München Razzia im Rotlicht-Milieu: Polizisten als Freier

Das Bordell "Ceasars World" am Stahlgruberring: Im Bild eine Prostituierte, die in einer Arbeitspause liest. Foto: Ronald Zimmermann

MÜNCHEN - Razzia im Rotlichtmilieu. Polizei stellt Bordelle und Bars im gesamten Stadtgebiet auf den Kopf. Doch nur vier von über 300 Prostituierten gehen den getarnten Fahndern der Sitte auf den Leim

 

Sobald große Messen wie die Bauma in München laufen, oder auch während des Oktoberfests, brummt das Geschäft im Münchner Rotlichtmilieu. Und mit den Freiern kommt auch regelmäßig die Sitte. Doch diesmal waren die Liebesdamen auf die Razzia offenbar bestens vorbereitet.

Getarnt als Freier schwärmten die Rotlichtfahnder aus. Sie hatten die einschlägigen Anzeigen im Internet sorgfältig ausgewertet und anschließend die betreffenden Damen zu bestimmten Hotels bestellt. Dort erwartete die Liebesdienerinnen allerdings kein zahlungskräftiger Freier, sondern ein gesetzestreuer Beamter. Eine 37-Jährige aus der Ukraine und eine Kroatin (26) tappten in die Falle, weil sie im Sperrbezirk anschaffen gingen. Auch ein Callboy (32) aus Thüringen hatte Pech.

Zeitgleich stattete die Polizei den Cabaret- und Table-Dance-Bars rund um den Hauptbahnhof einen Besuch ab. Dabei wurde eine der Animierdamen erwischt, wie sie gerade einen der Gäste ohne Kondom verwöhnte. Auch sie bekam eine Anzeige unter anderem wegen Verstoßes gegen die Hygieneverordnung.

Mehr schwarze Schafe erwischten die Münchner Rotlichtfahnder allerdings nicht. Insgesamt stellten sie bis zum frühen Donnerstagmorgen 28 Bordelle im gesamten Stadtgebiet auf den Kopf. 323 Prostituierte wurden kontrolliert. In vier weiteren Table-Dance-Bars fühlten die Fahnder 65 Damen auf den Zahn. Doch alle waren sauber. Alle arbeiteten streng nach den Vorschriften von KVR und Polizei.

Keine Drogen, keine Waffen, keine illegal beschäftigten Frauen – die ganze Rotlichtszene wirkte wie frisch aufgeräumt, witzelt ein Szenekenner nach der Polizeirazzia.

Die Münchner Bordell-Könige haben sich auf die regelmäßig wiederkehrenden Polizeibesuche zu gewissen Anlässen offenbar bestens eingestellt. In den letzten Jahren fanden besonders während gewisser Großmessen aber auch während des Oktoberfests immer wieder groß angelegte Razzien in der gesamten Stadt statt. Von Jahr zu Jahr werden dabei allerdings immer weniger Verstöße registriert.

Münchens Luden und ihre Liebesdamen habe sich offenbar den verschärften Spielregeln angepasst und präsentieren sich als nach Kräften als Musterknaben der Republik. Höchste Zeit, dass die Polizei ihre Taktik ändert.

Ralph Hub

 

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