Nach Brandbrief gegen Radl-Rambos ADFC bietet Christian Springer Radl-Kurs an

Kabarettist Christian Springer fürchtet sich vor Radlern - Andreas Groh vom ADFC will sich seiner annehmen. Foto: ho/AZ

Christian Springer beschwert sich in seinem Brandbrief über Radl-Rambos und gibt zu, dass er selbst kein besonders geübter Radler ist. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) will dem Kabarettisten in den Sattel helfen.

München – Das Thema Radfahren beschäftigt die Münchner immer noch. Täglich bekommt die AZ Leserbriefe– es wird kontrovers diskutiert, seit Kabarettist Christian Springer in der Samstagausgabe einen offenen Brief an die Münchner Radfahrer veröffentlicht hat. Er habe als Autofahrer Angst vor den Radl-Rambos, schrieb Springer in seinem Wutbrief. "Wüsteste Beschimpfungen zähle ich längst nicht mehr", schreibt Springer. Und: Er habe nie richtig Fahrradfahren gelernt, weil die meisten Münchner Radler so rücksichtslos sind.

Viele Leser der Abendzeitung gaben ihm recht, andere widersprachen ihm (hier nachlesen).

Nun hat sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in die Diskussion eingeschaltet. Andreas Groh, der stellvertretende Vorsitzende des ADFC in München, hat Christian Springer einen Brief zurückgeschrieben:

Sehr geehrter Herr Springer,

mit großem Bedauern haben wir gelesen, dass Sie Angst haben vor Radfahrern – Sie als Autofahrer. Umzingelt von aggressiven "Radl-Rambos" trauen Sie sich kaum noch auf die Straße. Bislang tragen Sie Ihr Radl lieber durch München, als gemütlich zu fahren. Denn Sie haben das Radfahren nie richtig gelernt. Das möchten wir vom ADFC München gern ändern.

Unser Anliegen ist es, den Radverkehr zu fördern, und zwar so, dass ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet ist. Denn Radlfahren ist Genuss und Freiheit. Wir bieten Ihnen daher an, mit dem ADFC zu lernen, sicherer und besser auf Ihrem Radl zu sitzen. Damit Sie gut und auch mit Freude in der Stadt München von A nach B kommen. Das ist nämlich trotz aller Widrigkeiten möglich. Wir laden Sie hiermit herzlich zu einem ADFC-Fahrsicherheitstraining ein. Danach können Sie die Münchener Verkehrssituation, von der Sie so schwärmen, endlich aus der Perspektive eines Radlers erleben – und beurteilen. Und Sie werden feststellen, da ist noch viel Luft nach oben. Aber wenig Platz nach links und rechts.

Daher kämpfen wir vom ADFC für "Ein Radgesetz für Bayern!", das eine entspannte Mobilität für alle und überall ermöglicht. Radeln soll allen Spaß bringen. Ein sicheres, komfortables und durchgängiges Radwegnetz würde schon helfen, viele unfallträchtige Verkehrssituationen zu entschärfen. Statistisch gesehen geht nämlich die größte Gefahr immer noch vom Kfz-Verkehr aus.

75 Prozent der Radunfälle, bei denen ein Pkw involviert ist, verschuldet der Autofahrer. Leider manchmal mit schlimmen oder gar tödlichen Folgen für die Radfahrenden. Lkw ohne ausreichende Sicherheitssysteme, Radwege, die im Nichts enden oder ständig zugeparkt sind: Das ist der wahre Irrsinn.

Doch zurück zu den von Ihnen geschmähten "Radl-Rambos" und "Zweirad-Idioten" – die möchten auch wir gern bekehren. Denn ja, es gibt leider rücksichtslose Radfahrer. Auf die große Mehrheit der Radlfans trifft das aber nicht zu. Zudem ist Rücksichtslosigkeit eine Frage des Charakters und nicht des Verkehrsmittels. Wir appellieren deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, sich an die Verkehrsregeln zu halten, besonders gegenüber Schwächeren rücksichtsvoll zu sein und auch mal auf den eigenen Vorrang oder das Vorfahrtrecht zu verzichten.

Wir sind sicher, dass Sie als Radler ein leuchtendes Vorbild für alle anderen abgeben werden. Daher bringen wir Ihnen gern das Radeln bei: Herr Springer, willkommen unter den Radlfahrern!

Herzliche Grüße

Andreas Groh

Stellvertretender Vorsitzender ADFC München e.V

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zur Radl-Rambo-Debatte

Im Video: Das sagen die Münchner zur Radl-Rambo-Diskussion

 

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