Mord an Mathias Vieth Polizisten-Mord: Zugriff zur Mittagsstunde

Ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei hat im Augsburger Polizisten-Mordfall zwei Verdächtige geschnappt. Foto: dpa/AP

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei nimmt in Augsburg zwei Männer fest. Die Ermittler sind sich sicher, dass die beiden den Polizisten Mathias Vieth (†41) Ende Oktober erschossen haben

 

Augsburg - Der Mord an dem Augsburger Polizisten Matthias Vieth steht offenbar unmittelbar vor seiner Aufklärung: Ein Spezialkommando (SEK) der Polizei hat gestern in Augsburg zwei Verdächtige überwältigt. Die Männer (beide über 50) sitzen inzwischen im Polizeipräsidium in der Haftzelle.

Die Polizei hatte die Tatverdächtigen bereits seit Tagen rund um die Uhr beschattet. Einer wohnt in Augsburg, der andere im benachbarten Friedberg. Am Donnerstag gegen Mittag geht das schwer bewaffnete Kommando aus München an beiden Orten in Stellung. Polizisten riegeln jeweils die Umgebung ab. Als sicher ist, dass die Männer nicht entkommen können, schlägt das SEK zu.

„Die beiden Männer leisteten keinen Widerstand“, erklärt Polizeisprecher Manfred Gottschalk. „Sie wurden von unserem Zugriff völlig überrascht“. Die mutmaßlichen Polizistenmörder wurden festgenommen und anschließend ins Präsidium in die Gögginger Straße zur Vernehmung gebracht. Die beiden schweigen bislang zu den Vorwürfen. Trotzdem ist sich die Sonderkommission „Spickel“ sicher, dass sie die Richtigen gefasst hat.

Nach AZ-Informationen stammen die Tatverdächtigen aus dem Augsburger Kriminellen-Milieu. Offenbar sind es aber keine, wie zunächst vermutet, Mitglieder der Russen-Mafia. Sie gehören auch nicht der Neonazi-Szene an. Es handelt sich um zwei Männer, die seit Jahren in Augsburg wohnen und dabei immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerieten. Ein Ermittler: „Die haben einiges auf dem Kerbholz.“

Genau zwei Monate lang hatte die Soko nach den Mördern ihres Kollegen Mathias Vieth gefahndet. Er war am 28. Oktober im Augsburger Siebentischwald erschossen worden (siehe Bericht unten). Zuletzt hatte die Polizei 100.000 Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt. Doch weder die hohe Belohnung noch die am Tatort sichergestellten DNA-Spuren brachten den Durchbruch, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Akribische Polizeiarbeit war es, die die Fahnder schließlich auf die Spur der Verdächtigen brachte. Systematisch wurden all diejenigen über-prüft, denen man ein so brutales Verbrechen zutraute. Alle Akten wurden nach Auffälligkeiten abgesucht. Mehrere Verdächtige wurden daraufhin überwacht. Es gab Festnahmen. Darunter zwei Männer, die in einem Augsburger Baumarkt geprahlt hatten, jemandem in den Kopf geschossen zu haben. Sie wurden festgenommen – es waren nur Wichtigtuer.

Die Verdächtigen werden heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Er entscheidet darüber, ob sie in Untersuchungshaft müssen. Am Nachmittag wollen Polizei und Staatsantwaltschaft auf einer Pressekonferenz mit Innenminister Joachim Herrmann und Justizministerin Beate Merk Details bekannt geben.

Tod im Kugelhagel

Am 28. Oktober um 2.50 Uhr morgens wollen Polizeihauptmeister Mathias Vieth (41) und seine Kollegin zwei Verdächtige auf einem Motorrad am Parkplatz Kuhsee im Stadtteil Hochzoll überprüfen.

Die dunkel gekleideten Männer haben eine schwarze Tasche bei sich. Sie sind wenige Meter entfernt, tragen Helme, die Gesichter sind vermummt. Doch die Männer antworten nicht – sie rasen auf dem Motorrad davon.

Die beiden Streifenbeamten nehmen die Verfolgung auf. Nebel erschwert die Sicht. Es ist stockfinster. Die Polizistin alarmiert per Funk die Einsatzzentrale, weitere Streifen werden alarmiert.
Das Motorrad steuert den Hochablass an, überquert die Lech-Brücke und rast dann scharf links von der geteerten Spickelstraße in den Siebentischwald hinein.

Auf einem Waldweg sehen sie im Nebel das Motorrad liegen. Die Verdächtigen sind in der Dunkelheit nicht zu sehen. Mathias Vieth steigt aus dem Streifenwagen. Dann fällt aus zehn Metern der erste Schuss.

Vieth feuert zurück. Doch er kann kein Ziel erkennen. Seine Kollegin ist ebenso hilflos. Sie feuert in die Dunkelheit. Mathias Vieth wird in Hals, Kopf und Unterleib getroffen, der zweifache Familienvater verblutet. Die Todesschützen fliehen mit der Tasche in die Nacht. rah

 

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