München Richard-Strauss-Tunnel: Das Millionengrab am Ring

Auch jetzt in der Ferienzeit sorgt die Ampel an der Einmündung der Ifflandstraße für Stau. Foto: Daniel von Loeper

MÜNCHEN - 325 Millionen Euro kostete der Richard-Strauss-Tunnel. Doch am Isarring stauen sich die Autos mehr denn je. Und das Schlimmste daran: Alle haben es vorher gewusst.

Emil Masar hegt eine schreckliche Vermutung: „Sollte es sich hier um die größte öffentliche Fehlplanung aller Zeiten handeln?“, fragt der Münchner aus der Denninger Straße (Bogenhausen) aufgebracht. Es geht um 325 Millionen Euro, um Dreck, Lärm und Stau. Und es geht um große Hoffnungen, die jäh beendet wurden, seit am 20. Juli der Richard-Strauss-Tunnel im Münchner Osten freigegeben wurde. Der Grund: Es klemmt immer noch gewaltig, weil jetzt im Berufsverkehr mehr Autos durch die Röhre in Richtung Norden fahren können, als die Ampelanlage am Isarring packt. Die Folge: Dauerstau! Und das Schlimme daran: Alle Beteiligten haben das vorher ganz genau gewusst. Trotzdem ist mittelfristig keine Abhilfe in Sicht.

Um diese unglaubliche Situation ganz verstehen zu können, muss man ins Jahr 1990 zurückblicken, in dem die Tunnel-Planungen in voller Fahrt gestoppt worden waren – als Morgengabe der SPD an die grüne Braut für die rot-grüne Rathaus-Ehe. Beim Bürgerentscheid „Drei Tunnel braucht der Ring“ sprachen sich dann die Münchner 1996 mehrheitlich für den Bau von Petuel-, Richard-Strauss- und Kiesselbachplatz-Tunnel aus. Gegen den Widerstand der rot-grünen Rathaus-Koalition.

Den Geburtsfehler in Kauf genommen

Zum Beweis dafür, dass Kleingeisterei auch vor dem Münchner Rathaus nicht Halt macht, kommt jetzt noch ein zweites Streitprojekt ins Spiel: die Trambahn durch den Englischen Garten. Von Rot-Grün gewünscht, von den Schwarzen massivst abgelehnt. Die Gräben waren tief, die gegenseitigen Verletzungen schwer.

Was das alles mit dem neuesten Tunnel zu tun hat? Ganz einfach: Weil Rot-Grün die Garten-Tram nicht bauen durfte und den Tunnel bauen musste, so kolportieren es Rathaus-Insider und so geben es auch höhere rote Fraktions-Chargen hinter vorgehaltener Hand zu, wurde sehenden Auges in Kauf genommen, dass das 325 Millionen-Projekt an einem drastischen Geburtsfehler leidet: Durch den Richard-Strauss-Tunnel passen schlicht mehr Autos, als in Richtung Norden abfließen können. Und das bedeutet Stau. An dieser Stelle kommt wieder Tunnel-Anwohner Emil Masar ins Spiel. Der durchlitt mit seinen Nachbarn die sechs Bau-Jahre voller Dreck und Stau. Immer in der Hoffnung, dass nach der Tunnel-Öffnung alles gut wird. Eineinhalb Monate später spricht er von einer „totalen Fehlplanung“. Und davon, dass er „einen Zorn hat, das gibt’s gar nicht“.

In einer Mail an die Stadt hat Masar seinem Ärger Luft gemacht. Die Antwort aus dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) bestätigte seine ärgsten Zweifel. Denn da steht schwarz auf weiß, dass sich so schnell nichts ändern wird am Mittleren Ring Ost. Hauptproblem ist die Ampel an der Einmündung der Ifflandstraße in den Isarring. „Diese kann den vermehrten Verkehr nach Tunnelöffnung nicht mehr bewältigen“, heißt’s in dem KVR-Brief lapidar. „Davor warnen wir schon seit Jahren. Und das wird auch so bleiben“, prophezeite Stefan Bauer vom KVR nach der Tunnel-Öffnung. Denn ein Umbau – in Form einer Einfädelspur für den Verkehr vom Tucherpark – ist nicht in Sicht. Und offenbar politisch auch nicht gewollt.

Das Planungsreferat prüft jetzt erst mal

Zuständig für Maßnahmen gegen den Stau hinterm 325 Millionen-Tunnel ist das städtische Planungsreferat unter Leitung von Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Die Behörde will jetzt die Angelegenheit erst einmal ganz genau untersuchen. Vermutlich ab Oktober werden Verkehrszählungen durchgeführt, berichtet Referats-Sprecher Thorsten Vogel. Und dann werde geprüft, welche Maßnahmen ergriffen werden können.

Die Anwohner und Autofahrer werden also noch lange mit dem Stau leben müssen. Masar formuliert es so: „Wir befürchten ein fürchterliches Chaos, wenn die Schule wieder beginnt.“ Aber jetzt weiß er wenigstens ganz genau, woran das liegt.

Rudolf Huber

 

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