München Innenminister Herrmann fordert Scientology-Verbot

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Foto: dpa

MÜNCHEN - Der ARD-Film über die Scientologen bescherte der ARD Zuschauerrekorde. Der Bayerische Innenminister beurteilt die umstrittene Organisation als gefährlich. In München gibt es Ärger über Postwurfsendungen.

Die Münchner leben seit Jahren sehr kritisch und ablehnend mit dem Scientology-Stützpunkt in Schwabing. Durch den ARD-Fernsehfilm „Bis nichts mehr bleibt“ wurde am Mittwochabend gezeigt, was diese Sekte ist. Der Film war der absolute Renner. Insgesamt 8,69 Millionen Zuschauer sahen den Film über die umstrittene Organisation. Er brachte der ARD einen Marktanteil von 27,1 Prozent. Beim Publikum zwischen 14 und 49 Jahren schalteten nach Angaben des Senders 2,2 Millionen (17,3 Prozent) ein.

Im Anschluss diskutierte Frank Plasberg in „Hart aber fair“ unter dem Titel „Sekten, Gurus und Gehirnwäsche“. Die Sendung erzielte mit 7,47 Millionen Zuschauern den besten Marktanteil seit ihrem Bestehen (28,3 Prozent). Beim jungen Publikum schalteten 1,77 Millionen (16 Prozent) ein.

"Scientology ist gefährlich"

Auch die Politik reagierte. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte sich am Donnerstag für ein Verbot der umstrittenen Organisation Scientology stark. „Scientology ist gefährlich und hat in unserem Land keinen Platz.“ Allerdings gebe es für das Verbot auf Bundesebene bisher keine Mehrheit, räumte er ein.

Bis dahin sei „es nur konsequent und richtig, dass wir in Deutschland Scientology durch den Verfassungsschutz beobachten lassen.“ Die Organisation vertrete die „bedingungslose Unterordnung des Einzelnen unter ein totalitäres Herrschaftssystem“. Das stehe in einem fundamentalen Gegensatz zum Grundgesetz.

Ärger über Werbung

CSU-Fraktionschef Georg Schmid unterstützt den Vorstoß: „Scientology ist eine menschenverachtende Psycho-Sekte, die Druck auf ihre Mitglieder aufbaut und das Ziel verfolgt, diese finanziell auszubeuten.“ Scientology sei keine Kirche, sondern eine gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtete Organisation. „Der Film hat einem breiten Publikum die menschenverachtenden Methoden von Scientology näher gebracht und die Gefahren der Sekte aufgezeigt.“

Unterdessen widersprach der Bayerische Verwaltungsgerichtshof einer Darstellung von Scientology Deutschland, wonach er ein gegen eine Scientologin verhängtes Kinderbetreuungsverbot für verfassungswidrig hält. In der ARD-Sendung „Hart aber fair“ habe ein Scientology-Sprecher diesen Eindruck erweckt. Diese Behauptung treffe nicht zu, so der Gerichtshof. Dabei sei es um den Fall einer Tagesmutter gegangen. Sie habe glaubhaft erklärt, dass Scientology für die Kinderbetreuung keine Rolle spiele.

Unterdessen beschweren sich Münchner, dass Scientology in diesen Tagen Werbung in die Briefkästen stecken ließ. „Ich sehe das als absoluten Gipfel der Unverschämtheit“, ärgert sich ein AZ-Leser. Es sei „kein Zufall“, dass das zeitgenau zum Film geschah. wbo

 

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