Münchner Holocaust-Überlebender Peter Jordan ist tot: Mahner, Kämpfer, Versöhner

, aktualisiert am 21.02.2020 - 10:51 Uhr
Peter Jordan mit Bildern seiner Eltern. Foto: Archiv Swartzberg

Peter Jordan überlebte den Holocaust – und wirkte bis zuletzt an der Erinnerungskultur in seiner Heimatstadt München mit.

 

München - Peter Jordan hat Schlimmstes erlebt in seinem langen Leben. Seine Eltern wurden ermordet, er musste sich in ein fremdes Land retten.

Doch Jordan blieb ein Kämpfer – und doch ein versöhnlicher Mann. Viele Jahre hat er dafür gekämpft, dass an der Mauerkircherstraße 13 in Bogenhausen so genannte Stolpersteine verlegt werden dürfen, zur Erinnerung an seine Eltern, die Kunsthändler Siegfried Jordan und Paula Jordan, die hier zuletzt gelebt hatten.

Verwandte konnten Peter nach London retten, seine Eltern selbst gehörten zu den 1.000 Juden, die vom ersten Deportationsbefehl in München betroffen waren. Am 20. November 1941 mussten sie sich im "Barackenlager Milbertshofen" in der Knorrstraße einfinden. Sie wurden ins litauische Kaunas deportiert, wo sie am 25. November 1941 von SS-Männern erschossen und in einem Massengrab verscharrt wurden.

Peter Jordan: Sein Kampf um die Erinnerung an seine Eltern

Peter Jordan, der Sohn, blieb auch später, als Erwachsener, in Großbritannien. Er wurde Architekt. Doch der Kampf um die Erinnerung an seine ermordeten Eltern in seiner Heimatstadt München blieb ihm eine seiner Lebensaufgaben.

Als er 2004 auf öffentlichem Grund an der Mauerkirchnerstraße Stolpersteine verlegen ließ, ließ die Stadt sie wieder herausreißen. Weil es verboten war. Doch Peter Jordan, dem es zunehmend schwer fiel, nach München zu reisen, kämpfte weiter.

Auch seiner Lebensgeschichte – und seinem Engagement – ist es zu verdanken, dass die Stadt sich lang und intensiv mit der Frage befasste, wie denn ein würdiges Gedenken an die Opfer vor Ort an ihren ehemaligen Wohnhäusern aussehen könne.

Peter Jordan: Unermüdlich im Einsatz für Stoplersteine

Andere Opferfamilien – und die Israelitische Kultusgemeinde – lehnten die Stolpersteine ab, unter anderem weil ein Künstler ein Monopol darauf hat und sie die Symbolik kritisierten, da Passanten unbedacht auf die Erinnerungstafeln im Gehweg trampeln könnten.

Peter Jordan aber blieb überzeugt. Und stieg 2015 beim Stadtrats-Hearing im Alten Rathaussaal eigenmächtig auf die Bühne, um eine Rednerin zu stoppen, die ihn und die Stolperstein-Anhänger angriff.

Jordan fiel das schon sehr schwer, das konnte jeder sehen. Aber es war ihm wichtig. Es gehört zur Größe dieses Peter Jordan, dass er trotzdem seinen Frieden gemacht hat mit dem Kompromiss der Stadt, Erinnerungstafeln an Wohnhäusern anzubringen, aber eben nicht in den Gehwegen, sondern an Stelen oder direkt an die Hauswand geschraubt.

Terry Swartzberg: "Peter Jordan war mein Held"

2018 durfte er es noch erleben, wie der Erinnerungsort an seine Eltern in Bogenhausen geschaffen wurde. "Tief bewegt"“ sei er gewesen, berichten die, die in diesem besonderen Moment dabei waren.

Am Dienstagabend ist Peter Jordan 96-jährig gestorben. Grünen-Rathaus-Fraktionschef Florian Roth würdigte Jordan am Donnerstag im Gespräch mit der AZ als eine "sehr beeindruckende Persönlichkeit, der die Stadt viel zu verdanken habe".

Der Münchner Stolperstein-Aktivist Terry Swartzberg sagte: "Peter Jordan war mein Held." Er habe ihn als einen "unerschrockenen, mutigen und dankbaren Menschen" kennengelernt. Auch in München soll es bald eine Gedenkfeier für Peter Jordan geben. In seiner Heimatstadt, die er nie aufgegeben hat.

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