Nach den Plädoyers "Breno nackt und betrunken im FC-Bayern-Hotel"

Die Staatsanwaltschaft fordert eineFreiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren für den ehemaligen FCBayern-Profi Breno. Foto: dapd

Breno bricht sein Schweigen vor Gericht und entschuldigt sich. Neue Details: Breno soll im Mannschaftshotel des FC Bayern nackt und betrunken durch den Flur gerannt sein.

 

München – Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren für den ehemaligen FC Bayern-Profi Breno. Nach Ansicht von Staatsanwalt Nikolaus Lanz hat die Beweisaufnahme ergeben, dass Breno in der Nacht zum 20. September 2011 seine gemietete Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald vorsätzlich in Brand gesteckt hat – mit Feuerzeugen und möglicherweise auch mit einem Brandbeschleuniger.

Breno wie versteinert

Während des Plädoyers sitzt Breno wie versteinert auf der Anklagebank, schaut wie ein kleiner Junge, der noch nicht begriffen hat, was er eigentlich angestellt hat, zu seinem Strafverteidiger Werner Leiter.

„Hier kommt aus Sicht der Staatsanwaltschaft allein der Angeklagte als Täter in Betracht“, sagte Lanz am Mittwoch vor dem Landgericht München in seinem Plädoyer. "Der Angeklagte hat das vom ihm und seiner Familie bewohnte Haus in Grünwald angezündet."

Der Tathergang im Detail

Im Detail schildert Staatsanwalt Lanz den Tathergang. Dabei stützt er sich auf Zeugenaussagen und Gutachten:

Das Motiv sei klar: "Während einer Trainingsseinheit am Vormittag des 19. September traten erneut Kniegelenkschmerzen auf. Eine neue Knieoperation stand bevor. Zum Essen habe er Portwein getrunken. Danach fuhren sie in ihre Villa nach Grünwald". Lanz: "Dort trank Borges Chivas Red Label Whisky."

Kurz nach 21 Uhr kommt ein Spielerkollege Rafinha vorbei. "Er wollte mit Breno auf das Oktoberfest. "Aber seine Frau und sein Manager waren dagegen", so Lanz. Breno soll sich darüber sehr geärgert haben. Er soll weiter getrunken und angeblich das Schlafmittel Stilnox eingenommen haben.

Wegen seines merkwürdigen Verhaltens (Breno holte ein Messer aus der Küche und verließ damit das Haus) verließ die Ehefrau mit Manager und Kinder das Haus.

Nach dem Brand keine Reue

Der Strafrahmen sieht eine Strafe von einem bis 15 Jahren vor. „Aus Sicht der Staatsanwaltschaft steht für eine Abweichung kein Anlass.“ Vor allem habe Breno nach dem Brand keine Reue gezeigt. Dabei habe er sich bei dem Feuer nicht sicher sein können, dass seine Frau, die drei Kinder und sein damaliger Manager nicht mehr im Haus befanden. Vielmehr habe Borges gewusst, wie Alkohol und Tabletten auf ihn wirken.

Nackt und betrunken im FC-Bayern-Hotel

Lanz spricht einen Vorfall mit dem FC Bayern in einem Hotel in Istanbul an: Borges habe sich im Hotel so betrunken, dass er nackt über den Hotelflur lief, an Türen fremder Hoteltüren klopfte und laute Geräusche von sich gegeben haben. "Ihm war die Wirkung von Alkohol bekannt. Trotz der Erfahrung trank er", so Lanz. Und weiter: "Er hat am Tattag noch einen zusätzlichen Wirkungsfaktor (Das Schlafmittel Stilnox die Red.) genommen. Er hat ins Blaue hinein gehandelt".

Lanz: "Wenn jeder, der Frust hat, auf diese Weise reagieren würde, würden mehrere Häuser brennen". Breno habe es auch unterlassen, in der Zeit in Deutschland an sich zu arbeiten. "Jenseits des Fußballplatzes weist seine Persönlichkeit nichts aus. Der Angeklagte kann nichts mit sich anfangen", sagt Lanz. Außer Familie und Fußball habe er nichts.

Der 22 Jahre alte Brasilianer Breno Vinicius Borges steht seit Mitte Juni wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht. Beim Brand seiner Villa entstand ein Millionenschaden, das Haus musste abgerissen werden.

Verteidigung fordert Freispruch

Verteidiger Werner Leitner plädiert auf Bewährung: "Zwei Jahre halte ich für tat- und schuldangemessen. Zwei Jahre, die zur Bewährung ausgestzt werden. Hohes Gericht geben Sie Breno noch einmal eine Chance."

Leitner beschreibt seinen Mandanten als "freundlich" und "fröhlich". Er habe ihn auch ganz anders kennen gelernt: "Heute Mittag hat er geweint." Breno sei zwar Verteidiger. "Breno ist aber nicht in der Lage sich vor Gericht zu verteidigen", so Leitner.

Er vergleicht Breno mit Kaspar Hauser: "Der sich in der Welt nicht zurecht findet." Für Leitner sei der Tatnachweis nicht erbracht. Es konnte kein Brandbeschleuniger festgestellt werde. Gutachter seien sich nicht sicher gewesen, ob eventuell ein technischer Deffekt vorgelegen hat."

Breno entschuldigt sich

Das letzte Wort hat Breno und die Dolmetscherin übersetzt: "Ich möchte mich bei allen, für das was in der Nacht passiert ist, entschuldigen. Ich möchte mich auch bei dem Verein FC Bayern entschuldigen, bei dem ich gerne gewesen bin. Auch als ich im Gefängnis war, hat mich der Verein unterstützt."

Breno entschuldigte sich auch öffentlich bei dem Hausbesitzer. "Insbesondere möchte ich mich bei meiner Famlie, bei meiner Frau, bei den Eltern, die ich so lange nicht mehr gesehen habe, entschuldigen." Auch bei seinem kleine Sohn Pedro, der sich zur Zeit in Brasilien aufhält, entschuldigte sich der Star-Kicker. Er bezieht auch die anderen beiden kinder mit ein: "Sie sind wie meine eigenen Kinder. Ich war ihnen kein gutes Vorbild."

Dann richtete er seinen Dank an die Nachbarn, Feuerwehr, Polizei und Ärzte. "Ich möchte mich beim FC Bayern bedanken. Für seine Hilfe." Breno weiter: "Ich werde mich dieser Verhandlung stellen. Ich bin ein Mensch, der an Gott glaubt. Ich danke ihm, dass er meine Familie beschützt hat. Ich verpreche, dass ich mich dem Gericht nicht entziehen werde. Ich werde mich meiner Verantwortung stellen."

 

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