Nach neun Jahren Pfarrer Schießler verlässt die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt

Rainer Maria Schießler hört nächstes Jahr als Pfarrer in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt auf. Foto: imago

Der stadtbekannte Pfarrer Rainer Maria Schießler muss die Kirchengemeinde am Viktualienmarkt 2020 abgeben. Sein Nachfolger wird Klaus Peter Franzl.

 

München - Seit 2011 war Pfarrer Rainer Maria Schießler (59) neben seiner Gemeinde St. Maximilian im Glockenbachviertel auch zuständig für die Kirche Heilig Geist am Viktualienmarkt. Diese doppelte Zuständigkeit geht nun zu Ende.

Ab Sommer 2020 wird Pfarrer Schießler in Heilig Geist nicht mehr Pfarrer sein: Kardinal Reinhard Marx hat den bisherigen Personalchef im Erzbischöflichen Ordinariat, Monsignore Klaus Peter Franzl (54), mit der Seelsorge beauftragt. Zugleich wird Pfarrer Franzl für den Dom und St. Peter zuständig sein. Überraschend kommt das Aus am Viktualienmarkt für Pfarrer Schießler offenbar nicht: "Es wird nur umgesetzt, was lange geplant war", sagte er der AZ.

Schießler sorgte für Vertreibung der Obdachlosen aus seiner Kirche

Traurig sei er nicht: "So ein Gefühl wäre nicht legitim. Unser Auftrag ist es, Sakramente zu spenden." Er habe in seine Arbeit in Heilig Geist seine "ganze Liebe gesteckt". Mit einer Aktion dort war er allerdings nicht überall auf Gegenliebe gestoßen: Er hatte ein Blech anbringen lassen, das Wohnungslose daran hinderte, vor dem schützenden Vorsprung der Kirche zu nächtigen (Lesen Sie hier).

Gerüchte, dass er auch in seiner Pfarrgemeinde St. Maximilian im Glockenbachviertel aufhören muss, wo er seit 1993 Seelsorger ist, weist Pfarrer Schießler zurück. "Meine Pfarrei kann mir keiner nehmen!" Vielleicht in zehn Jahren würde er dort aufhören – um dann in den Ruhestand zu gehen.

Franzl nach 20 Jahren wieder als Pfarrer in der Seelsorge 

Ursprünglich sollte St. Maximilian im Januar vorübergehend geschlossen werden. Grund sind notwendige, umfangreiche Reparaturmaßnahmen: Vor allem auf dem Dachboden der Kirche ist Asbest als Dämmmaterial verbaut worden. Es soll komplett entfernt werden.

Als Ausweichquartier hatte Pfarrer Schießler schon einen Raum im Rathaus ins Auge gefasst (Lesen Sie hier). Doch nun bleibt Zeit für die Suche. Denn die Arbeiten wurden verschoben. "Es gibt noch nicht mal eine Baugenehmigung", sagte Schießler gestern. "Die Schließung im Januar 2020 ist hinfällig." Im kommenden Jahr können in St. Maximilian also alle geplanten Veranstaltungen stattfinden: von der Berg- und Viecherlmesse bis zur Segnung von Motorrädern.

Derweil freut sich Klaus Peter Franzl auf seine Aufgabe als neuer Innenstadt-Pfarrer. Der 54-Jährige begann seinem beruflichen Werdegang als Banklehrling, ging dann als Spätberufener nach Waldram und machte dort das Abi nach, um anschließend Theologie und Philosophie zu studieren. 1997 wurde er von Kardinal Friedrich Wetter zum Priester geweiht. Es sei wichtig, "auch neue Wege zu gehen, um den Menschen mit ihren vielfältigen Anliegen vor Ort in der richtigen Form zu begegnen", sagte er. Nach 20 Jahren in der Verwaltung freue er sich, wieder "unmittelbar in der Seelsorge zu wirken".

 

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