Nahles bei Microsoft Müssen wir noch ins Büro?

Die Bundesministerin Andrea Nahles navigiert per Touchscreen durch das virtuelle Reichstags-Gelände in der Microsoft-Zentrale in Unterschleißheim. Foto: dpa

Welche Arbeitszeiten sind die richtigen für die Zukunft? Antworten darauf sucht Arbeitsministerin Nahles bei Microsoft. Dort geht nur jeder Vierte noch täglich in die Firma.

 

München - Die Frau will mehr wissen. Das gehört schließlich zu ihrem Job. Also ist Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gestern zum Lernen nach Unterschleißheim gekommen – in die Deutschland-Zentrale von Microsoft. Nahles möchte sich über unkonventionelle Arbeitsbedingungen erkundigen; „Arbeiten 4.0“ heißt das Projekt ihres Ministeriums.

Und da ist sie beim Software-Konzern gerade richtig. Die flexible Arbeitskultur praktiziert Microsoft schon seit vergangenem Herbst. Da hat der Konzern eine „Betriebsvereinbarung zum Vertrauensarbeitsort“ geschlossen. Seither ist die Büro-Anwesenheitspflicht für die rund 2700 Mitarbeiter in Deutschland komplett abgeschafft. Das wird von den Kollegen munter angenommen und sieht in Unterschleißheim dann so aus: Nur 20 bis 30 Prozent der Mitarbeiter sind hier noch im Büro anzutreffen, so die Geschäftsleitung, der Rest bleibt daheim oder geht auch mal ins Café zum Arbeiten.

Der digitale Fortschritt macht es möglich, und mit Technik kennen sich die Microsoft-Mitarbeiter naturgemäß aus. Die interne Zusammenarbeit wird durch neue Technologien massiv erleichtert. Arbeitsministerin Nahles soll beim Rundgang durch das Haus an einigen Beispielen sehen, wie der digitale Wandel die Arbeitswelt revolutionieren soll.

KOMMUNIKATION

Da ist zum Beispiel der sprechende Computer namens „Cortana“. Mit ihm könne sich der Mitarbeiter – egal ob im Büro oder daheim – wie mit einem Menschen unterhalten, erklärt Microsoft-Mitarbeiter Alex Lachner der Ministerin. Das soll in Zeiten, in denen eine Belegschaft durchaus mal weit verstreut arbeitet, eine weniger anonyme und einsame Arbeitsatmosphäre schaffen. Und für Motivation sorgen.

EINANDER SEHEN

An einem großen Touchscreen fühlt sich Nahles in die Zukunft versetzt. Mit beiden Händen navigiert sie staunend in einer 3D-Landkarte des Berliner Reichtags: „Das hat nichts mehr zu tun mit steifer Videotelefonie, wie ich sie kenne“, sagt sie – sondern mit virtuellen Welten von Computerspielen, in denen alles möglich scheint. Den Reichstag haben die Microsoft-Kollegen freilich nur für die Ministerin auf den Schirm gezaubert. Thorsten Hübschen, Marketing-Chef von Microsoft, erläutert, wozu die Technik im Alltag eingesetzt wird: „Ob Videokonferenz oder direkt gemeinsam arbeiten – unabhängig vom Standort der Personen.“

ZUM TRAINING INS BÜRO

Auch für jene, die noch in die Firma kommen, hat sich das Arbeiten geändert. An vielen Stationen arbeiten die Kollegen im Stehen. „Heutige Büros sind veraltete Legehennen-Batterien für Menschen – das ewige Sitzen macht die Leute krank“, findet Hübschen. „Rückenerkrankungen sind bei Arbeitnehmern im Büro besonders häufig. Unsere Mitarbeiter sollen sich bewegen.“ Wenn im Sommer 2016 die neue Unternehmenszentrale in der Parkstadt Schwabing fertig ist (AZ berichtete), soll das noch konsequenter umgesetzt werden. In unterschiedlichen Zonen sollen die Mitarbeiter dort Raum für Gespräche, für konzentrierte Bildschirmarbeit oder für die Arbeit in Kleingruppen haben. Eigene Schreibtische für jeden Mitarbeiter gibt es dagegen nicht mehr. Dafür dann elf Dachterrassen, einen Fitnessbereich und eine Saunalandschaft. Damit man doch mal wieder gern ins Büro geht.

 

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