München Starkbier: "Dann spürt man gleich die Wärme"

Bier–Sommelier Lukas Bulka testet Starkbier-Sorten (v.l.): Aventinus, Salvator, Animator, Giesinger Sternhagel, Andechser Doppelbock, Maximator und Triumphator. Foto: Gregor Feindt

Bernstein-Farben, Bananen-Aromen und Lakritz-Noten im Abgang: Die AZ hat mit dem Biersommelier Lukas Bulka sieben Sorten getestet – und deutliche Unterschiede herausgeschmeckt

 

München - Der Papst konnte dem Starkbier nicht besonders viel abgewinnen. „Die Mönche hatten im 17. Jahrhundert ein Fassl nach Rom geschickt, weil sie nicht sicher waren, ob das während der Fastenzeit erlaubt ist“, sagt Lukas Bulka, Leiter des Münchner Oktoberfestmuseums in der Sterneckerstraße. In Italien kam das Bier nach drei Wochen an – und war sauer geworden. „Der Papst probierte und schrieb, dass die Mönche von dem greißlichen Gebräu eh nicht viel trinken könnten.“ Eine bayerische Tradition war geboren: Die Starkbiersaison während der Fastenzeit.

Gestern startete sie offiziell mit dem Anstich im Löwenbräukeller, Höhepunkt ist das Derblecken am Nockerherberg am 7. März. In den kommenden Wochen schenken zahlreiche bayerische Wirtschaften das ölige und gehaltvolle Bier aus (siehe Kasten).

Während alle Starkbiere pro Flasche etwa 1,10 Euro kosten, ist die geschmackliche Bandbreite groß: Aromen von verkohlten Aromen bis zu Bananengeschmack kommen vor. Die AZ hat mit Bulka, einem ausgebildeten Bier-Sommelier, einen Geschmackstest gemacht. Ein Ergebnis: „Starkbier ist kein Durstlöscher.“

PAULANERS SALVATOR

Fakten: 7,5 Prozent Alkohol, 18,3 Prozent Stammwürze

Aussehen
: „Auffällig ist die Bernsteinfarbe“, sagt Experte Bulka. Allerdings: Der Schaum fällt beim Salvator schnell zusammen.

Aroma
: Der typische Malzgeruch von Starkbier steigt zuerst in die Nase, im Mund schmeckt man die Hopfenbittere. „Das Bier wirkt erst süß, dann bitter und dann spürt man gleich die Wärme“, sagt Bulka. Im Nachgang schmeckt er Lakritznoten.

Wissenswert
: Das Bier von Paulaner ist das bekannteste aller Starkbiere. Der Name ging um 1629 aus dem Titel „Sankt-Vaters-Bier“ hervor, dass verkürzt wurde zum Salvator.

Fazit
: Der Urvater der Starkbiere schmeckt würzig und ausgewogen.

ANDECHSER DOPPELBOCK

Fakten
: 7,1 Prozent Alkohol, 18,5 Prozent Stammwürze

Aussehen
: Im Vergleich zum Salvator ist der Doppelbock wesentlich dunkler im Glas. Der Schaum ist fest.

Aroma
: Die Röstaromen treten deutlich beim Schnuppern hervor Bulka: „Oft erinnert das sogar an verbrannte Toastbrösel.“ Das Andechser hat auch süßliche Noten. „Ich schmecke Karamell und Honig“, sagt Bulka. Im Abgang hat es einen alkoholischen, metallischen Geschmack.

Wissenswertes
: Der Doppelbock wird durch das Dreimaischverfahren gewonnen: Die Maische wird bei hohen Temperaturen geröstet. Grundregel: Je heißer, desto kräftiger wird das Bier.

Fazit
: Ein süffiges, aber alkoholbetontes Bier.

LÖWENBRÄUS TRIUMPHATOR

Fakten
: 7,6 Prozent Alkohol, 18,2 Prozent Stammwürze

Aussehen: Es ist heller als das Andechser, hat einen eher bräunlichen Schimmer.

Aroma
: Das Bier hat einen zurückhaltenden, fast neutralen Duft. „Im Geschmack gibt es keine klar ausgeprägten Charakteristika“, sagt Bulka. Die Süße und die kräftige Malznote bleiben lange im Mund. Im Abgang kommt die Hopfenbittere stärker hervor.

Wissenswertes
: Das Löwenbräu-Bier soll stark machen: Nur im Keller am Stiglmaierplatz gibt es den Steinhebe-Wettbewerb für g’standene Männer.

Fazit: Ein unkompliziertes Bier.

AUGUSTINERS MAXIMATOR

Fakten
: 7,5 Prozent Alkohol, Stammwürze: unbekannt

Aussehen
: Was sofort auffällt ist die viele Kohlensäure. Aber besonders fest ist der Schaum nicht.

Aroma
: „Das ist ein typisches Augustiner-Bier mit sehr malzigen Aromen“, sagt Bulka. Der Alkoholgeschmack ist eher dezent. „Aber die Röstaromen bleiben lang im Mund.“ Ein bisschen schmeckt der Maximator nach kaltem Kaffee.

Wissenswertes
: Das lilafarbene Etikett auf der Flasche ist seit Jahren gleich. Bulka; „Nicht modern, aber kultig.“

Fazit
: Ein spritziges Bier mit dezenter Hopfenbitter-Note.

HACKER-PSCHORRS ANIMATOR Fakten
: 8,1 Prozent Alkohol, 19,3 Prozent Stammwürze

Aussehen
: Das leuchtend rote Etikett ist ein Vorgeschmack auf das Bier. „Die Farbe findet sich im Getränk wieder“, sagt Bulka. Auch ist es leicht trübe.

Aroma: Ein leichter Duft nach Tannennadeln und Vanille steigt aus dem Glas auf. „Es schmeckt aber auch fruchtig und nicht zu alkoholbetont“, sagt Bulka. Manch einer habe bei Blindverkostungen sogar Erdbeere herausgeschmeckt. Fakt ist aber: Dieses Bier hat es in sich. Bulka: „So einen kräftigen Braten kannst gar nicht auf den Tisch stellen, dass er geschmacklich mithalten kann.“

Wissenswertes
: Der Animator ist das Stärkste. Ursprünglich schenkte es Stammherr Pschorr Freunden ein.

Fazit
: Vollmundig, kernig – ein Bier für echte Kerle.

GIESINGER STERNHAGEL Fakten: 9,5 Prozent, Stammwürze: unbekannt

Aussehen
: Vom Aussehen her könnte es auch ein Helles sein. Auffällig ist das Bier schon, weil es in Proseccoflaschen verkauft wird.

Aroma: Nichts ist hier klassisch. „Das hat voll die Banane drin“, sagt Bulka zu den fruchtigen Noten. Neben dem Bananen-Geruch schmeckt man auch Ananas und Mango. Der Grund ist der Aromahopfen, mit dem die Giesinger brauen. Der hohe Alkoholgehalt ist der Trappistenhefe gedankt, die stabiler ist.

Wissenswertes
: Eigentlich hieß das Sternhagel früher „Delirium“ – doch der Name schien zu stark zum übermäßigen Trinken zu animieren.

Fazit
: Ein modernes Bier für Experimentierfreudige.

SCHNEIDERS AVENTINUS EISBOCK Fakten
: 12 Prozent Alkohol, 25,5 Prozent Stammwürze

Aussehen
: Hier schäumt es ordentlich aus der Flasche. Die Krone löst sich langsam auf.

Aroma
: Vom Geruch erinnert der Eisbock an Weißbier „Es duftet nach Geleebanane“, sagt Bulka. Im Geschmack hat es einen Rumtouch, ist pfeffrig mit Pflaumenaroma. „Das passt hervorragend zu Roquefortkäse.“

Wissenswertes
: Der Bock wird auch „Aff“ genannt – weil man sich nach einer Falsche wegen des hohen Alkoholgehalts schnell zum Affen macht.

Fazit: Ein geschmacklicher Wirbelsturm im Glas. 

Wer einmal sechs Starkbiere auf einmal verkosten möchte, kann dies am 10. März im Bier- und Oktoberfestmuseum tun. Dort wird blind verkostet, für 25 Euro gibt es eine warme und kalte Brotzeit dazu, Anmeldung bitte per Mail unter: info@Bier-und-Oktoberfestmuseum.de

 

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