Nach 52 Jahren Münchner Kult-Restaurant "Grüne Gans" macht Schluss

Führten über Jahrzehnte die "Grüne Gans": Inge Stollberg und ihr verstorbener Mann Julius (†78). Foto: Archiv: Annette Baronikians

Nach 52 Jahren schließt das Gourmet-Lokal Grüne Gans still und leise. Jetzt tischt dort künftig ein Kolumbianer auf – alle Hintergründe.

 

München - Es war das kleinste, feinste Restaurant Münchens. Die Grüne Gans am Viktualienmarkt (Am Einlass 4) war über fünf Jahrzehnte die Anlaufadresse für Menschen, die gerne richtig toll essen und eine Wohnzimmer-Atmosphäre ohne viel Tamtam schätzen. Drei Stufen führten runter ins gehobene Schlemmer-Glück, 28 Plätze umfasste die Gans, aber knapp.

Inge Stollberg und ihr Mann Julius, die sich genau hier, als es noch eine Bar war, 1966 ineinander verliebt hatten, führten die Grüne Gans (mit nur einem Mitarbeiter) an die Spitze. Inge war Autodidaktin, brachte sich selbst das vorzügliche Kochen bei, Julius kümmerte sich um Getränke und Desserts. Ein wunderbares Ehepaar, ein perfektes Team.

Prominente Gäste in der Münchner "Grünen Gans"

Musik-Medien-Genie Hans R. Beierlein und Feinkost-König Gerd Käfer (†) bezeichneten die Gans als Lieblingslokal. Schwedens König Carl Gustaf war hier, Mario Adorf, die Schönen, die Reichen – und die Sterne-Köche der Stadt. Zum 50. Gans-Jubiläum vor zwei Jahren kochten Eckart Witzigmann, Hans Haas, Ali Güngörmüs, Bobby Bräuer, Karl Ederer, Rudi Färber, Christian Grainer, Mario Gamba und Hans Jörg Bachmeier für die Stollbergs. Etliche Fotos an den dunklen Mahagoni-Wänden erinnerten stets an die vielen Promi-Gäste.

Todesfall besiegelt das Ende der "Grünen Gans"

So unaufgeregt die Gans all die Zeit auf höchstem Niveau agierte, so diskret war jetzt auch ihr Ende. Im Juni starb überraschend Julius Stollberg († 78), was seiner Inge das Herz brach – und der Grünen Gans das Genick. Inge Stollberg sagte schon beim Trauer-Essen in Putzi Holenias Paulaner im Tal, dass sie ihr Lokal nicht alleine weiterführen möchte.

Kolumbianisches Restaurant beerbt "Grüne Gans"

Irgendwann sprach sie Luis Alexander Fernandez (39) an, der war oft und gerne bei ihr in der Gans, wohnte nicht weit weg und führt nebenan die Bar Buena Vista. Vor 15 Jahren kam der Kolumbianer nach München, vor zwei Wochen eröffnete er in der Grünen Gans sein neues Restaurant Mi Casa. Ein gehobenes kolumbianisches Restaurant.

Die Mahagoni-Wände hat er gelassen, genauso wie die rote Decke. Die Promi-Fotos an den Wänden sind weg. "Alles wurde etwas moderner und kolumbianischer", sagt er der AZ. "Als Inge mich nach Julius’ Tod gefragt hat, ob ich ihren Laden übernehme, konnte ich nur Ja sagen."

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading