Mit Herz, Charme und Dachterrasse Coworking nur für Frauen: Die Münchner Kindl vom "Salon F"

Frisch gestrichen ist der "Salon F". Ab jetzt wird hier geplant, kalkuliert, gewerkelt - und Inspiration geschöpft. Foto: Salon F

Über den Dächern von Schwabing haben Friederike Streib und Judith Anger ihren "Salon F" eröffnet: Einen Coworking-Space nur für Frauen nach New Yorker Vorbild - mitten in München.

 

München - Alt-Schwabing, Uni-Viertel, direkt am Siegestor: Münchnerischer könnte der Ort kaum sein, den sich Friederike Streib und Judith Anger für ihren "Salon F" ausgesucht haben. Und kaum malerischer.

Fünf Stockwerke geht es hinauf, bis in die Dachetage. Wenn sich dort die Fahrstuhltür öffnet, steht der Besucher in einem lichten Flur, ohne durch eine weitere Tür zu gehen. Durch bodentiefe Fenster ist bei Fön die Alpensilhouette zu erahnen. Auf mehreren Dachterrassen stehen Klappmöbel, die auf den Münchner Sommer warten.

Blick auf die Alpen

Die 300 Quadratmeter große Etage erinnert an ein hippes Hotel in Soho und ein bisschen an ein Yoga-Studio. Es riecht nach Frühling - und nach frischer Farbe. Die Wände sind in Edelsteinfarben angemalt, kräftiges Rot, sattes Petrol, Bernsteingelb.

Davor stehen Samtsofas, und statt eines Filznadel-Bürobodens wurde ein weicher Teppich in Creme verlegt. Wer hat designt? Wer saugt? Wer hat's gestrichen? Zwei "Münchner Kindl" mit unternehmerischem Mut - und mit einer gemeinsamen Vision.

Kekse in Herzform

Friederike Streib (36) streckt Besuchern warm die Hand entgegen, dann eine dampfende Kaffeetasse, und dann ein Tellerchen mit Butterkeksen mit einem Marmeldadenklecks in Herzform in der Mitte.

"Salon F" heißt das Projekt, dem sie sich gemeinsam mit ihrer Co-Gründerin Judith Anger (33) verschrieben hat - und das jetzt ein Zuhause im Herzen Münchens gefunden hat. Im Februar war Eröffnung.

Die Idee, den ersten Coworkingspace nur für Frauen in München zu gründen, haben beide von ihren Auslandsaufenthalten mitgebracht: Friederike Streib arbeitete in Bangkok, Judith Anger in New York. Irgendwann wollten sie sich gemeinsam selbständig machen.

"Frauen netzwerken anders"

"Die Atmosphäre und Dynamik ist eine andere, wenn Frauen unter sich sind - offener, intensiver, mutiger", sagt Friederike. "Frauen lernen gerade, eigene Netzwerke zu schmieden und müssen dafür erst Formen finden." Das habe sich bei vielen Veranstaltungen gezeigt, die sie in der Vergangenheit organisiert hat.

Zwei Visionen, eine ganz neue und eine ganz alte, haben die Vorstellung von ihrem Sehnsuchtsort geprägt: Das eine Vorbild kommt aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als literarische Salons Frauen Gelegenheit gaben, aus der Mutterrolle auszubrechen, sich auszutauschen und Ansichten kritisch zu diskutieren. Das andere Vorbild könnte moderner nicht sein: Mit "The Wing", einem Co-Working-Space nur für Frauen, entstand in der Folge von feministischen Debatten um Lohnunterschiede und Sexismus am Arbeitsplatz mitten in New York City ein geschützter Raum für Unternehmerinnen, die netzwerken, sich gegenseitig inspirieren und zusammenarbeiten wollten – ohne Männer, ladies only.

Ladies only!

Das Geschäftsmodell schlug ein wie der Hashtag #metoo: Innerhalb kurzer Zeit trieb das US-Team 80 Millionen Fördergelder ein. Weitere Salons in etlichen US-Großstädten konnten gegründet werden, das Motto immer: "Collaboration over competition". Frauen sollten sich nicht länger zwischen Authentizität, den eigenen Werten und dem erfolgreichen Auftritt in der Arbeitswelt entscheiden müssen.

"Frauen Clubs gab es schon im frühen 20. Jahrhundert, sowohl in den USA als auch bei uns im deutschsprachigen Raum. In der Tradition dieser literarischen aber auch politisch geprägten Frauen Salons sehen wir auch unseren SALON F", erzählt Friederike. "In Zeiten von #metoo und #paygap könnte ein solcher Ort kaum aktueller sein!“

Herausforderung Immobilienmarkt

Der Weg bis zu den eigenen Räumen war dennoch ein langer: Zunächst erarbeiteten sich die beiden Gründerinnen eine Community mit Mini-Pop-Up-Büros in München, die an wechselnden Orten wie zum Beispiel in der Alten Akademie zwischen Marienplatz und Stachus für meist nur einige Wochen öffneten – urban, spontan und immer zentral.

Ihre größte Herausforderung zu dieser Zeit? "Ganz klar: Immobiliensuche in München!" Es sei ein langes Jahr mit vielen herben Enttäuschungen gewesen, "weil der Markt der Gewerbeimmoblien genauso umkämpft ist wie der Wohnungsmarkt."

Persönliche Ansprache und Kekse

Doch durch solide Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote speziell für Frauen zu Themen wie Rente, Paygap, Persönlichkeitsentwicklung, Geldanlagen und Unternehmensgründung zogen sie auch in ihren Pop-Up-Büros schon ein geeignetes Klientel an – und banden es durch eine sehr persönliche Ansprache an sich. Und vielleicht ein wenig auch durch Kekse.

Bis in den Februar wurden dann Pinsel im Dachgeschoss in der Leopoldstrasse geschwungen: "Da ging manches Wochenende drauf!"

Hochwertige Möbel beziehen sie aus der Kooperation mit einem Möbelhersteller. Und der cremeweiße Teppich? Nun ja, vernünftig war’s nicht, aber der musste eben sein.

Erfolgreiche Eröffnung in der Leopoldstraße

Rund 250 Euro pro Monat kostet heute ein Arbeitsplatz in der Leopoldstraße 7. Für 380 Euro gibt es ein festes Büro. Dazu kommen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer auf der einen und dafür abschließbare Rollcontainer, WLAN, Kaffee und Wasser auf der anderen Seite.

Die Eröffnung war erfolgreich, und die Erleichterung darüber ist so sichtbar wie die vielen bunten Tulpen in den Vasen, die Luftballons und Lampions, die noch von der Party am Vorabend weggeräumt werden müssen.

"Vielleicht braucht es einen Women Only-Raum in 20 Jahren nicht mehr", sagt Friederike, "aber gerade jetzt sehen wir dafür noch einen Bedarf und eine Nachfrage von Frauen aus allen Generationen."

Lebensgleichgewicht statt Work-Life-Balance

Nun arbeiten Judith und Friederike daran, das Angebot weiter auszubauen: After-Work-Drinks, Vortragsreihen und wöchentliches Yoga sind geplant, dazu Meditation und individuelles Coaching. Neue berufliche und private Chancen schaffen, das ist ihr Ziel. Die altmodische Dualität der Work-Life-Balance wollen sie auflösen und einen Raum für ein allgemeines Lebensgleichgewicht schaffen, das Arbeit und Freizeit nicht mehr trennen kann – wie es für viele Selbständige und Arbeitnehmer ohnehin längst Realität ist – aber sie auch nicht mehr trennen will. Eine Idee, die fast schon revolutionär klingt – vielleicht nicht nur für München, und vielleicht nicht nur für Frauen.

Salon F, Social Club und Coworking, Leopoldstrasse 7, 80802 München, geöffnet täglich 9-18 Uhr.

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