"Münchens Zukunft hat Migrationshintergrund" Internationale Wochen gegen Rassismus

Ein echter Münchener Pluralist mit passendem Kopfschmuck auf einer Anti-Bagida-Demo am Sendlinger-Tor-Platz Anfang Januar. Foto: dpa

„Wochen gegen Rassismus“: Bis Ende März stellt sich die Stadt mit über 30 Aktionen gegen Ausgrenzung und ihre modernen Spielarten.

 

München - So umfangreich war das Programm zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus in München noch nie.
Vom 16. bis zum 29. März thematisieren Musiktheater, Podiumsdiskussionen, Lesungen und Vorträge die gängigen Ressentiments und Vorurteile, wie sie aktuell auf den weiter schrumpfenden Bagida-Demos zu vernehmen sind.
„Gerade in einer Stadt, die so bunt ist wie München, ist die Sensibilisierung gegen Rassismus elementar für ein gutes Zusammenleben“, sagt Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle gegen Rechtsextremismus.

„Bei uns leben Menschen aus 180 Nationen, 36 Prozent aller Münchner haben Migrationsgeschichte. Bei den 6- bis 17-Jährigen sind es sogar 55 Prozent.“ OB Dieter Reiter (SPD) drückt es so aus: „Münchens Zukunft hat Migrationshintergrund.“

In den letzten Jahren hat Ausländerfeindlichkeit insgesamt zwar abgenommen. Dafür werden bestimmte Gruppen laut Experten umso offener diskriminiert: Asylsuchende, Sinti und Roma sowie Muslime. In den Wochen gegen Rassismus stehen daher heuer vier Themen im Vordergrund:

Islamfeindlichkeit: ein kultureller, alltäglicher Rassismus, unter dem Menschen leiden, die ihren muslimischen Glauben sichtbar leben. Die Podiumsdiskussion „Was tun?“ zum Auftakt der Wochen gegen Rassismus am 16. März um 20 Uhr in den Kammerspielen dreht sich um die Ursachen und Konsequenzen dieses Phänomens.

Antiziganismus: Das sind Ressentiments gegen Sinti und Roma; sie haben eine lange Tradition in Deutschland und Europa. Über diese Volksgruppe wird meist im Zusammenhang mit dem Begriff „Armutsmigration“ gesprochen. Verschiedene Veranstaltungen versuchen, zu mehr Verständnis beizutragen und Vorurteile zu dekonstruieren, etwa das Musiktheaterstück „Suno. Traum“ am 25. März um 19 Uhr in der Mohr-Villa in Freimann.

Vorurteile gegen Flüchtlinge: Die speisen sich aus verschiedenen Quellen. Dabei geht es sowohl um ihre vermutete Religion und kulturellen Hintergrund als auch um Hautfarbe, also biologische Aspekte. Klassischer und kultureller Rassismus gehen hier oft Hand in Hand. Dazu gibt es den Film „First Class Asylum“ (20.3.) um 20 Uhr in den Kammerspielen.

Vorurteile gegen Schwarze: Die Hautfarbe macht Menschen zum „Gipfel des Fremden“, wie Kulturmanagerin Sarah Bergh selbst immer wieder erfahren muss. Zum Thema gibt es etwa. die Lesung „Anleitung im Schwarz sein“ (27.3., 19 Uhr) in der Buchhandlung „Lost Weekend“ in Schwabing.   

 

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