Münchner-Kindl-Bier McGraw-Kaserne: Wo einst Benzin floss, soll bald Bier fließen

Städteplaner Gert F. Goergens hat für die Münchner-Kindl-Brauerei diese dreischiffige Basilika mit Obergaden entworfen. Foto: Goergens + Miklautz

Auf dem Gelände der früheren US-Tankstelle in der McGraw-Kaserne will Dietrich Sailer die Brauerei für sein Münchner-Kindl-Bier bauen. Einfach wird das nicht – aber der Unternehmer hat eine Strategie.

München - Der Gastro-Unternehmer Dietrich Sailer (60) hat einen kühnen Traum. Oder benutzen wir ausnahmsweise sogar das große Wort: eine Vision. Und die spielt im Münchner Herbst.

"Wenn die Italiener am mittleren Wochenende vom Oktoberfest nach München fahren, kommen sie über die A 995 herein", sagt Sailer – und stellt es sich dann so vor: "Das erste Gebäude auf Münchner Boden, das sie sähen, wäre eine Brauerei. Dann wissen die Italiener: Jetzt sind sie da. Und der Münchner, wenn er aus dem Süden vom Urlaub zurückkommt, denkt sich: Jetzt bin ich dahoam."

Bier "Münchner Kindl" soll in der Stadt gebraut werden

Die Brauerei, die dort stehen soll, wäre seine eigene. Sailer hat vor gut einem Jahr die Biermarke "Münchner Kindl" erworben (AZ berichtete). Zuerst nur die Marke. Dann hat er im Münchner Umland schon mal ein paar Sude zur Probe brauen lassen. Was ihm noch fehlt, ist eine richtig große Brauerei. Und die soll nun entstehen: an der Tegernseer Landstraße 337, an der ehemaligen McGraw-Kaserne.

Sailer hat das Gelände erworben: "Das ist die ehemalige Amerikaner-Tankstelle gleich neben der Autobahn A 995", sagt er – und weiß jetzt schon, dass das mit dem Bau der Brauerei wohl nicht von jetzt auf gleich funktionieren wird: "Eine Baugenehmigung dort zu erlangen, ist nicht ganz einfach. Laut Flächennutzungsplan hat die Ökologie Vorrang, und das Grundstück liegt nicht im Innenbereich." Er wird Unterstützung aus der Politik brauchen, wenn er seine Brauerei-Pläne in Obergiesing umsetzen will.

Darum hat sich der Unternehmer (u. a. "Villa Flora", "Jailhouse" in Bad Tölz, Hochzeitsinsel im Schliersee) eine Strategie überlegt, die drei Punkte umfasst.

1. Bienen und ein Hopfengarten
Sailer beschreibt das so: "Das Grundstück ist zu 100 Prozent versiegelt. Schlimm, komplett zugeteert. Auf dem Grundstück steht nicht ein Baum, nicht einmal ein Grashalm. Ich will 1.000 Quadratmeter davon entsiegeln und somit ein Viertel der Fläche der Natur zurückgeben. Darauf soll eine Bienenweide angelegt werden. Das ist eine Naturfläche für Wildbienen." Sailer weiter: "Es gibt circa 300 Arten von Wildbienen, die auch Solitärbienen genannt werden. Viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht. Um diese kümmert sich kein Mensch, nicht einmal der Imker, weil sie keinen Honig geben. Dazu kommt noch ein kleiner Hopfengarten, um auch in der Stadt zu zeigen, wie die Holledau tickt."

2. Entsorgung der Altlasten
"Das Grundstück war eine Tankstelle", sagt Sailer, "es ist mit Altlasten behaftet." Die Amerikaner seien nicht sorgsam mit der Umwelt umgegangen: "Zahlreiche Tanks befinden sich unterirdisch. Dazu gibt es mehrere Gutachten, und ich lasse gerade ein aktuelles erstellen. Ich würde im Zuge meines Vorhabens alle Altlasten beseitigen."

3. Das Gedenken an die Schützenliesl
"Alle bekannten Münchnerinnen haben ein Denkmal oder ihren Brunnen am Viktualienmarkt", sagt Dietrich Sailer, "ob es Bally Prell ist, Ida Schumacher, Elise Aulinger oder Liesl Karlstadt. Aber die Schützenliesl hat kein Denkmal, nicht einmal ein Grab. Denn das hat man drei Jahre nach ihrem Tod aufgelöst. Sie soll dort ein ehrendes Andenken erhalten."

Die Schützenliesl als Marken-Emblem

Die Schützenliesl, wie sie auf einem Fass balanciert, ist nämlich das Marken-Emblem des Münchner-Kindl-Biers, das Sailer reanimieren will. 1880 war die Brauerei zum Münchner Kindl am Rosenheimer Berg gegründet worden. Der Münchner-Kindl-Bierkeller gegenüber vom Bürgerbräukeller in der Rosenheimer Straße war einst mit 5000 Plätzen sogar der größte Saal in Deutschland.

Sailer hat auch schon Entwürfe für seine Brauerei fertigen lassen – von Städteplaner Gert F. Goergens, der früher einmal Stadtheimatpfleger von München war. Entstanden ist die Skizze einer dreischiffigen Basilika mit Obergaden. Sailer: "Im 19. Jahrhundert war diese Bauform mit Backsteinfassade eine beliebte Industriearchitektur, an die der vorliegende Entwurf anknüpft."

Mit diesen Plänen will er nun um Unterstützung werben, damit seine Vision von einer Brauerei einmal Realität wird. Irgendwann, in einem Münchner Herbst.

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