Nach Eklat-Spiel Schmidt und Völler poltern gegen Schiri

Werden wohl keine Freunde mehr: Rudi Völler und das Schiedsrichter-Gespann um Felix Zwayer. Foto: dpa

Das Spielerische rückte nach Dortmunds Sieg über Bayer Leverkusen schnell in den Hintergrund. Nach der Spielunterbrechung durch Schiedsrichter Zwayer wurde viel diskutiert. Und auf eine halbherzige Entschuldigung folgten neue schwere Vorwürfe an den Schiedsrichter.

 

Leverkusen - Nach dem Eklat von Leverkusen droht Roger Schmidt ein sportrechtliches Nachspiel. Die vom Bayer-Coach beim 0:1 gegen Dortmund provozierte fast zehnminütige Spielunterbrechung wird nun zum Fall für den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Selbst als sich die erste Aufregung ein wenig gelegt hatte, zeigten die Leverkusener nur bedingt Reue. "Ich weiß, die Schiedsrichter werden sich wieder alle gegenseitig in Schutz nehmen. Jeder wird sagen, unser Trainer hätte vom Platz gehen müssen", klagte Rudi Völler.

Auf Fragen nach den nun drohenden Konsequenzen für den eigenen Coach reagierte der Sportdirektor gar sarkastisch: "Ich weiß nicht, ob der Herr Zwayer nun gesperrt wird. Das kann ich mir nicht vorstellen."

Roger Schmidt bemühte sich unterdessen zunächst, ruhigere Töne anzuschlagen: "Ich habe da natürlich eine Vorbildfunktion und der bin ich heute auch nicht gerecht geworden. Ich bin zu stur gewesen. […] In der Situation hat sich Dortmund einen klaren Vorteil verschafft. Das habe ich versucht zu artikulieren. Natürlich ein bisschen emotional. Dann hat der Schiedsrichter mir aus gefühlten 70 Meter Entfernung gezeigt, dass ich anscheinend auf die Tribüne soll. Ich wollte wissen warum, weil ich kein Gestikdeuter bin, der, wenn der Schiedsrichter die Hand nach oben streckt, sofort weiß, was das jetzt zu bedeuten hat. Natürlich war das vielleicht ein bisschen stur von mir. Vielleicht ist es falsch, aber ich finde schon, dass nicht mein Kapitän, sondern der Schiedsrichter mir sagen kann, dass ich auf die Tribüne muss."

Elfmeter für Leverkusen absichtlich nicht gegeben?

Doch kaum sind die Worte der Reue über seine Lippen gekommen, holt Schmidt zum verbalen Tiefschlag gegen Schiedsrichter Felix Zwayer aus: "Anscheinend hat das den Schiedsrichter für den Rest der Spielzeit noch einmal maßgeblich beeinflusst, weil sonst hätten wir wahrscheinlich unentschieden gespielt."

Damit stellte Schmidt indirekt eine Verbindung zwischen seiner Verbannung und einer Fehlentscheidung des Referees wenige Minuten später her, als der ein klares Handspiel von Dortmunds Sokratis übersah. Auch Völler schlug in dieselbe Kerbe: "Wer hat uns denn mehr geschadet? Der Roger Schmidt oder der Schiedsrichter? Sagen Sie doch mal!"

Zwayers Reaktion auf diese Anschuldigung fiel kurz und knapp aus: "Kein Kommentar." Zwar räumte der Schiedsrichter ein, das von Schmidt angesprochene klare Handspiel des Dortmunders Sokratis im Strafraum übersehen zu haben, ob das Sportgericht der DFL dies jedoch als strafmildernd zugunsten von Schmidt und Völler wertet, darf bezweifelt werden.

Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die beiden Leverkusener durch ihre Äußerungen massiv geschadet haben. Hellmut Krug, Schiedsrichter-Legende und "Berater der Deutschen Fußball Liga in Fragen des Schiedsrichterwesens", sagte gegenüber der Bild-Zeitung bereits über Schmidts Weigerung, den Innenraum des Stadions zu verlassen: "Das wird ein Fall für den Kontrollausschuss. Eine längere Sperre für Roger Schmidt ist durchaus denkbar."

Die Unterstellung, der Schiedsrichter habe das Team anschließend noch bewusst benachteiligt, dürfte das Strafmaß noch deutlich erhöhen.

 

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