Mit Maß und Mitte TSV 1860: Die AZ-Zeugnisse für das Löwen-Mittelfeld

Schmerzlicher Verlust: Efkan Bekiroglu (2. v.r.) war der Leistungsgarant im Mittelfeld der Sechzger. Er verlässt den Verein. Foto: sampics/Augenklick

Zweiter Teil der AZ-Zeugnisse: Im Löwen-Mittelfeld überzeugen vor allem Ballzauberer Bekiroglu und Abräumer Rieder. Während der Spielmacher in die Türkei wechselt, ist die Zukunft des Leihspielers offen.

 

München – Der größte Ballzauberer der Blauen hat sich ins Rampenlicht eines Erstligisten gespielt, der beste Abräumer hat für Herzensklub Sechzig Gehaltseinbußen in Kauf genommen und trotzdem überdurchschnittlich geliefert in der vergangenen Saison: Sechzigs Zentrale konnte sich sehen lassen.

Spielmacher Efkan Bekiroglu, Leih-Löwe Tim Rieder und ihre Mitstreiter im Mittelfeld des TSV 1860 haben die Fans auch ohne die Krönung des Einzugs in die Aufstiegsrelegation mit erfrischendem Fußball verzückt, mit Maß und Mitte agiert.

Teil zwei der AZ-Zeugnisse für Sechzigs Männer der Mitte.

Quirin Moll, Note 4

Der Mittelfeld-Lenker mit Zweitliga-Erfahrung wurde im Sommer 2018 aus Braunschweig geholt und mit einem für Löwen-Verhaltnisse Top-Vertrag ausgestattet. Moll gilt als absoluter Musterprofi, der großen Wert auf Themen wie Ernährung, Krafttraining und Regeneration legt. Zum Leidwesen der Löwen konnte der 29-jährige Dachauer nach einem Kreuzbandriss im Februar 2019 (!) immer noch nicht Fuß fassen. Talent und Tauglichkeit zweifelsohne vorhanden. Fitness und Form nicht.

Tim Rieder, Note 2

Bundesligist FC Augsburg verlieh ihn mehrfach, bei 1860 fand er sein Glück in der Heimat. Ungeheuer zweikampfstarker, flexibler Abwehrspieler, der in der Innenverteidigung wie auf der Sechs überwiegend souveräne Auftritte hinlegte und die Qualität der Sechzger hob. "Ein absoluter Glücksgriff", sagte Geschäftsführer Günther Gorenzel mehrfach – ob er Rieder nun zum Lohn mit einem neuen Vertrag ausstatten kann?

Daniel Wein, Note 3

Dauerläufer, Kämpfer, Mister Zuverlässig. Wein agiert nicht selten unauffällig, doch er erledigte seine Aufgaben vor der Abwehr als unumstrittener Stammspieler abgezockt und unaufgeregt. Als Aushilfs-Innenverteidiger mit Licht und Schatten, was eine bessere Gesamtnote verhinderte.

Efkan Bekiroglu, Note 2

Der Deutsch-Türke wurde von allen Seiten immer wieder als "Unterschiedsspieler" bezeichnet. Zurecht: Technisch höchst geschmeidig am Ball und dynamisch im Vorwärtsgang war er einer der wenigen Löwen, die auch mal zwei, drei Gegner stehenlassen konnten. Mit zehn Toren zweitbester Torjäger – und das als Mittelfeld-(Ch)Effe. "Ich bedanke mich für die unglaublich schöne Zeit, in der ich mich perfekt entwickeln und wichtige Erfahrungen sammeln konnte", schrieb er zum Abschied per Instagram: "Danke für unzählige Gänsehaut-Momente!" Auf Sprungbrett Sechzig folgt sein neuer Arbeitgeber Alanyaspor in der türkischen Süper Lig.

Dennis Dressel, Note 2

Junglöwe Nummer zwei, den Bierofka ebenfalls früh förderte, bevor er wieder auf routinierte Kräfte baute. Der physisch starke Dressel gilt als Köllner-Gewinner, denn im 4-4-2-Rautensystem des Oberpfälzers ist der 21-Jährige gesetzt. Saison-Highlight des schussgewaltigen Youngsters: Mit seinem Dreierpack machte er 1860 fast im Alleingang zum Derbysieger gegen Haching.

Kristian Böhnlein, Note 4

Der Banker unter den Löwen musste erwartungsgemäß auch in seinem anderen Job einen Bankplatz einnehmen. In seinen neun Drittliga-Einsätzen konnte sich der defensiv oder offensiv im Mittelfeld einsetzbare Kronacher nicht aufdrängen. Einzige Ausnahme: Sein Traumtor zum 1:1 beim KFC Uerdingen, das 1860 auf die Siegerstraße brachte.

"Genial, welche Geschichten der Fußball schreibt. Dieses Spiel wird ihn sein Leben begleiten, das kann er noch seinen Enkeln erzählen", meinte Köllner. Am Mittwoch verabschiedete sich Böhnlein, der zum Regionalligisten Schweinfurt wechselt, von den Fans: "Ich bedanke mich bei Euch für diese wahnsinnig emotionale Zeit und für eure bedingungslose Unterstützung", schrieb er bei Instagram.

Timo Gebhart, Note 4

Einst TSV-Top-Talent, hundertfacher Bundesligaspieler. Nach seiner zweiten Rückkehr zuerst nicht fit und laut Bierofka "zu schwer", wobei auch die Muskelmasse gemeint sein sollte. Auch später durch Achillessehnenprobleme und am Saisonende durch muskuläre Probleme mehrfach ausgebremst. Zwischendrin gute Ansätze, nach wie vor eine Augenweide am Ball. Drei Tore und ein Assist in seinen 27 Spielen sind aber keine gute Bewerbung, bei klammen Löwen nochmal einen Vertrag zu bekommen.

Lesen Sie hier Teil eins der AZ-Zeugnisse für die Defensive des TSV 1860

2 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading