studieren oder in Ausbildung sind. Im ländlichen Raum habe die CSU-Staatsregierung viel zu lange allein aufs Auto gesetzt, kritisierte Kohnen.

Rechtzeitig vor der Landtagswahl räumten Söder und Scheuer eine finanzielle Belastung für die ÖPNV-Finanzierung in Bayern aus dem Weg. Scheuer sagte zu, dass der Bund den Freistaat bei den Kosten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke entlastet. Damit entfalle die Vorfinanzierung in Höhe von einer Milliarde Euro, zu der sich der Freistaat bereit erklärt hatte, um das seit Jahrzehnten diskutierte Projekt endlich auf die Schiene zu bringen.

Kritiker der zweiten S-Bahn-Röhre unter der Innenstadt hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Milliarde auf Kosten von Nahverkehrsprojekten in anderen Landesteile gebunden werde, was die Staatsregierung stets bestritten hatte. "Bayern spart sich Geld für andere Projekte", erklärte Ministerpräsident Söder jetzt.

Bahnstrecken sollen elektrifiziert werden

Auf den Weg brachte der bayerische Ministerrat am Dienstag zudem eine Machbarkeitsstudie der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft mit dem Ziel, Reisen quer durch Bayern mit verschiedenen Verkehrsmitteln mit nur einem E-Ticket zu ermöglichen.

Insbesondere dort, wo Dieselstrecken in Ballungsräume hineinführen, soll zudem die Elektrifizierung vorangetrieben werden, sagte Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU).

Mindestens vier bayerische Bahnstrecken sollen in ein Sonderprogramm des Bundes für die Elektrifizierung aufgenommen werden, darunter die Verbindung München-Lindau, teilte Bundesverkehrsminister Scheuer mit. Angestrebt werde eine Fahrzeit von dreieinhalb Stunden von München nach Zürich.

 

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