Nach mündlicher Verhandlung Rotsünder Boateng: Deshalb wurde die Sperre reduziert

Für Jerome Boateng war im Spiel gegen Schalke frühzeitig Schluss. Foto: dpa

Nach der mündlichen Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht wird die Rot-Sperre für Bayern-Profi Jérôme Boateng verkürzt. Sammer diskutiert mit dem Richter.

 

Frankfurt - Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat die Rot-Sperre für Jérôme Boateng vom FC Bayern München von drei auf zwei Spiele verkürzt und damit erstmals eine neue Regelung umgesetzt. Mit der Entscheidung am Montag folgte das Gericht in Frankfurt am Main der Argumentation des DFB-Kontrollausschussvorsitzenden Anton Nachreiner.

Dieser hatte mit Verweis auf eine neue Rechtslage erklärt, dass sich bei Roten Karten nach minderschweren Foulspielen frühere Feldverweise des betroffenen Spielers nicht mehr strafverschärfend auswirken sollen.

Damit muss der Abwehrspieler nur noch am Wochenende bei der Partie gegen den Hamburger SV pausieren und kann im Auswärtsspiel in der kommenden Woche beim SC Paderborn wieder eingesetzt werden.

Boateng war nach seinem Platzverweis im Spiel gegen Schalke 04 zunächst im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines unsportlichen Verhaltens mit einer Sperre von drei Partien belegt worden. Dagegen hatten der Nationalspieler und der FC Bayern fristgerecht eine mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht beantragt.

Boateng nahm diese in Begleitung mit Sportvorstand Matthias Sammer persönlich vor Ort wahr. Sammer äußerte sich im Rahmen der Verhandlung auch vor dem Vorsitzenden des Gerichts, Hans E. Lorenz. Sammer konnte nicht nachvollziehen, dass Boateng ein zusätzliches Spiel gesperrt wird, weil Neuer den von ihm verursachten Elfmeter gehalten und Boateng mit seinem Foul so ein Tor des Gegners verhindert hat.

"Wenn Manuel den reingelassen hätte, würden wir jetzt wegen des Verdachts der Wettmanipulation hier sitzen...", brachte Sammer sein Unverständnis für diese Auslegung zum Ausdruck.

"Wäre im vorliegenden Fall der Elfmeter verwandelt worden, hätte Jerome Boateng trotz Vorbelastung nur ein Spiel Sperre erhalten. Die Tatsache, dass Manuel Neuer den Elfmeter gehalten hat, sollte zu keiner zweihundertprozentigen Erhöhung der Sperre auf drei Spiele führen", erklärte Lorenz.

Das Sportgericht habe im letzten Jahr bei vorbelasteten Spielern auf Zuschläge bei der Sperre verzichtet, wenn die alte oder neue Strafe nur ein Spiel betragen hat. "Dieser Verzicht auf den Zuschlag wird nunmehr auch auf die Fälle der sogenannten Notbremse erweitert", sagte Lorenz.

Sehen so die neuen Bayern-Trikots aus?

Im Vorfeld der Verhandlung hatte bereits der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, deutliche Kritik am Verband geübt.

"Wir sind nicht einverstanden mit der Sperre von drei Spielen. Ich verstehe den DFB nicht ganz, weil eigentlich ist das ein Nonsens, was man jetzt entschieden hat", sagte er:

"Es ist bekannt, dass der Präsident des DFB, Wolfgang Niersbach, mehrere Anträge beim Weltverband FIFA gestellt hat wegen der Dreifachbestrafung: Rote Karte, Elfmeter und dann auch noch den Spieler zu sperren."

Er verwies darauf, dass es "in x Fällen" nach einer Roten Karte wegen Notbremse lediglich ein Spiel Sperre gegeben worden sei: "Warum man einem Weltmeister Boateng einen Malus mit drei Spielen Sperre verpasst, verstehe ich nicht ganz. Was Jérome gemacht hat, war kein schlimmes Foul. Der Elfmeter war okay, die Rote Karte war okay, aber drei Spiele Sperre sind über das Ziel hinausgeschossen."

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