München Wegen des zukünftigen Rauchverbots: Wiesn wird teurer

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MÜNCHEN - Die Wirte müssen sich wegen des Rauchverbots etwas einfallen lassen. Umbauten und mehr Sicherheitspersonal werden nötig. Und dasschlägt sich auf die Preise nieder

 

Nur noch einmal, dann ist alles anders. Heuer werden Raucher ein letztes Mal ohne Bußgelder davonkommen, wenn sie auf der Wiesn rauchen. Die Zeit zwischen Volksentscheid und Aufbau des Oktoberfests sei zu knapp, hieß es zur Begründung bei der Stadt. Schon in zehn Tagen wird auf der Theresienwiese mit den Vorbereitungen begonnen.

Selbst Bayerns oberster Nichtraucher, Volksentscheid-Organisator Sebastian Frankenberger, mag nicht gegen die Lex Wiesn wettern. „Ich kritisiere zwar, dass die Ausnahme-Regelung schon im März gefallen ist. Aber ansonsten kann ich sie verstehen.“

Und auch der ein oder andere Nichtraucher-Gast wird vielleicht froh sein, dass es noch eine Schonfrist gibt. Denn das Nichtrauchergesetz kann teuer werden: Der Preis für Maß und Speisen zieht 2011 nach Meinung einiger Wiesnwirte deutlich an. Umbauten am Zelt, mehr Sicherheitspersonal und weniger Umsatz durch weniger Sitzplätze könnten den Maßpreis um bis zu 50 Cent nach oben schrauben. Dass Gesetz verursache für die Wirte „erhebliche Kosten“, sagt Peter Inselkammer junior vom Armbrustschützenzelt. Auch Peter Schottenhamel gibt zu: „Letztendlich betrifft es irgendwann immer den Preis.“

Pro großem Wiesn-Zelt müssen etwa 30 Sicherheitsleute mehr eingestellt werden. Ein Batzen Geld. Stecken die Wirte bislang pro Tag doch mehrere zehntausend Euro in Sicherheitsfirmen.

Dass sich die Maß 2011 der zehn-Euro-Marke nähern könnte, will Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer nicht bestätigen. „Ich will mich jetzt auf keine Preisdiskussion einlassen.“ Er als Hacker-Wirt hält ein absolutes Rauchverbot für schlicht nicht umsetzbar: „Wenn einer zum Rauchen vor die Tür geht, ist der Platz doch weg, bis er wieder kommt. Das kann keine Bedienung regeln.“ Für Roiderer bricht sogar ein Stück bayerischer Kultur weg. „Ein großes Stück Gemütlichkeit geht durch das Gesetz verloren.“

Sepp Krätz vom Hippodrom sieht das anders. „Die Leute stehen auch auf und gehen aufs Klo und nachher ist ihr Platz noch da. So wird das auch bei den Rauchern sein“.

Dass die Zelte leerer sind, oder es sogar Umsatzeinbußen gibt, glaubt Günter Steinberg vom Hofbräu-Zelt nicht. „So negativ würde ich das nicht sehen“, sagt er. Er will heuer auf die Speisekarten Hinweise zum Rauchverbot drucken. „In diesem Jahr müssen wir üben, wie sich das nächstes Jahr endgültig regeln lässt.“ Es fliegt aber keiner wegen einer Zigarette aus dem Zelt, betont er. 2011 sei dann ein abgetrennter Biergartenbereich für Raucher denkbar.

Möglich ist auch, dass bereits heuer einige Wiesnzelte rauchfrei seien. Sepp Krätz hat beim letzten Hippodrom-Umbau einen nicht bewirteten Balkon anbauen lassen. Dieser gehört nun den Rauchern. Nach der Hälfte der Wiesn will er Bilanz ziehen.

Während die großen Wiesnwirte noch diskutieren, ist manch’ kleiner Wirt schon weiter mit der Planung. So etwa Josef Schmidbauer. Die Ammer Hendlbraterei ist tagsüber völlig rauchfrei, abends wird die Hälfte zur Raucherzone. „Es hat sich noch nie einer beschwert“, sagt er.

Und bei Paulaner war man schon vor dem Volksentscheid gerüstet. Das nigelnagelneue Winzerer Fähndl wird so gebaut, dass theoretisch schon heuer alle Möglichkeiten gegeben wären, damit nicht mehr drinnen geraucht werden muss.A. K. Koophamel, J. Lenders

 

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