München Wenn Bayerns Kassen klingeln: Integration mal anders

Gutbetuchte Kundinnen: Shoppende Araberinnen in München Foto: Martha Schlüter

MÜNCHEN - Auf dem Arbeitsmarkt poltert Ministerpräsident Seehofer gegen Araber. Im Tourismus will die Staatsregierung dagegen islamische Länder als wichtigste Zielgruppe. Passt das zusammen?

 

Herzlich willkommen – wohlhabende Araber und junge deutsche Senioren. Für sie soll Bayern jetzt zum Paradies werden. Fremder Kulturkreis und Islam sind da kein Problem – schon eher die Rente mit 67: Denn die heutigen „junge Senioren verfügen über freie Zeit, viele auch über relativ hohe Kaufkraft“. Am „reiseaktivsten“ sind sie auch und könnten zu einer „einträglichen Stammkundschaft“ werden. So steht’s im tourismuspolitischen Konzept, das Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und seine Staatsregierung jetzt verabschiedet haben.

Die Kasse klingelt in Bayern aber vor allem, wenn die muslimischen Urlauber aus der Wüste anreisen. Sagenhafte 1400 Euro geben sie pro Person und Tag aus.

Doch ausgerechnet sie könnte Seehofer mit seinem Boykott gegen Zuwanderer „aus der Türkei und arabischen Ländern“ verprellt haben, fürchtet die FDP. „Wenn ich in der Zeitung lesen würde, Araber und Moslems sind in Bayern nicht willkommen, fahr’ ich doch dort nicht mehr hin“, schimpft der FDP-Abgeordnete Franz Xaver Kirschner, nachdem das Konzept im Landtag vorgestellt wurde. CSU-Tourismussprecher Klaus Stöttner dagegen säuselt: „Araber sind gern gesehene Gäste. Wir zeigen ihnen, dass unsere Gastfreundschaft grenzenlos ist.“

Integrieren müssen sich die Urlauber aus dem Morgenland jedenfalls im Freistaat nicht. Im Gegenteil: „Die bayerischen Gastgeber müssen sich voll und ganz den arabischen Sitten anpassen“, heißt es im Wirtschaftsministerium: „mit Gebetsräumen, arabischen Speisen und Küchen, in denen nachts gekocht werden kann.“

Denn die Araber verbringen in der Regel gleich drei Wochen im schönen Bayern – mit 315614 Übernachtungen im vergangenen Jahr, 87,4 Prozent davon in München. Der Großteil kam als Medizintouristen - mit Kind und Kegel. Aber auch immer mehr arabische Gäste entfliehen ganz einfach der heimischen Wüstenhitze in den bayerischen Sommer. In diesem Bereich verspricht sich Bayern mit Abstand die höchste Wachstumsrate.

„Die klimatischen Verhältnisse sind im Wettbewerb um wichtige Auslandsmärkte von Vorteil“, heißt es in dem staatlichen Konzept. Dazu komme das „positive Image“ des Freistaats. Imageuntersuchungen hätten bestätigt, dass die bayerische Bevölkerung als „besonders gastfreundlich“ gilt.

Als „neue Zielgruppe“ beim Urlaub daheim hat die Staatsregierung die „jungen Senioren“ entdeckt. Als „Wellnesstouristen“ sollen sie in die weißblauen Bäder und Kurorte gelockt werden. Die sind seit der Gesundheitsreform nämlich arg gebeutelt.

Angela Böhm

 

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