Nach Brandbrief an OB Reiter „Der Bürger wird nichts merken“

28. August 2012: Feuerwehrleute nach der Sprengung einerFliegerbombe in der Altschwabinger Feilitzschstraße. Eine Stadt wieMünchen, die Feuerwehrleute braucht, muss sie sich selbstausbilden. Foto: Berufsfeuerwehr München

Der Leiter der Münchner Branddirektion beteuert, es gebe keine Sicherheitsprobleme wegen Personal- und Fahrzeugmangels bei der Berufsfeuerwehr.

 

München - Die Münchner Berufsfeuerwehr hat nichts davon gewusst, dass die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) sich für sie in die Bresche werfen will. Auch der Leiter der Branddirektion, Wolfgang Schäuble, ist gestern überrascht worden vom Brandbrief, den die DFeuG an Oberbürgermeister Dieter Reiter geschrieben hat, um auf Missstände hinzuweisen. „Vor allem der Zeitpunkt hat mich verblüfft“, sagt Schäuble. „Die Forderungen kommen etwa zwei Jahre zu spät, die Lösungen sind schon längst in der Umsetzung.“

Personalmangel, Dienstfahrzeugmangel, unbezahlte Mehrarbeit lauteten die schwersten Vorwürfe der DFeuG. Seit 1. Januar ist die tägliche Sollstärke der Münchner Berufsfeuerwehr um fast 20 Einsatzkräfte reduziert. Damit sinke der Sicherheitsstandard für die Bürgerinnen und Bürger, schrieb der Gewerkschafts-Verein.

„Das ist ganz klar nicht so“, sagt Schäuble der AZ. „Sie werden diese Änderungen nicht bemerken im Einsatzgeschehen der Feuerwehr, der Bürger wird nichts merken.“ Innerhalb der Feuerwehr, gibt er zu, müsse allerdings schon „die eine oder andere Unannehmlichkeit in Kauf genommen werden“.

Dabei geht es auch um die Arbeitszeiten. Nach einer Entscheidung des Europäischen Parlaments wurde die wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 48 Stunden reduziert. Aufgrund einer freiwilligen Einigung leisten die Münchner Kräfte seit dem 1. Januar 2015 52 Wochenarbeitstunden.

„Das Wichtigste für uns ist, dass die Feuerwehrleute auf eine 48-Stunden-Woche herunterkommen“, sagt der 2. DFeuG-Vorsitzende Friedrich Schlierf.

„Der Markt für fertig ausgebildete Feuerwehrleute ist leer“

Um das zu erreichen, habe man sich von der Stadt 200 neue Stellen genehmigen lassen, sagt Schäuble. Knapp die Hälfte dieser Stellen habe mit Arbeitszeitreduzierung zu tun. Der bayerischen DFeuG-Landesgruppe reicht das nicht. „Aus Hochrechnungen des Stadtrats hat sich ergeben, dass bis 2018 mindestens 270 Feuerwehrleute eingestellt werden müssten, um den Bedarf zu decken“, sagt Schlierf. Er glaubt nicht, dass das schaffbar ist.

Das Kernproblem sieht die DFeuG dabei im Nachwuchs. Feuerwehrbeamter ist kein Lehrberuf. Wer Feuerwehrler werden möchte, muss schon eine Ausbildung abgeschlossen haben – und sich dann für zwölf oder 24 Monate bei der Feuerwehr ausbilden lassen.

„Wir brauchen fitte, intelligente Leute, die den Einstellungstest bestehen, und dann für ein Ausbildungsgehalt von knapp 1100 Euro arbeiten“, sagt Schlierf. Danach bekomme man etwa 2100 Euro brutto. „So kriegen wir nie gute Fachkräfte. Wir sind einfach nicht konkurrenzfähig gegenüber der Wirtschaft.“

Ein anderer Kritikpunkt in dem offenen Brief war, dass die Berufsfeuerwehr noch bis zum 30. Juni fünf Einsatzkräfte ausleihen muss an die Werkfeuerwehr der TU München in Garching. Die hat nämlich auch ein Personalproblem.

Die Werkfeuerwehr hat seit September neue Stellen ausgeschrieben. „Wir sehen das aber sehr skeptisch, dass sie bis zum 1. Juli die Leute haben werden“, sagt Schlierf. Der 2. Leiter der Werkfeuerwehr, Jürgen Wettlaufer, bestätigt indirekt: „Der Markt für fertig ausgebildete Feuerwehrleute ist leer.“

Auch das sieht Schäuble anders. „Eine schnelle Deckung von freien Stellen gibt es nicht, denn wir müssen die Leute selbst ausbilden.“ Die Bewerberlage sei aber in Ordnung, die Zahlen stabil: „Wir haben im Jahr etwa 170 bis 180 erfolgreiche Bewerbungen – mehr, als wir Stellen haben.“ Für die nächste Ausbildung habe man 80 positive Ergebnisse. „Und für dieses Jahr sowie 2017 und 2018 versuchen wir, die Zahl der Auszubildenden zu verdoppeln auf 136 für die beiden Starttermine 1. April und 1. Oktober.“

Entlastung, lenkt er ein, gebe es dann aber frühestens in zwölf Monaten.

 

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