Nach Demütigung von Bamberg Bayerns Basketballer vor Selbstreinigung: Das Pesic-Puzzle

Gefordert: Sportdirektor Marko Pesic. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Marko Pesic, der Basketball-Sportdirektor des FC Bayern München steht vor einer kniffligen Aufgabe. Sucht er Rat bei Ex-Präsident Hoeneß?

München - Marko Pesic schaute auf die Bühne, auf der sich die Mannschaft des FC Bayern Basketball und deren Trainer Svetislav Pesic versammelt hatten. Der Sportdirektor und Geschäftsführer des FCBB sah, wie Bryce Taylor nach vorne trat und sagte: „Wir sehen uns nächste Saison.“ Der Kapitän sprach diese an die rund 300 Fans, die zum Saisonabschluss am Mittwochabend ins Foyer des Audi Domes gekommen waren, gerichteten Worte auf deutsch.

Dass Taylor, der beim FCBB längst zur Identifikationsfigur geworden ist, dieses Versprechen auch einhalten kann, gilt als ziemlich wahrscheinlich. Die Bayern werden die Option zur Verlängerung von Taylors Vertrag wohl kaum ungenutzt verstreichen lassen.

Dass es nicht für alle Mannschaftsmitglieder ein Wiedersehen in München geben wird, steht nach dem 0:3-Aus im Halbfinale der Playoffs gegen Bamberg aber fest. Zum Saisonabschluss hatte sich das Team in dieser Zusammenstellung nun ein letztes Mal versammelt. Möglicherweise ging Pesic genau das durch den Kopf, als er auf das Podium blickte. Später sprach er von einer „großen Enttäuschung und Demütigung“, die die Bayern im letzten Saisonspiel beim 65:96-Debakel in Bamberg erfahren mussten und kündigte für die nächsten Tage Gespräche mit den Spielern an. „Ich werde für nächste Saison keine konkreten sportlichen Ziele ausgeben“, sagte der 39-Jährige: „Aber das Ziel ist es, die beste Bayern-Mannschaft der letzten fünf Jahre zu präsentieren.“

"Wir sind kein Verein, der Leute rausschmeißt“

Pesic sprach über fehlende Konstanz und Verletzungsprobleme in der vergangenen Spielzeit. „Jeder muss sich hinterfragen“, sagte er dann und schloss auch sich selbst ausdrücklich mit ein. Dabei erwarte er, „dass jeder Einzelne ehrlich zu sich ist. Das ist nichts Negatives, sondern ein Prozess der Selbstreinigung“. Pesic, der vor einem kniffligen Personalpuzzle steht, stellte aber auch klar: „Ich kündige keine Leute hier. Wir sind kein Verein, der Leute rausschmeißt.“

Die Kontrakte von Nihad Djedovic, Deon Thompson, Anton Gavel und Dusko Savanovic laufen aus. Letztgenannter, der die Bamberg-Serie offiziell aufgrund einer Fingerverletzung verpasst hatte, verzichtete auf ein Erscheinen beim Saisonabschluss und trat damit den Gerüchten um ein angebliches Zerwürfnis mit Trainer Svetislav Pesic zumindest nicht entgegen.

Der hatte noch in Bamberg angekündigt, dass er nun doch „zu 99 Prozent“ seinen bis 2017 gültigen Vertrag erfüllen wolle. Es gebe „eine grundsätzliche Diskussion beim FC Bayern Basketball“, sagte Marko Pesic: „Was sind unsere Ziele? Wo wollen wir hin?“

"Ich habe viel von Hoeneß gelernt"

Der Name des erklärten Basketball-Begeisterten Uli Hoeneß fällt in diesen Tagen immer häufiger, wenn es um die zukünftige Ausrichtung des Vereinsprojekts geht. „Hoeneß war für mich immer ein ganz wichtiger Ansprechpartner, ich habe viel von ihm gelernt“, sagte Pesic über den Ex-Präsidenten: „Egal zu welcher Tageszeit und egal, ob er in einer Funktion ist oder nicht. Ich weiß: Wenn ich einen Rat brauche, werde ich ihn bekommen.“

Kaum vorstellbar, dass Pesic, für den es nun die schwierigste Situation in seiner Karriere als Sportchef zu lösen gilt, ausgerechnet jetzt darauf verzichten wird.

 

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