München Noch eine Woche Streik

Der Streik im Nahverkehr hat in München zeitweise für Störungen gesorgt. Jetzt prüft Augsburg die Rechtmäßigkeit eines Nahverkehrsstreiks Foto: dpa

Arbeitsniederlegungen führen zu Verspätungen bei den U-Bahnen, Tramlinien fallen aus. MVG und Verdi halten den Streik für „unsinnig“ – jetzt gehen die Lokführer in die Verlängerung.

 

MÜNCHEN Warten auf die U-Bahn: Tausende Wiesn-Besucher und Fußballfans mussten sich am Wochenende in Geduld üben, weil wegen des Streiks gegen die MVG U-Bahnen und Trambahnen ausfielen. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) will weiter streiken. OB Ude geht davon aus, dass die Arbeitsniederlegungen auch in dieser Woche fortgesetzt werden. MVG-Chef Herbert König droht der Gewerkschaft unverhohlen mit billigen Leiharbeitern.

Die Streiks können noch lange weitergehen, kündigt die dbb-Tarifunion an, die die Tarifverhandlungen für die GDL führt. Verhandlungsführer Willi Russ: „Wir haben unser Streikziel erreicht.“ Es würden „über 55 Prozent aller Dienstschichten bestreikt“, und es werde noch so lange weiter gestreikt, bis der Arbeitgeber Zugeständnisse mache.

Doch eine Einigung ist nicht in Sicht. MVG-Chef Herbert König spricht vom „unsinnigen GDL-Streik“. Und höhnt: „Die vollmundig angekündigte ,starke Eskalation’ ist ausgeblieben.“ Das liege wohl an der „geringen Schlagkraft“ der GDL. Er bietet der GDL die Stirn und kündigt an, ab sofort Leiharbeiter als Fahrer einzusetzen. Sollte der Streik länger dauern, würden noch mehr private (billigere) Fahrer eingeschaltet. „Die Streikenden machten sich mit jedem Tag ein Stück überflüssiger.“ Und sägten am eigenen Ast.

Damit sollen die GDL-Aktionen ins Leere laufen. König: „Angesichts des offensichtlichen Radikalisierungsgrads so mancher GDLer und der Wirkungslosigkeit der bisherigen Aktionen richten wir uns damit auch auf eine längere Auseinandersetzung ein.“ Er lasse sich nicht in die Knie zwingen. „Die Forderungen der GDL sind nicht verhandelbar.“

An diesem Streik beteiligen sich nur Mitglieder der Lokführer-Gewerkschaft GDL, die bei der Konkurrenz-Gewerkschaft Verdi organisierten Kollegen nicht. Die haben sich vor den Ferien mit den Arbeitgebern auf einen neuen Tarif geeinigt. „Es ist völlig unverhältnismäßig, was hier stattfindet“, sagt Verdi-Verkehrs-Leiter Frank Riegler zur AZ.

„Ich habe Verständnis für die Bürger, die sich darüber aufregen“, sagt OB Christian Ude. Die Gewerkschaft GDL versuche, „für eine kleine Gruppe bessere Tarife durchzusetzen“. Dieser Streik sei „kein Arbeitskampf der Beschäftigten“, sondern der Versuch einer Organisation, „auf dem Rücken der Stadt München und der MVG-Beschäftigten bessere Tarife zu erstreiten“.

Viele Münchner sind schon jetzt genervt: Bisher wurde während der Wiesn bei der MVG nicht gestreikt. Diesmal aber trafen die Ausstände ausgerechnet das „Italienerwochenende“. Am Samstag strömten zudem tausende Fußballfans ins Stadion. Diesmal waren die Auswirkungen des Streiks spürbar – vor allem bei der U3 und der U6, wo sich die Bahnen teilweise bis zu 25 Minuten verspäteten.

Um eine Massenpanik am Marienplatz zu verhindern, sperrte die U-Bahnwache mehrmals die Zugänge zum Bahnsteig. Auch am Sendlinger Tor kam es zu „Kapazitätsengpässen“. Auch am Odeonsplatz, wo die U4 von der Theresienwiese auf die U6 zur Allianz Arena trifft. Wegen der Streiks verspäteten sich außerdem Trambahnen und Busse, einige Linien fielen aus. Am Sonntag lief der Betrieb nach Angaben der MVG weitgehend normal. A. Hund/wbo/cl

 

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