Nach dem Krach in der CSU geben sich alle gut gelaunt Kreuth: Aigner und Seehofer herzen sich für die Fotografen

Schaut her, wir haben uns doch alle lieb! Ilse Aigner, Horst Seehofer und Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt (v.li.). Foto: dpa

Am Tag nach dem Streit um Aigners Energiewende-Papier will Parteichef Horst Seehofer von Zoff nichts mehr wissen.

 

Wildbad Kreuth - Auf dem spärlichen Buffet im Tagungssaal der CSU in Kreuth steht eine Riesenschüssel Gummibärchen, durchmischt mit giftgrünen Fröschen und roten Kirschen. Daneben gibt’s eine Schüssel mit Studentenfutter. Und zum ersten Mal zwei Obstplatten mit Bananen, Ananas und Melonen. Nichts soll den Christsozialen am Mittwoch im Magen liegen. Nervennahrung ist angesagt. 

Denn es geht um das Herunterspielen von Konflikten: Den kleinen zwischen Horst Seehofer und seiner Wirtschaftsministerin Ilse Aigner wegen ihrer Idee, die Energiewende auf Pump zu finanzieren. Und den großen mit den USA um die Ausspäh-Affäre des US-Geheimdienstes NSA.

Alles also ganz normal. So versuchen zwei Männer im Tegernseer Tal eine Charmeoffensive: der CSU-Chef und der US-Botschafter in Deutschland, John B. Emerson, der als Gast der Landesgruppe nach Kreuth gekommen war.

Seehofer bittet um Verständnis, dass es in der Politik auch einen Austausch von Pro und Kontra geben müsse. Das sei ein „ganz normaler Suchprozess für die richtige Entscheidung und kein Streit“, erklärt er. Das bekam seine Wirtschaftsministerin Aigner am Dienstag im Kabinett zu spüren. Ihren Vorschlag, Schulden zu machen, hat er schnell und schmerzlos beerdigt. Sogar seine Kreuth-Rede vor der Landesgruppe hatte er deshalb um einen Tag verschoben und am Dienstagabend die Interviews vor nächtlicher Bergkulisse mit den ARD-„Tagesthemen“ und dem ZDF-„Heute Journal“ abgesagt. Aber es war ja überhaupt nix.

So tut auch Ilse Aigner, als sie um 13.45 Uhr zur Rede ihres Parteichefs nach Kreuth kommt. Eine Stunde lang erklärt er der Landesgruppe, wo es 2014 politisch langgeht und macht allen klar:  „Ich kann acht Wochen vor einer kleinen Landtagswahl überhaupt keine kontroversen Debatten zulassen.“  Also doch nix mit Pro und Kontra vor den Kommunalwahlen im März. Zwar wolle er andere Meinungen respektieren, aber schnell wieder Ruhe. „Die erste Saison nach der Meisterschaft ist die schwierigste“, sagt Seehofer. In der großen Koalition dagegen legt er’s auf Krawall an: „Ich will in Berlin nicht geliebt werden, sondern respektiert.“ 

Aigner gibt sich demonstrativ gut gelaunt: „Das ist eine mehr als lächerliche Diskussion“, wirft sie den Journalisten vor. Ihre Hände wäscht sie in Unschuld. Sie habe nichts damit zu tun, dass die interne Vorlage öffentlich wurde: „Das Papier habe nicht ich an die Presse gegeben.“ Auf die Frage, ob sie jetzt nicht mehr Kronprinzessin sei, antwortet sie genervt: „Es gibt keinen König in Bayern.“ Anschließend lässt sie sich für die Fotografen sogar von Seehofer herzen. „Das ist die Realität“, sagt der feixend.

Zum Kuscheln ist US-Botschafter Emerson nicht gekommen. Vielmehr bittet auch er um Verständnis. Es sei schwierig, die Balance zwischen Privatsphäre und Terror-Abwehr zu finden. Was Kanzlerin Merkel so gefährlich für die USA machte, dass ihr Handy abgehört wurde, mag er nicht erklären: „Es gibt nichts Gefährliches an einem Freund.“ Er strapaziert Obamas Standard-Satz: „Wir hören und wollen nicht abhören.“ 

 Weniger diplomatisch gibt sich CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl. Er droht, dass Tochterfirmen amerikanischer IT-Unternehmen künftig in Deutschland keinen Auftrag mehr bekommen, wenn sie alle Daten an die NSA weitergeben: „Die sollen unterschreiben, dass sie nichts ohne Wissen deutscher Sicherheitsbehörden ausleiten.“

Da war der Smalltalk bei seiner Ankunft angenehmer. Es sei schon sein fünfter Besuch in vier Monaten in Bayern, wo er gerade erst Ski-Urlaub gemacht habe, begrüßt der Botschafter Seehofer. Als Emerson allerdings den Journalisten „Tschüss“ zuruft, korrigiert er den Gast: „Tschüss ist Norddeutsch.“ „Grüß Gott!“,schiebt der Botschafter gleich hinterher.

 

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