Nach dem Tod des Kunstsammlers Gurlitt-Sammlung geht in die Schweiz

Medienberichten zufolge hat Cornelius Gurlitt seine Bilder dem Kunstmuseum Bern vermacht. Foto: dpa

Der Tod von Cornelius Gurlitt bedeutet nicht das Ende im größten Kunstkrimi der vergangenen Jahre. Jetzt ist zumindest klar: seine Sammlung geht in die Schweiz.

 

München/Bern – Die Kunstsammlung des verstorbenen Sammlers Cornelius Gurlitt geht in die Schweiz. Dies bestätigte am Mittwoch das Kunstmuseum in Bern nachdem bereits der NDR, die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Bild“ darüber berichtet hatten. Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger wollte sich zum Inhalt des Testaments, das Gurlitt bei einem Notar in Baden-Württemberg hinterlassen hatte, zunächst nicht äußern.

Zuvor war auch spekuliert worden, dass es sich bei der Kunstinstitution, der Gurlitt seine Bilder vermacht haben soll, um das Belvedere in Wien oder das Lentos Kunstmuseum in Linz handeln könnte.

Das Amtsgericht München leitete am Mittwoch ein Nachlassverfahren ein und forderte das Testament an, das bei dem Notar in Baden-Württemberg liegt, wie Gerichtspräsident Gerhard Zierl sagte. „Wir gehen davon aus, dass es im Laufe der nächsten Woche bei uns eintreffen wird. Dann wird hier der zuständige Rechtspfleger das Testament prüfen, um festzustellen, ob es ordnungsgemäß errichtet worden ist und um festzustellen ob der Verstorbene Erben eingesetzt hat.“

Gurlitt-Sprecher Holzinger sagte am Mittwoch lediglich: „Ich kann nur bestätigen, dass Herr Gurlitt kurz vor seiner schweren Herzoperation einen Notar-Termin hatte“ Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war am Dienstagvormittag im Alter von 81 Jahren in seiner Münchner Wohnung gestorben – ohne seine Bilder vorher noch einmal zu sehen.

Der Erbrechts-Experte Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, sieht keine Probleme darin, sollte Gurlitts Sammlung ins EU-Ausland gehen.

Sowohl Holzinger als auch das bayerische Justizministerium betonten, dass die Anfang April getroffene Vereinbarung zwischen Gurlitt und dem Staat auch für die Erben Gültigkeit besitze – auch wenn dies nicht explizit im Vertrag stehe. Gurlitt hatte der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine Sammlung von Experten untersuchen zu lassen. Unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke werde er gegebenenfalls zurückgeben. Die Taskforce Schwabinger Kunstfund geht von 458 verdächtigen Bildern aus, Gurlitt und seine Anwält sprachen stets von nur rund 40. Im Februar 2012 waren insgesamt 1280 Bilder in Gurlitts Wohnung in München-Schwabing gefunden worden.

Gurlitts millionenschwere Sammlung aus seiner Münchner Wohnung und seinem Salzburger Haus umfasst Bilder von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte die Münchner Sammlung Anfang 2012 beschlagnahmt. Auf die Salzburger Sammlung hatten die Behörden nie Zugriff.

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