"München ist bunt" Trotz Pegida-Absage: 1.500 Menschen demonstrieren gegen Antisemitismus

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Knapp 600 Menschen sind am Freitag zur Demonstration "München ist bunt" gekommen. Die Aktion war eigentlich als Gegendemo einer geplanten Pegida-Veranstaltung unweit einer Synagoge gedacht, die dann aber kurzfristig abgesagt wurde. Foto: Jasmin Menrad

Obwohl Pegida die umstrittene Demonstration nahe einer Münchner Synagoge absagt, kommen hunderte Menschen zu einer Gegenveranstaltung.

 

München - Am Ende wurde es ihnen dann offenbar doch zu bunt: Nachdem das Bündnis "München ist bunt" zur großen Gegendemo aufgerufen hatte und der Gegenwind immer stärker wurde, hat das rechtsextreme Pegida-Bündnis seine geplante Demo unweit der Synagoge noch in der Nacht auf Freitag abgesagt.

Unter dem Slogan "Beschneidung von Säuglingen und Kindern verbieten" wollten die Veranstalter um den Chef Heinz Meyer demonstrieren - ein Affront gegenüber der jüdischen Gemeinschaft, gerade auch zu Beginn des Schabbats.

"München ist bunt" demonstriert gegen Rechtsextremismus

Dazu sagt der stellv. SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Vorländer, Fachsprecher gegen Rechtsextremismus: "Das Scheitern ist der Erfolg eines ganz starken Zeichens der Münchner Zivilgesellschaft gegen jede Art von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit. Die rechte Hetze von ,Pegida‘ hat in unserer Stadt keinen Platz – und schon gar nicht auf dem Sankt-Jakobs-Platz. München hat unmissverständlich klargemacht, dass es für Demokratie und Miteinander steht."

Die Gegendemonstranten von "München ist bunt" führten die Gegendemo trotz Absage von Pegida durch. Geschätzt 1.500 Menschen folgten am Freitagnachmittag dem Aufruf, viele mit den Mohnblumen des Künstlers Walter Kuhn, ein Zeichen des Friedens. Schauspieler aus den Kammerspielen und dem Volkstheater lasen Textpassagen aus "Tagebuch aus Bergen-Belsen 1944-1945" vor.

Nach Absage: Pegida will wieder auf dem Jakobsplatz demonstrieren

Charlotte Knobloch von der Israelischen Kultusgemeinde zeigte sich sichtlich bewegt: "Den Aufschrei der Gesellschaft, den ich mir immer gewünscht habe, den habe ich jetzt. Mit ihrer Anwesenheit machen Sie eines ganz klar: Judenhass hat in unserer Stadt keinen Platz. Und Judenhass darf in unserer Stadt niemals einen Platz haben. Das ist die Botschaft, die es in diesen schwierigen Zeiten braucht." Und sie fordert die Stadt auf, ihren Worten Taten folgen zu lassen und antisemitische Veranstaltungen auf dem Jakobsplatz zu verbieten. Knobloch muss aber auch sagen, dass Pegida am Sonntag in zwei Wochen "hier, auf diesem Platz" wieder eine Veranstaltung angemeldet hat.

 

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