Morddrohungen gegen Pfarrer Schande von Zorneding: Für die CSU kein Thema

Die katholische Pfarrkirchen von Zorneding. Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende wird die Gemeinde verlassen. Foto: dpa/AZ

Immer wieder Zorneding: Erst hetzt eine Lokalpolitikerin gegen Flüchtlinge, dann wird der Pfarrer als "Neger" beschimpft. Jetzt tritt der Geistliche zurück – wegen Morddrohungen aus der Gemeinde. Für die CSU kein Grund, sich zu dem Thema zu äußern.

 

Zorneding – Die CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher hatte im örtlichen Parteiblatt geschrieben, dass Bayern derzeit von Flüchtlingen überrannt werde und es sich um eine regelrechte Invasion handele. Migranten aus Eritrea bezeichnete sie außerdem als Militärdienstflüchtlinge. Ihr Stellvertreter Johann Haindl legte in der Lokalpresse nach und sagte über den Gemeindepfarrer: "Der muss aufpassen, dass ihm der [Altpfarrer] Brem nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger."

Für Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende waren all dies Äußerungen, die mit christlichen Grundwerten nicht vereinbar sind. Klar bezog er unter anderem in seinen Predigten dagegen Stellung, warb für Nächstenliebe und Toleranz. Einige Gemeindemitglieder reagierten darauf wiederum mit blankem Hass: Sie drohten dem gebürtigen Kongolesen mit dem Tod.

 

"Ab mit dir nach Auschwitz"

In Briefen an den Geistlichen hieß es unter anderem "Ab mit dir nach Auschwitz" oder "Nach der Vorabendmesse bist du fällig". Die Zweite Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) berichtete gegenüber der SZ von einem Gespräch im Februar. Danmals habe ihr ein Zornedinger Bürger unter vier Augen gesagt, "dass es den katholischen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende bald nicht mehr geben werde".

Nach mittlerweile fünf Morddrohungen aus der Gemeinde Zorneding zog Ndjimbi-Tshiende jetzt die Notbremse: Er bat beim Erzbischöflichen Ordinariat München um die Versetzung in eine andere Gemeinde. Das Erzbistum nahm das Rücktrittsgesuch des Pfarrers an, wie der Sprecher des Erzbistums München und Freising, Bernhard Kellner bestätigte.

Keine Stellungnnahme von der CSU

"Wir bedauern das sehr und stehen an seiner Seite." Am Sonntag informierte der Pfarrer die Gemeindemitglieder im Gottesdienst über seinen Weggang. Die " Erfahrungen der letzten Zeit" hätten zu seiner Entscheidung geführt, erklärte er den Gläubigen, denen er seit 2012 vorstand.

Während der Vorfall bundesweit für Entsetzen und Bestürzung sorgt, scheint die CSU-Führung derzeit keinen Handlungsbedarf zu sehen. Obwohl die Aussagen ihrer Kommunalpolitiker als Auslöser für die Verrohung der Stimmung in der Gemeinde gelten, gibt es aus der Partei bislang keinerlei Stellungnahme zu den Vorfällen in Zorneding. Gegenüber dem BR lehnte Generalsekretär Andreas Scheuer eine Stellungnahme sogar explizit ab.

Grüne entsetzt über Schweigen der CSU

Die Weigerung der CSU, sich mit den Vorfällen von Zorneding auseinanderzusetzen, sorgt bei den Landtags-Grünen für harsche Kritik. Deren Fraktionsvorsitzende Margarete Bause sagte am Montag: "Seehofer muss sich mit dem Pfarrer solidarisieren, ihm – auch durch einen Besuch vor Ort mit einem persönlichen Gespräch – öffentlich beistehen, sonst feiern Rassisten hier letztlich mit Billigung der CSU einen Erfolg, den es in Bayern niemals geben darf."

Bause zeigt sich wütend, spricht von einer "abstoßenden, rassistisch motivierten Privatfehde von CSU-Funktionären mit dem Geistlichen", die Auslöser der fremdenfeindlichen Stimmung in dem Ort gewesen sei. Margarete Bause: "Der aus dem Kongo stammende Pfarrer ist Opfer eines fremdenfeindlichen Mobs, der sich auch durch die nur halbherzig zurückgenommenen rassistischen Äußerungen der örtlichen CSU-Funktionäre befeuert fühlen durfte." Hier sei nun definitiv ein "klares Bekenntnis der Parteispitze gegen fremdenfeindliche Hetze, unhaltbare Drohungen und die relativierenden Stellungnahme der Zornedinger CSU-Verantwortlichen vonnöten".

 

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