Münchner sind wütend Fraunhoferstraße: Luxuswohnhaus statt Hinterhof-Idyll

In seiner bunten Welt in der Fraunhoferstraße 13: Jan Frankl, der sich auch "Ateet" nennt. Foto: Milena Merling/AZ

In der Fraunhoferstraße lässt ein Investor aus Luxemburg das nächste Idyll wegreißen. Die Nutzer appellieren an die Stadt.

München - Beschaulich, sympathisch, kreativ: Im Innenhof der Fraunhoferstraße 13 ist das Glockenbachviertel noch so, wie es viele aus den 80er und 90er Jahren kennen: mit geduckten Rückgebäuden und schönen Hinterhöfen. Bis vor Kurzem gab es hier noch eine Naturheilpraxis, ein Yoga-Studio, einen Tierarzt. Übrig ist heute nur noch der MalOrt, ein bewertungsfreier Kunstraum, offen für Jung und Alt.

In einem der ältesten Gebäude der Straße, erbaut 1830, hat sich ein Idyll erhalten. Bis heute. Doch nun will ein Investor aus Luxemburg abreißen lassen. Für die Mieter ist das eine erschütternde Nachricht, mit weitreichenden Folgen.

Investor drängt Anwohner zum schnellen Auszug

Doch von Anfang an: Schon 2017 wurde das Anwesen für rund 16 Millionen Euro verkauft. Der Investor will noch 2019 mit dem Bau beginnen und drängt die Anwohner zum schnellen Auszug. Gerd Krauß, der frühere Eigentümer, hat eigentlich ein vertraglich zugesichertes Wohnrecht bis 2020. Dies wird ihm nun streitig gemacht.

Dort, wo so viel Geld im Spiel ist, ist offenbar kein Platz mehr für buntes Hinterhof-Leben: "Die Atmosphäre hier war toll, da wurde meditiert, wir haben getanzt, es war lebendig", so Jan Frankl, der Betreiber des MalOrts. Jetzt ist alles anders.

Luxuswohnhaus statt Hinterhof

Dem Planungsreferat der Stadt liegt ein Vorbescheidsantrag vor, der "vorne einen Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnzwecken, den Anbau eines Außenaufzugs und von Balkonen sowie einen Abbruch der angrenzenden Rückgebäude" vorsieht. Konkret: Das denkmalgeschützte Vorderhaus wird erhalten und umgebaut, die Seitenflügel inklusive Hinterhof werden abgerissen und müssen einem sechsstöckigen Luxuswohnhaus weichen.

Rechtlich ist der Verkauf ordnungsgemäß abgelaufen – nachvollziehen können ihn viele nicht. Krauß kritisiert vor allem das "Missmanagement" der Stadt, die auf "Verdichtung der Bausubstanz" setze, ohne zu bedenken, dass "Neubauten zu Spekulationsobjekten werden, die sich keiner mehr leisten kann". Ein weiteres Problem: Hinterhöfe fallen häufig nicht mehr unter Denkmalschutz. "München besteht aber nicht nur aus Straßenfassaden – München braucht diese Kulturräume", so Krauß.

MalOrt freut sich auf farbenfrohe Zukunft

Ein möglicher Schutz hätte sich aus der Erhaltungssatzung ergeben können. Das Anwesen liegt aber ganz knapp außerhalb des Gebiets. Der Milieuschutz greift hier also nicht. Frankl fordert die Stadt auf, ihre Kulturgüter besser zu schützen: "Jeder von uns hat die Verantwortung, das zu tun, was sich gut und richtig anfühlt und nicht alleine dem Geldbeutel dient."

Fast alle Mieter sind bereits ausgezogen. Allein der MalOrt ist noch da. Hier sollen Teilnehmer ihren Gefühlen freien Lauf lassen können, frei von Leistungsdruck mit Pinsel und Farbe an die Wand malen. Auf die Frage, ob es mit einer Therapie vergleichbar sei, lacht Frankl: "Es ist therapie-vorbeugend."

Die Mitarbeiter des MalOrtes sind guter Dinge, dass sich noch ein Platz für ihren besonderen Ort finden lässt. Sie freuen sich auf eine farbenfrohe Zukunft – im Glockenbach oder einem der angrenzenden Viertel. Es muss auch nicht unbedingt in einem Hinterhof sein.


Können Sie helfen? MalOrt sucht

  • Wann? ab sofort (spätestens ab Mai 2019)
  • Was? Räumlichkeiten, ca. 60 qm: Malraum, WC, Teeküche, Lagerraum
  • Wo? In Giesing, der Au oder dem Glockenbachviertel
  • Wie? ÖPNV-Anschluss
  • Kontakt: Der MalOrt ist erreichbar unter info@malort- muenchen.net

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