Entenbraterei sagt nach 35 Jahren Servus Wiesn-Aus: Darum gehen die Wildmosers

, aktualisiert am 20.12.2016 - 16:47 Uhr
Für 35 Jahre war die Entenbraterei Wildmoser auf der Wiesn. (Archivbilder) Foto: dpa/babiradpicture/AZ

Ein Traditionsbetrieb verlässt die Wiesn: Die Entenbraterei Wildmoser wird sich nicht mehr für das Oktoberfest im nächsten Jahr bewerben. Neben dem kleinen Zelt ist noch in einer anderen Lokalität der Familie Schluss.

 

München - Dunkle Holzbänke, weiß-rot karierte Vorhänge und eine saftige Bauernente. In Wildmoser’s Hühner- und Entenbraterei konnte man sich fühlen wie in Großmutters Stubn. Jetzt hat die Großgastronomiefamilie verkündet, dass sie sich nicht auf die Wiesn 2017 beworben haben und auch ihr Lokal König Ludwig an der Messe in Riem aufgeben werden. Eva Kasper (54) bestätigt, dass ihre Familie aus der klassischen Gastronomie aussteigt: „Das war eine Entscheidung im Familienverbund. Wir wollen uns jetzt Zeit nehmen für Dinge wie unsere beiden Mütter, die beide über 70 sind und all die anderen wichtigen Dinge, für die wir bisher keine Zeit hatten.“

"Wann hat man schon die Chance"

Seit 1981 ist die Familie mit ihrer Hühner- und Entenbraterei auf der Wiesn. Wirt Karl-Heinz Wildmoser hatte zeitweise den Donisl am Marienplatz, den Pschorr-Keller auf der Theresienwiese, die Pschorr-Hallen an der Neuhauser Straße, das Gasthaus Hinterbrühl in Thalkirchen und am Starnberger See das Hotel Leonie. Zudem war er Präsident vom TSV 1860. Nach dem Tod von Karl-Heinz Wildmoser vor fünf Jahren übernahmen seine Frau Theres, seine Tochter Eva Kasper und ihr Mann Werner (56) das kleine Wiesnzelt, das Platz für 320 Gäste bietet.

Zudem führt die Familie das König Ludwig in Riem, das den prachtvollen Sängersaal von Schloss Neuschwanstein abbildet. Doch sowohl im Lokal als auch im Zelt stehen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen an. Das wollen die Wildmosers nicht mehr schultern. „Wann hat man schon die Chance, dass es zeitlich so zammenpasst, dass man mit beidem aufhören kann. Das war eine Herzensentscheidung“, sagt Eva Kasper. Für das König Ludwig haben sie schon „sehr gute Nachfolger“ gefunden. In wenigen Tagen – schon Ende dieses Jahres – wird die Familie die Gaststätte an die ATR GmbH übergeben, die bisher vor allem Systemgastronomie gemacht hat.

Nachdem es um die Hühner- und Entenbratereien in den vergangenen zwei Jahren schon Streit gegeben hatte, wird’s der Stadt ganz recht sein, dass ein Bewerber sich freiwillig vom stark umkämpften Oktoberfest zurückzieht. Denn weil im Jahr 2014 Sigfried Able mit seinem Goldenen Hahn auf die Wiesn kam, hatte die Hühnerbraterei Poschner keinen Platz bekommen. Heuer waren die Poschners dabei, aber die Entenbraterei Heimerl nicht. Beide kleinen Wiesnwirte zogen deshalb gegen die Stadt vor Gericht. Urteile sind noch nicht gefallen.

Freunde und Familie wussten schon länger Bescheid

Ungewöhnlich ist, dass ein Wiesnwirt freiwillig seinen Platz räumt. Normal wird das von Wirtegeneration zu Wirtegeneration in der Familie weitergegeben. Das älteste Wiesnzelt in Familienhand führen die Schottenhamels, die fast 150 Jahre auf der Wiesn sind. Das Hackerzelt führt seit 1989 Toni Roiderer, der jetzt an Sohn Thomas übergeben hat.

Der Sohn von Eva und Werner Kasper hat kein Interesse an der Gastronomie und arbeitet in einem anderen Berufsfeld. „Freunde und Familie wussten schon lange, dass wir mit der Gastronomie aufhören. Die besuchen wir auch weiter auf der Wiesn und freuen uns, dass wir so gute Nachfolger für unser Wirtshaus König Ludwig gefunden haben und jetzt in den Ruhestand gehen können“, sagt Eva Kasper.

 

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