München: Konzert in Olympiahalle Tote Hosen: Pfiffe für FC Bayern-Schmählied

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Ob Punk oder längst Pop: Campino ist der Springinsfeld für den überwältigenden Live-Abend. Foto: Stefan M. Prager

Die Toten Hosen haben in der Olympiahalle die Biermösl Blosn als Gäste dabei - und zeigen auch weiterhin keinen übertriebenen Respekt vor dem FC Bayern München.

 

München - An einen seiner München-Auftritte hat Campino keine gute Erinnerung: „Sechs Maaaaß: ja. Danach singen: Nein“, sagt er über seinen Spontan-Auftritt auf der Wiesn und stimmt mit der ausverkauften Olympiahalle „Tage wie diese an“. Textsicher sind die Fans bei jeder Hosen-Hymne. Auch das „Liebeslied“ singen Campino und die euphorische Menge Satz für Satz abwechselnd.

Nur bei einem Thema sind sich die Toten Hosen und ihre Fans, ja sogar die Fans untereinander, uneinig: FC Bayern. Campino hat mit den Fans schon mal das Auspfeifen geübt. Kaum einer kann sich beim Konzert am Dienstag vorstellen, dass es einen Grund geben könnte, Unmut durch ein Pfeifkonzert zu äußern. Und dann stimmen die Hosen frech den „Rekordmeister-Fahnen“-Haltern zum Trotz ganz leise ihr Lied gegen den FC Bayern an. Während die einen pfeifen, bis allen die Ohren klingen, singen die anderen inbrünstig und immer lauter werdend „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen“.

Eigentlich, so sagt Sänger Campino, spiele die Band das Anti-Bayern-Lied gar nicht so oft. Aber: „In dieser Stadt wollten wir uns nicht nachsagen lassen, dass wir nicht den Mumm dazu haben.“

Auch Spitzen zum Wechsel von Mario Götze und dem möglichen von Robert Lewandowski gibt es. Bayern-Präsident Hoeneß wird kurzerhand auch zum Protagonisten im Hosen-Kracher „Zehn kleine Jägermeister“: „Sechs kleine Jägermeister wollten Steuern sparen, Uli wurde eingelocht, fünf durften nachbezahlen.“

Doch Campino und Co können noch so sehr gegen sie sticheln, die Münchner lieben sie. Seit über 30 Jahren spielen sie ein Konzert nach dem anderen und jedes wirkt, als wäre es ein ganz besonderer Abend für sie und als würden sie sich besonders viel Mühe geben. Und das tun sie wahrscheinlich jeden Abend – und zwar mühelos. Campino, dieser Springinsfeld, kniet auf der Bühne und betet seine Fans singend an, nur um wenige Sekunden später auf einer Box zu stehen und sich als Hymnen-Gott feiern zu lassen. Dann rennt er mit knallrotem Schädel seitwärts über die Bühne wie eine Krabbe auf Koks und fuchtelt animierend mit den Händen.

„Wir spielen besonders gerne in Bayern, in München, weil hier viele unserer besten Freunde leben“, sagt Campino bei der Zugabe. „Und deshalb unterstützt uns jetzt die Rock'n'Roll Band, mit der wir uns in unserem Hosen-Leben am besten verstanden.“ Für den aufrechten Deutschen „Sascha“ holen sie die Biermösl Blosn auf die Bühne. München bedankt sich johlend und feiernd für diese gelungen Überraschung.

 

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